Die Entwicklung des Personen- und Güterverkehrs ist ein klares Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa. Mit der Erweiterung der EU auf über 25 Mitglieder, zu denen in den kommenden Jahren noch einige dazu kommen werden, bleibt nicht ohne Folgen für den Personenverkehr, noch mehr aber für den Gütertransport auf Strasse, Schiene und den Wasserwegen. Die ProgTrans AG untersucht seit vielen Jahren periodisch die Entwicklung im Personen- und Güterverkehr in Europa und erstellt dazu entsprechende Prognosen, welche als Basis für die zukünftige Planung der Verkehrsinfrastruktur dienen. In ihrer vierten Auflage des «European Transport Reports» äussert sich das Prognoseinstitut sehr detailliert zur Entwicklung der Verkehrsströme in Europa. Im Folgenden seien deshalb die wichtigsten Passagen zur Entwicklung des Güterverkehrs zitiert.

Sowohl der Güter- wie auch der Personenverkehr werden sich in Europa bis zum Jahr 2020 gegenüber heute nicht verringern. Im Gegenteil: ProgTrans AG erwartet in ihrem neuesten «European Transport Report» Zunahmen der Güterverkehrsleistung um mehr als ein Drittel der heutigen Nachfrage. Die Personenverkehrsleistung wird aufgrund der nur noch schwachen Bevölkerungsentwicklung um rund 10% ansteigen. Die Hauptlast des Verkehrs wird auch weiterhin die Strasse tragen müssen. Mehr als drei Viertel aller Güter werden mit dem Lastwagen transportiert, mehr als vier Fünftel des Personenverkehrs werden mit dem PW unternommen. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern.

Deutschland grösster Markt

Der grösste Verkehrsmarkt Europas ist und bleibt Deutschland. Fast ein Viertel des gesamten europäischen Güterverkehrs wird hier abgewickelt, rund 16% aller Personenkilometer werden hier erbracht. Die zentrale Lage beschert Deutschland, aber auch seinen Nachbarn, insbesondere der Schweiz und Österreich, hohe Belastungen im Durchgangsverkehr, nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutungszunahme grenzüberschreitender Verkehre in einem sich immer weiter verflechtenden Europa.
In Europa wird sich das ungebrochene Wachstum des Güterverkehrs auch in den nächsten 15 Jahren fortsetzen. Bis 2020 erwartet ProgTrans eine Zunahme um mehr als ein Drittel der heutigen Güterverkehrsleistung. Ein Blick in die Teilmärkte zeigt jedoch durchaus Unterschiede: Während die Güterverkehrsleistung im westlichen Europa (bestehend aus den 15 alten EU-Staaten plus Norwegen und der Schweiz) im Jahresdurchschnitt mit etwa 2% wachsen wird, nimmt die Güterverkehrsleistung in Osteuropa bis 2020 um einen Prozentpunkt schneller zu. Die vielfach erwartete Verkehrslawine aus dem Osten bleibt dennoch aus. Denn: Die hinter dieser beeindruckenden Wachstumsrate stehenden absoluten Zahlen gehen im Güterverkehr Westeuropas beinahe unter. So besitzt allein Deutschland einen grösseren Güterverkehrsmarkt als ganz Osteuropa zusammengenommen. Und daran wird sich auch in den nächsten 15 Jahren nichts ändern. Der grösste Güterverkehrsmarkt Europas wächst jahresdurchschnittlich um 2,3% und damit sogar geringfügig über dem europäischen Durchschnitt.

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Schiene im Nachteil

Im Wettbewerb um die Anteile am Güterverkehr besitzen alle drei Landverkehrsträger unterschiedliche Ausgangspositionen: Während heute auf der Schiene knapp 18% der gesamteuropäischen Güterverkehrsleistung abgewickelt wird, besitzt die Strasse einen Anteil von 77%, das Binnenschiff 5%. An dieser Übermacht der Strasse wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Im Gegenteil: Der Strassengüterverkehr wird in Europa bis 2020 mit 2,3% pro Jahr stärker als die beiden anderen Verkehrsträger wachsen. Für diese Entwicklungen nennt ProgTrans verschiedene Gründe: Zum einen verliert die Bahn in Osteuropa nach wie vor überdurchschnittlich an Marktanteilen, nicht zuletzt aufgrund des Rückgangs von bahntypischen Transporten bei gleichzeitig immer noch veralteter Infrastruktur. Dies kann durch punktuelle Marktanteilsgewinne der Schiene in Westeuropa nicht aufgefangen werden. Zum anderen setzt sich in Gesamteuropa der Güterstruktureffekt weiter fort: Weg vom bahnaffinen Massengut hin zu hochwertigen Halb- und Fertigwaren, die vielfach schneller, planbarer, sicherer und nicht zuletzt kostengünstiger mit dem Lastwagen befördert werden. Hinzu kommt: Die starke Verflechtung der europäischen Volkswirtschaften untereinander und die Diversifizierung der Produktions- und Logistikprozesse führen auch in Zukunft zu weiter steigenden Transportentfernungen. Obwohl die grossen Entfernungen die Schiene begünstigen könnten, ist sie heute noch zu wenig in der Lage, grenzüberschreitende Verkehre effizient und zuverlässig abzuwickeln. Die positiven Effekte der Eisenbahnliberalisierung reichen momentan bestenfalls aus, den Marktanteilsverlust zu bremsen. Die Trendumkehr wird noch Geduld und zusätzliche Anstrengungen brauchen.
Die volkswirtschaftlichen Verflechtungen lassen sich auch in den Entwicklungen der einzelnen Hauptverkehrsrelationen ablesen. Während die Binnenverkehre innerhalb der einzelnen Länder nur noch unterdurchschnittlich zunehmen, werden die grenzüberschreitenden Transporte in Gesamteuropa bis 2020 jedes Jahr um durchschnittlich 3% wachsen. Bereits heute verbleibt mehr als ein Drittel des europäischen Güterverkehrs nicht mehr in seinem Ursprungsland, sondern erfolgt länderübergreifend. Diese Entwicklung bekommen gerade die zentral gelegenen Länder zu spüren. In der Schweiz und in Österreich ist beinahe ein Drittel des Gesamtverkehrs Transit, dies wird sich in den nächsten 15 Jahren noch leicht verstärken. Aber auch in Deutschland wird im Jahr 2020 jeder fünfte Tonnenkilometer im Durchgangsverkehr erbracht werden. Die ProgTrans erwartet bis 2020 für Europa eine Zunahme der mit Flugzeugen beförderten Güter um mehr als die Hälfte der heutigen Frachtmenge. Auch hier spielt die osteuropäische Nachfrage nur eine untergeordnete Rolle, Westeuropa wickelt auch in 15 Jahren mehr als fünfmal so viel Luftfracht ab.

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Transport Report: Die Strasse dominiert

Grundlagen
Der «European Transport Report» enthält auf 500 Seiten umfassende Daten zum Güter- und Personenverkehr in Europa. Für 31 europäische und sechs weitere Länder bietet der Report neben wichtigen sozioökonomischen Grundlagendaten detaillierte Zeitreihen zur Verkehrsleistung seit 1995 und bis zum Jahr 2020. Es werden alle Verkehrsträger im Land- und Luftverkehr behandelt. Der «European Transport Report» wird in einem Abstand von zwei bis drei Jahren von der ProgTrans AG, Basel, erarbeitet. Das Unternehmen erstellt forschungsbasiert Prognosen und bietet Strategieberatung im Bereich Transport und Verkehr an. Beratungsschwerpunkte sind Verkehrsanalysen und Verkehrspolitikberatung, Verkehrsplanung und Infrastrukturberatung sowie Transportmarktanalysen. Die ProgTrans AG, ein unabhängiges Schweizer Beratungsunternehmen, ging aus dem ehemaligen Bereich Verkehr der Prognos AG hervor.

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www: progtrans.com