Vor dem Strafgericht in Lugano TI hat der Betrugs-Prozess gegen die beiden früheren Inhaber der Luganeser Casino-Discothek NyX begonnen. Die beiden Männer sollen über vier Millionen Franken der Einnahmen schwarz kassiert und teilweise abgezweigt haben.

Einer der Angeklagten, ein 46-jähriger Peruaner, muss sich auch wegen undurchsichtiger Geschäftszahlen in weiteren Lokalen rechtfertigen. Ihm gehörten diverse Bars und Discotheken in Lugano.

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Rund zwei Millionen Franken sollen in der Buchhaltung gefehlt haben. Ausserdem wird ihm Mittäterschaft bei Freiheitsberaubung und Körperverletzung vorgeworfen.

Gemäss Anklageschrift wies er im Oktober 2011 das Sicherheitspersonal an, zwei unerwünschte Gäste des Nyx in einen Raum zu sperren und zu misshandeln.

Sein Kollege, ein 48-jähriger Italiener, steht ausschliesslich wegen Finanzdelikten vor Gericht. Abgesehen von seiner Mitverantwortung im Nyx soll er dem Casino Lugano auch in seiner Rolle als externer Marketing-Mitarbeiter geschadet haben.

Die Anklage wirft ihm vor, zu hohe Spesen deklariert zu haben. Er soll in Italien Rechnungen in der Höhe von rund 37'000 Franken gefälscht haben. Der Ex-Marketing-Konsulent bestreitet jedoch, dass Casino betrogen zu haben.

Die Ausgaben habe er tatsächlich getätigt, sagte er am Montag. Da dies in Italien aber schwarz erfolgte, habe er nachträglich Rechnungen erstellen müssen.

Geld investiert

Die Angeklagten rechtfertigten sich auch hinsichtlich der übrigen Vorwürfe. Dass schwarz kassierte Geld sei in der Regel ins Geschäft investiert worden. Unter anderem seien Umbauarbeiten und Löhne der Angestellten bezahlt worden. Zudem hätten sie einem Partner dessen Anteile an der Gesellschaft des Nyx abgekauft.

Die beiden Männer wurden im Oktober 2012 nach Kontrollen in der Discothek Nyx festgenommen. Sie befanden sich seitdem in Untersuchungshaft. Das Nyx sowie die weiteren Lokale des Peruaners wurden geschlossen. Nur einer der Clubs ist inzwischen durch einen neuen Inhaber wiedereröffnet worden.

Politische Dimension

Weil es sich bei dem Nyx um die Discothek des Casino Lugano handelte, bekam der Vorfall eine politische Dimension. Mehrheitsaktionärin der Spielbank ist die Stadt Lugano. Vertreter der Stadtregierung sassen im Verwaltungsrat.

Das Casino hat sich von Anfang an von den Beschuldigten und ihren Geschäften distanziert. Betont wurde, dass die Discothek lediglich über einen Mietvertrag mit dem Casinò verbunden war.

Der Italiener soll in der Marketingabteilung nicht fest angestellt gewesen sein. Das Casino tritt als Privatklägerin in dem Prozess auf.

Gemäss Anklageschrift wurde die Gesellschaft finanziell auch geschädigt, weil ihr falsche Umsatzzahlen genannt wurden. Das habe wiederum zu einer Minderung der Miete um rund eine Million Franken geführt. Der Prozess ist über mehrere Tage angesetzt. Der Termin der Urteilsverkündung steht noch nicht fest.

(chb/sda)