Die Basler Staatsanwaltschaft hat im Fall der insolventen Charterfluggesellschaft Hello ein Verfahren eröffnet: Im Visier ist der ehemalige Finanzchef, der im Verdacht steht, über Monate beschönigt zu haben. «Der Beschuldigte selbst entnahm diese neuerliche Entwicklung am Wochenende der Zeitung ‹Der Sonntag›», wird sein Anwalt von der «Basler Zeitung» (BaZ) zitiert.

Allerdings sei sein Mandant bis heute von der Staatsanwaltschaft nicht kontaktiert worden - entsprechend wisse dieser laut Bericht nicht, was ihm konkret vorgeworfen werde.

Anders sieht die Staatsanwaltschaft: «Er hat von sich aus vergangene Woche angerufen und gesagt, dass er selbst Aussagen zum Fall machen und gewisse Dinge klarstellen wolle», sagt Sprecher René Gsell gegenüber der «BaZ». Bei dieser Gelegenheit habe man ihm laut Bericht mitgeteilt, dass ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet worden sei.

Zwangsmassnahmen nicht vom Tisch

Die Staatsanwaltschaft begrüsse es, dass der Beschuldigte kooperieren wolle, heisst es weiter. Dennoch wolle sich die Behörde Zwangsmassnahmen - wie Untersuchungshaft oder die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens - vorbehalten. Beides stünde laut Gsell derzeit aber nicht zur Diskussion.

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Grundsätzlich gehe es nicht um Inkompetenz, sondern Betrug: «Es liegt eine Straftat vor», bestätigt Gsell gegenüber der «BaZ».

Fragen an die Revisionsgesellschaft

Im Zuge dieser Ermittlungen gerät auch die Bando Treuhand AG mit Sitz im Baselbieter Ettingen ins Rampenlicht: Sie hatte seit der Hello-Gründung im Jahr 2004 die Geschäftsberichte der Fluggsellschaft revidiert und keine Unregelmässigkeiten festgestellt.

«Die Zahlen für 2012 werden uns erst nach Abschluss des Geschäftsjahres, also im Frühjahr 2013, zur Prüfung vorgelegt», wird Firmenchef Walter Bando zitiert. Die Abschlussprüfung sei zudem «keine systematische Suche nach möglichen deliktischen Handlungen.»

(vst)