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Vergangenheit
Ex-LafargeHolcim-Chef im Strudel der Justiz

Eric Olsen
Eric Olsen: Ein Prozess gegen den Ex-LafargeHolcim-Chef wird immer wahrscheinlicher.Quelle: Keystone

Justizkreisen zufolge steht der frühere Chef von LafargeHolcim, Eric Olsen, im Zentrum eines Untersuchungsverfahrens. Hintergrund sind Geschäfte in Syrien, die ihn bereits während seiner Amtszeit in Schwierigkeiten gebracht haben.

Veröffentlicht am 08.12.2017

Die französischen Behörden haben laut Justizkreisen am Donnerstag ein formelles Untersuchungsverfahren gegen den Ex-Chef des Zementherstellers LafargeHolcim eröffnet. Eric Olsen wird Terrorismusfinanzierung bei den Aktivitäten des französischen Lafarge-Konzerns während des syrischen Bürgerkriegs vorgeworfen.

Ein weiterer Vorwurf lautet auf die Gefährdung des Lebens anderer, wie aus Justizkreisen in Paris durchsickerte. Olsen befindet sich gemäss der Nachrichtenagentur AFP unter Kontrolle der Justizbehörden. Auch wenn die Untersuchung noch fallengelassen werden könne, rücke ein Prozess gegen den Amerikaner, der auch einen französischen Pass hat, damit näher.

Mutmassliche Millionenzahlungen an Extremisten

Bei den Vorwürfen geht es um Vorgänge aus den Jahren 2012 und 2014, vor der Fusion von Lafarge mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim. Lafarge soll in Syrien Extremisten bezahlt haben, um den Betrieb in seinem Zementwerk im Norden des Landes aufrecht erhalten zu können.

Das Werk befindet sich in Dschalabija rund 25 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Gelder in Höhe von 5,6 Millionen Dollar sollen in den Jahren 2012 und 2014 unter anderem an Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflossen sein.

Zahlreiche Vorwürfe

Menschenrechtsorganisationen hatten dem Unternehmen vorgeworfen, die Terroristen bezahlt zu haben, um weiterarbeiten zu können. Zudem soll Lafarge dem IS in Syrien Öl abgekauft haben. Damit habe die Gruppe gegen das EU-Ölembargo gegen Syrien verstossen, das seit dem Herbst 2011 galt. Die IS-Miliz hatte sich seit 2013 zahlreicher Erdölquellen des Landes bemächtigt.

Zudem wird Lafarge vorgeworfen, nicht genügend für die Sicherheit seiner syrischen Angestellten gesorgt zu haben, die in dem Werk blieben. Dagegen wurden die Werksleitung und die Expats bereits 2012 evakuiert. Später gab Lafarge zu, dass es zu Entführungen von Mitarbeitern gekommen war.

Wegen des Verdachts der Finanzierung von Extremisten und des Verstosses gegen EU-Sanktionen wurde vor kurzem gegen drei Verantwortliche der Zementgruppe in Frankreich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei handelt es sich um zwei Ex-Chefs des syrischen Zementwerks und den Lafarge-Sicherheitsverantwortlichen.

Mehrere Ex-Chefs im Visier

Nun ist auch Olsen an der Reihe, der damals Personalchef bei Lafarge war. Olsen wurde am Mittwoch in Polizeigewahrsam genommen zusammen mit dem ehemaligen Konzernchef Bruno Lafont und dem einstigen Konzernleitungsmitglied Christian Herrault. Alle drei wurden von den Ermittlern in Paris befragt, die wissen wollen, ob die Konzernleitung in Frankreich über die Vorgänge in Syrien im Bilde gewesen war.

Laut einem Bericht der US-Anwaltskanzlei Baker McKenzie, der im Auftrag von Lafarge verfasst wurde, hat Olsen an den Sitzungen des Sicherheitskomitees teilgenommen. Er habe sich voll und ganz an den Diskussionen über die Sicherheit im Werk in Syrien beteiligt, steht im Bericht.

Lafarge fusionierte 2015 mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim zum mit Abstand grössten Zementgiganten der Welt. Olsen wurde zum ersten Konzernchef des gemeinsamen Unternehmens LafargeHolcim berufen. Im vergangenen Juli hatte er nach einer internen Untersuchung um die Schutzgeldzahlungen das Unternehmen verlassen.

Fehler eingestanden

LafargeHolcim wollte sich zu den Untersuchungsverfahren gegen Olsen, Lafont und Co. nicht äussern. Weder Lafarge SA noch LafargeHolcim seien derzeit Partei in diesen Verfahren, sagte ein Sprecher.

LafargeHolcim-Verwaltungsratspräsident Beat Hess hatte vergangenen Sonntag gegenüber der französischen Zeitung «Le Figaro» «inakzeptable Fehler» in der Affäre eingeräumt. Lafarge habe sich zu spät aus Syrien zurückgezogen.

Mitte November hatte die Justiz wegen der Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg in Paris und Brüssel zweitägige Razzien durchgeführt. Dabei durchsuchten Polizisten den Firmensitz von Lafarge in Paris. In Brüssel gingen die Ermittler gegen Grossaktionär GBL vor.

(sda/jfr/mbü)

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