So hat sich André Maeder die beschauliche Adventszeit nicht vorgestellt. Über den ehemaligen Geschäftsleiter der Schweizer Modekette Charles Vögele und heutigen Chef des Berliner Luxus-Kaufhauses KaDeWe übergiesst sich derzeit ein veritabler Shitstorm.

Ausgelöst hat die Welle der Empörung die Entscheidung des KaDeWe, kurz vor dem 1. Advent seinen bei den Kunden beliebten Weihnachtsmann-Darsteller Peter Georgi nach 13 Jahren zu feuern und durch einen anderen zu ersetzen. Auf der Facebook-Seite des Kaufhauses und auf Twitter schreiben sich die Kunden in Hunderten Kommentaren ihren Ärger vom Leib und stellen sich hinter den Weihnachtmann.

«Erbärmlich» und «schäbig»

Sie sprechen vom «herzlosen KaDeWe» und fragen: «Schämt ihr euch nicht?» Einige wollen das Kaufhaus «nie wieder betreten» und «boykottieren». Jemand wünscht sich, dass das Kaufhaus im Umgang mit dem Weihnachtsmann «etwas mehr Stil gezeigt hätte». Der Rausschmiss des Weihnachtsmann sei einfach «erbärmlich» und «schäbig», meinen andere.  An weiterer Stelle heisst es: «Der Weihnachtszauber des KaDeWe ist zu Ende gegangen.»

Anzeige

Dabei hatte das Berliner Kaufhaus auf seiner Facebook-Seit noch am 28. November für seinen Weihnachtsmann geworben – aber nicht für den alten, sondern für den neuen. Für einen Kunden ist das denn auch eine «grandiose Lüge».

«Der dümmste Personalleiter»

Auch KaDeWe-Chef André Maeder bekommt direkt sein Fett weg: «Ich hoffe, dass die, die das entschieden haben, eines Tages genauso kalt abserviert werden, so wie sie jetzt Peter eiskalt abservieren.» Eine empörte Kundin meint: «Der dümmste Personalleiter ist der, der vor Weihnachten den Weihnachtsmann feuert.» Anderer schreiben: «Schlimme Geschäftsführung» oder «lernt Menschlichkeit ihr da oben in der Chefetage.»

— Steinmeyer PR (@SteinmeyerPR) 2. Dezember 2014

Es ist nicht das erste Mal für Maeder, dass er als Chef aneckt. Bei Vögele hatte er bereits einen unrühmlichen Abgang. Die Modekette setzte ihn im Herbst 2011 per sofort vor die Tür. Anfang 2009 hatte Maeder das Steuer des Schweizer Konzerns übernommen. Das Resultat: Im ersten Jahr verbuchte Vögele hohe Abschreiber und einen grossen Verlust.

Umstrittener Vögele-Chef

Umstritten war vor allem seine Promi-Strategie. Er präsentierte die Schauspielerin Penélope Cruz als neue Markenbotschafterin. «Das Problem sind die Manager, die mit bekannten Marken-Botschaftern auf Kundenfang gehen, aber nicht begreifen, dass nicht Schauspielerei weiterhilft, sondern allein Modekompetenz als tragender Teil des Markenverständnisses», sagte damals Markenexperte Daniel Schindler gegenüber der «Handelszeitung». Charles Vögele suche «seit zehn Jahren ein Publikum und findet es nicht», gleichzeitig gehe das Geschäft «den Bach runter».

Bei den Halbjahreszahlen 2011 rutschte der Konzern tief in die roten Zahlen: Eine schlechte Umsatzentwicklung führte dazu, dass die Modekette einen Halbjahresverlust von 62 Millionen Franken hinnehmen musste. Als Mäder noch im gleichen Jahr seinen Hut nahm, waren denn auch die Anleger froh. In den ersten Handelsstunden nach dem Bekanntwerden von Mäders Abgang stiegen die Aktien von Vögele um rund 6 Prozent.

«Man hat gemerkt, wie es im KaDeWe bergab ging»

Warum Mäder nun als Chef beim KaDeWe den Weihnachtsmann in den Ruhestand geschickt hat, ist unklar. Selbst Peter Georgi versteht die Welt nicht mehr.  «Vor zwei Wochen rief man mich an und sagte: 'Wir brauchen dich nicht mehr und frag nicht, warum'. Bumm, aufgelegt», zitiert die deutsche «Bild» den 72-Jährigen. Er habe mit vollem Herzen an seinem Saison-Job gehangen und meint: «Seit Patrice Wagner vom KaDeWe weg ist, hat man gemerkt, wie es dort bergab ging».

Das Berliner Kaufhaus selber gibt sich zurückhaltend und bedankt sich bei Georgi für die Zusammenarbeit. «Aber mit über 70 Jahren darf auch ein Weihnachtsmann in den wohlverdienten Ruhestand treten», habe das KaDeWe in einer Stellungsnahmen laut der Internetseite «textilwirtschaft.de» mittgeteilt. Offenbar ist für das Unternehmen das Alter von Georgi ein Problem. Mit über 100'000 Besuchern täglich benötige man eine gute Kondition, um dem Weihnachtsdrang gerecht zu werden. Georgi hätte im KaDeWe als Freelancer gearbeitet. Damit sei ihm auch nicht gekündigt worden. Georgis Nachfolger ist 62 Jahre alt.

Keine Sorge um Zukunft

Sorgen um seine Zukunft muss sich Georgi aber offenbar nicht machen. Über den Rausschmiss berichteten sogar Medien rund um den Globus. Seither erhält er Anfragen aus den USA, England und Spanien.

Derweil müssen sich die KaDeWe-Kunden mit dem neuen Chlaus zufrieden geben. Doch der kommt nicht gut an. «Den neuen Weihnachtsmann können Sie behalten», schreibt jemand auf Facebook. «Ich will den alten Weihnachtsmann zurück.»

— Wolfgang Ainetter (@WAinetter) 30. November 2014
— Petra Götze (@PetraGoetze) 2. Dezember 2014