Erst Anfang Monat bekannte sich der ehemalige UBS-Topbanker Hansruedi Schumacher schuldig, US-Kunden bei der Hinterziehung von Steuern geholfen zu haben. Dem Schweizer, der früher das Amerika-Geschäft der Grossbank vom Paradeplatz leitete, drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.  

Nun wird bekannt: Schumacher beendet offenbar auch sein Engagement in der Schweizer Gastronomie. Denn seit einigen Tagen sucht man ihn auf der Webseite der Two-Spice-Gruppe mit Sitz in der Innerschweiz vergeblich als Mitglied der Geschäftsleitung. Vor kurzer Zeit figurierte er noch als Inhaber und Gründer und wurde als visionärer «Drahtzieher» beschrieben.

Two Spice in der Deutschschweiz erfolgreich

Ob Bohemia, Cheyenne, Asian Market oder die Sushikette Yooji' – die Two-Spice-Gruppe ist mit ihren In-Beizen in der ganzen Deutschschweiz erfolgreich. Nun will sie mit der Restaurantkette «Jack & Jo» auch vom Hype um Gourmet-Burger profitieren. Dies indes ohne Schumacher.

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Eine Anfrage, warum er von der Webseite verschwand, liess Schuhmacher unbeantwortet. Die Gastrokette aber teilt mit: «Herr Schuhmacher ist per 20. April aus eigenem Wunsch aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten.» Seine Anteile habe er an die übrigen Eigentümer verkauft. Der Wechsel sei dem Handelsregister bereits mitgeteilt worden. Ob der Rücktritt mit den Verwerfungen in den USA in Zusammenhang steht, wird weder von der einen noch von der anderen Seite beantwortet.

Schumacher war Vizepräsident mit Einzelunterschrift

Schumacher selbst sah seine Rolle im «Boutique-Unternehmen»  bescheiden: «Ich bin nur ein unwichtiger, kleiner Aktionär, der quasi als Freund vor 25 Jahren mitgeholfen hat», sagte er einmal gegenüber bilanz.ch. Er sei nie operativ tätig gewesen. Immerhin: Im Verwaltungsrat der Gruppe, die 2009 mit 280 Angestellten 30 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet haben soll, hatte er bis vor kurzem den Posten des Vizepräsidenten inne und genoss Einzelunterschrift.

Die Two-Spice-Inhaber Marc Saxer und Daniel Kehl gelten schweizweit als Top-Gastronomen. Der «stille Teilhaber» und «langjährige Freund» Schuhmacher ist inzwischen jedoch wohl etwas berühmter. Im Zuge des Steuerstreits zwischen der Schweiz und den USA ging sein Name durch die Weltpresse.

Involviert in Prozess gegen Ex-UBS-Banker Weil

Bereits 2009 wurde er von der US-Justiz im Fall «USA gegen Schumacher und Matthias Rickenbach» angeklagt und später von den Behörden zur Fahndung ausgeschrieben. Der Druck wurde grösser und der Wille von Multimillionär Schumacher zur Zusammenarbeit mit den amerikanischen Behörden spätestens im Oktober 2014 öffentlich. Er flog nach Miami, liess sich verhaften, verhandelte mit der US-Justiz und zahlte 50'000 Dollar Kaution.

Schon im Dezember sagte er im Prozess gegen Ex-UBS-Spitzenmann Raoul Weil als Belastungszeuge der Staatsanwaltschaft aus. Anfang Monat nun setzte er sein Autogramm unter ein umfassendes Schuldeingeständnis, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben.

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Grosses Insiderwissen

Klar ist: Schumacher verfügt über umfassendes Insiderwissen, er taucht in mehreren Verfahren der US-Behörden in den Akten auf. Als er nach einer Karriere bei der UBS an vorderster Front des US-Offshore-Geschäfts im Jahr 2002 die Grossbank verliess, stiess er zur neu gegründeten Neuen Zürcher Bank (NZB). Auch dort sass er in der Geschäftsleitung. Die Bank ist inzwischen wegen dem Ärger mit den Vereinigten Staaten und weiteren delikaten Fällen untergegangen. Glaubt man Ex-UBS-Topshot Martin Liechti, nahm Schumacher angeblich diverse Schwarzgeldkunden zur neuen Bank mit. Weil sei deshalb stinksauer gewesen.

Durch seine Führungsfunktion bei der NZB könnte Schuhmacher auch für die Zürcher Kantonalbank (ZKB) um deren Chef Martin Scholl zur Belastung werden. Denn die NZB fand angeblich auch bei der ZKB Platz für ihre US-Kunden, heisst es. Scholl war damals Firmenkundenleiter, mit Schumacher bekannt und sass einem wichtigen Kontaktmann vor.

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