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«Eurovision Song Contest»: Schweizer Teilnahme mit Nebengeräuschen

Für die Schweizer Sinplus hat es in Aserbaidschan nicht ins Finale gereicht. Ein Millionenpublikum bestaunt am Samstag aber das Hallenkonstrukt, an dem die Thurgauer Nüssli-Gruppe mitbaute - an einem

Von Volker Strohm
am 23.05.2012

Der erste Halbfinal des «Eurovision Song Contest 2012» (ESC) ist Geschichte - die Schweiz schaffte die Final-Qualifikation einmal mehr nicht. Obwohl das Schweizer Fernsehen SRF nur 200'000 Zuschauer vermeldete, gingen in den sozialen Medien die Wogen hoch. Ironische, teils zynische Kommentare machten ob des Dargebotenen auf Twitter oder Facebook die Runde.

Nur ganz vereinzelt wurde auch politische Kritik laut - etwa in jenem Moment, als Kommentator Sven Epiney bei einem landschaftlich-stimmungsvollen Einspieler den Austragungsort Aserbaidschan mit der Schweiz verglich. Ausgerechnet Aserbaidschan, ein Land, dem von verschiedener Seite immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Korruption vorgeworfen werde. Da passt ins Bild, dass bei Ankunft der ersten Gäste des ESC die Polizei notabene Proteste von Regierungsgegnern unterdrückt hatte - auch mit Hilfe von Festnahmen.

Zwangsräumungen für das imposante Konstrukt

Aus Schweizer Sicht ist der ESC in Baku deshalb brisant, weil die Thurgauer Nüssli-Gruppe beim Bau der 25'000 Zuschauer fassenden «Crystal Hall» massgeblich beteiligt war. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, waren bei der Errichtung des imposanten Hallenkonstrukts und der Erstellung der Zufahrtsstrassen Zwangsräumungen nötig. Die Eigentümer hätten nicht protestiert, sie seien mit der Entschädigung sehr zufrieden gewesen, wird zwar Organisator Adil Karimli vom aserbaidschanischen TV-Sender zitiert.

Doch demgegenüber steht belastendes Filmmaterial eines Untergrundsenders. «Zu sehen sind wütende Anwohner, die monatelang gegen ihre Vertreibung und die Zerstörung ihrer Wohnungen gekämpft haben», so der Bericht. «Es hätte eine kleine Mediensensation sein können», schreibt Daniel Graf, ehemaliger Mediensprecher von Amnesty International in seinem Blog. «Leider war die Story in der Schweiz im Vorfeld keine Zeile wert.»

«Ich habe meinen Augen nicht getraut - jemand hatte mit einem Schaufelbagger durch das Dach einen riesigen Betonklotz ins Zimmer geschleudert», wurde ein Anwohner in einem Bericht von «Spiegel Online» zitiert. In der Decke klaffte danach ein fünf Quadratmeter grosses Loch.

Wortkarger Hallenbauer

Darauf angesprochen gibt man sich beim Hallenbauer in Hüttwilen auf Anfrage von «Handelszeitung Online» wortkarg: Selbst auf die absolut unkritische Frage, wie denn die Bauzeit in Baku verlaufen sei, meint Nüssli-Marketingleiterin Marike van der Ban lapidar: «Gerne verweisen wir Sie an unseren Kunden, das State Committee der Republik Aserbaidschan.» Weitere Angaben aus Firmensicht könne man nicht machen. 

Während der schrägen Auftritte von Russland, Albanien oder Irland am Dienstagabend waren die diversen happigen Vorwürfe an die Adresse Aserbaidschans ohnehin kein Aspekt mehr. «Die Behandlung solch komplexer Themen fand in der ESC-Sendung keinen Platz mehr», erklärt SRF-Mediensprecher Bernard Strapp. «Zahlreiche andere Sendungen haben sich diesem Thema aber angenommen und über die Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan berichtet.»


 

 

Eurovision Song Contest 2012

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