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Machtkampf
Ex-Chef Kalanick kämpft bei Uber um Einfluss

Ex-Chef Kalanick kämpft bei Uber um Einfluss
Travis Kalanick: Baut den Uber-Verwaltungsrat mit seinen Leuten aus. Keystone

Als Chef hat Travis Kalanick bei Uber ausgedient. Weiterhin ist der umstrittene Mitgründer aber Teil des Verwaltungsrat. Mit einem geschickten Schachzug versucht er nun dort seine Position zu stärken.

Uber kommt nicht zur Ruhe: Der frühere Chef Travis Kalanick erweitert den Verwaltungsrat um zwei Mitglieder, um seinen Einfluss bei dem von ihm mitgegründeten Fahrdienst-Vermittler zu retten.

Der umstrittene Mitgründer Kalanick machte von seinem Recht Gebrauch, zwei Mitglieder des Verwaltungsrates zu benennen – ohne Vorwarnung an den Rest des Gremiums oder den neuen Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Erzwungener Rücktritt

Medienberichte legen nahe, dass Kalanick damit versucht, seinen Einfluss bei der Firma zu retten. In dem Gremium wird demnach gerade über Massnahmen diskutiert, die seine Stimmrechte verringern und eine Rückkehr ins Management erschweren würden.

Uber-Mitgründer Kalanick war im Juni nach einer Reihe von Skandalen auf Drängen von Investoren zurückgetreten. Nun berief er zwei erfahrene Top-Manager in den Verwaltungsrat: Die frühere Xerox-Chefin Ursula Burns und den ehemaligen Boss der Investmentbank Merrill Lynch, John Thain. Das Gremium wächst damit auf elf Personen an. Kalanick hatte sich das Recht, als Grossaktionär zwei Plätze im Aufsichtsrat zu besetzen, im vergangenen Jahr gesichert.

Reaktion auf Stimmrechtsbescheidung

Der «New York Times» zufolge wurde sein Vorstoss von Plänen ausgelöst, die sein Nachfolger und die Investmentbank Goldman Sachs am Donnerstag in den Verwaltungsrat einbrachten. Sie sollen den Rahmen für einen Einstieg des japanischen Technologiekonzerns Softbank schaffen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Zu den Plänen gehöre, dass zehnfache Stimmrecht bei einigen Aktien abzuschaffen. Das würde die Macht Kalanicks reduzieren – aber auch anderer früher Investoren wie des Start-up-Finanzierers Benchmark, mit dem er im Clinch liegt.

Auch ein weiterer Vorschlag ziele auf Kalanick: Ehemalige Top-Manager sollen demnach nur in operative Positionen zurückkehren können, wenn sie die Zustimmung von zwei Dritteln des Verwaltungsrates und 66,7 Prozent der gesamten Aktionärsstimmen bekommen.

Investoren sind geteilter Meinung

Kalanick wollte ursprünglich nicht vom Chefposten zurücktreten, sondern nur eine Auszeit nehmen. Er nahm erst seinen Hut unter massivem Druck von Investoren wie Benchmark. Eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung hatte massive Defizite bei Uber aufgedeckt und Kalanick wurde als Chef dafür verantwortlich gemacht.

Der Verwaltungsrat ist bereits gespalten, was die Vorschläge angeht: Einige frühe Uber-Investoren machen Front dagegen. Dazu gehörten die Risikokapitalgeber Shervin Pishevar und Steve Russell, berichtete das «Wall Street Journal» am Montag.

Neuer Chef «enttäuscht»

Khosrowshahi zeigte sich «enttäuscht» von der unabgesprochenen Erweiterung des Aufsichtsgremiums durch Kalanick. Er wollte am Dienstag auch mit Behörden in London verhandeln, um das drohende Aus für die Firma in der britischen Hauptstadt abzuwenden. Sie werfen Uber vor, verantwortungslos zu agieren. Khosrowshahi verband die Probleme ausdrücklich mit dem schlechten Ruf der Firma in der Kalanick-Ära.

(sda/jfr)

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