Wer kann schon etwas mit Vincent Bérard, de Bethune, Dimier, Jean Dunand oder Maîtres du Temps anfangen. Sie und zahlreiche andere Firmen beschäftigen sich ebenso mit Armbanduhren wie Rolex, Omega, TAG Heuer, IWC, Zenith, Certina, Tissot usw. Von Stückzahlen jenseits einer halben Million Exemplare per annum sind sie Lichtjahre entfernt. Selbst das Tausend betrachten die Genannten als erstrebenswerte Zukunftsperspektive. Und vom 25-m-Effekt können besagte Uhr-Exoten auch nur träumen. Will heissen: Ihre Uhren lassen sich nicht aus der Ferne einwandfrei identifizieren.

Unbekannt, aber exklusiv, abseits von Mainstreams, uhrmacherisch ungewöhnlich und keinesfalls billig präsentieren sich jene Uhren für Menschen mit einem Faible für das Nicht-Alltägliche.Die erstaunte Frage, was das denn ist, dürfte bei allen diesen Armbanduhren so sicher sein wie das Amen in der Kirche. Nur leisten muss Mann sie sich können. Alle kosten so viel wie ein luxuriöses Mittelklasseauto – oder sogar noch deutlich mehr.

Bérard: Mini-Stückzahlen Vincent Bérard versteht sich als Künstler und Uhrmacher in einer Person. Seine Ateliers am Waldrand von La Chaux-de-Fonds sind definitiv auf Mini-Stückzahlen ausgelegt. Dafür fertigen der Ästhet und sein Uhrmacherteam sogar die goldenen Zifferblätter und die Indexe selbst. Sein tickendes Armband-Erstlingswerk mit Wochentags- und Mondphasenanzeige fürs Handgelenk trägt den Namen Luvorene 1. Zehn Tage Gangautonomie machen die Krone fast entbehrlich. Deshalb befindet sie sich auf der linken Seite des Goldgehäuses. Bei der 3 schwingt die eigene Unruh samt ihrer BreguetSpirale. Vincent Bérard ist von der Qualität seines Schaffens so überzeugt, dass er für seine Uhren fünf Jahre Garantie gewährt.

Anzeige

De Bethune: Indivuelle Fertigung Hinter der Marke de Bethune stehen der 60-jährige Italiener David Zanetta und der etwa 15 Jahre jüngere Uhrmacher Denis Flageollet. Infolge seiner Vergangenheit ist das Duo mit allen «Uhr-Wassern» gewaschen. In seinen Werkstätten wird für die 503 Uhren im Jahr 2008 und die ausschliesslich eigenen Kaliber nahezu alles individuell gefertigt. Das innovative DB24 Vetrois mit sieben Tagen Gangautonomie findet sich in der Big Power Super Sport. Mit Hilfe eines dreistufigen Getriebes lässt sich die Aufzugsleistung der Automatik den jeweiligen Aktivitäten anpassen. Bei der Stellung H (high, Sport) wird das erforderliche Drehmoment gegenüber N (Normal) um 20% erhöht, in L (low, Schreibtisch) hingegen um 20% reduziert.

Dimier: Stürmische Zeiten Pascal Raffy kennt jeden seiner gut 70 Mitarbeiter mit Vor- und Nachnamen. Und das, obwohl ihm, wie er betont, gar nichts von der Uhrenmanufaktur Dimier in Tramelan gehört. Seine drei Töchter besitzen alles. Der Kauf der STT (Swiss Time Technology) Holding im Juni 2006 bescherte ihm ein eher schlecht geführtes Firmenkonglomerat auf dem Sektor der mechanischen Uhrmacherei. Nach gründlichem Umkrempeln will Raffy unter der Signatur Dimier, einem Namen, der bereits seit 1738 existiert, fertigen. Dazu gehört das neue, weissgoldene Recital 3 Orbis Mundi, ein auf 50 Exemplare limitiertes Automatik-Tourbillon mit sieben Tagen Gangautonomie, Gangreserveanzeige und Zeitzonen-Dispositiv.

Jean Dunand: Komplikationen Das Modell Shabaka erinnert an den ersten König von Ägypten, der auch in diesem Land residierte. Es stammt von Jean Dunand, einer kleinen, aber feinen Marke im Eigentum von Thierry Oulevay und Christophe Claret samt ihrer World Première Watchmaking S.A. Diese Armbanduhr vereint zwei interessante Komplikationen: Minutenschlagwerk auf zwei Kathedral-Tonfedern und ewiges Kalendarium. Letzteres arbeitet mit vier bedruckten Walzen. Zwei gelten dem Datum, die übrigen dem Wochentag und dem Monat. Ihr Antrieb erfolgt mit Hilfe von Umlenkgetrieben.

Maîtres du Temps: Erfolgstrio Die Idee zu den Maîtres du Temps, also den Zeitmeistern, stammt vom amerikanischen Uhrenfreak Steven Holtzman. Für sein erstes Kapitel, das Chapter One, holte er sich drei anerkannte Meister-Uhrmacher ins Boot: Christophe Claret, Roger Dubuis und Peter Speake-Marin. Das Trio konstruierte einen komplexen rechteckigen Zeitmesser, dessen Uhrwerk aus 558 Komponenten besteht. Neben Tourbillon, Ein-Drücker-Chronograph und retrograden Indikationen für das Datum und die 24 Stunden eines Tages verfügt es über zwei Trommeln, welche zwischen den Bandanstössen rotieren. Die untere stellt die Wochentage, die obere die Mondphasen dar. Nach manuellem Vollaufzug geht das Uhrwerk 60 Stunden am Stück.