Unterhalb des Dorfkerns von Lenzerheide hat das Zürcher Innenarchitektenbüro Gasser, Derungs eine Ferienwohnung mit viel Liebe zum Detail ausgebaut. Die kompromisslose Reduktion in den Materialien macht aus der Wohnung ein exklusives Nest für einen Liebhaber des Designs. Die Ausgangslage war ein Rohbau im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses. Er bietet einen wunderbaren Blick in die Berge und talwärts in die Natur. Der Besitzer wollte etwas ganz Individuelles: Eine Ferienwohnung, die auf ihn zugeschnitten und konträr seiner alltäglichen Wohnsituation ist. Statt der grosszügigen Loft suchte er einen Ort des Rückzugs – ein introvertiertes Nest, das Wärme und Charme ausstrahlt. Carmen Gasser Derungs und Remo Derungs konnten mit einer beinahe idealen Substanz arbeiten: 5½ Zimmer, aufgeteilt in Küche, Wohn- und Esszimmer, drei Schlaf- und ein Gästezimmer – die je mit einem Bad ausgestattet sind.

Materialien aus der Region

So verzichtete man weitgehend auf architektonische Eingriffe und konzentrierte sich aufs Bestehende. Die Wohnung sollte Exklusivität ausstrahlen. Die beiden setzten dies mit einer konsequenten Reduktion um. Das Konzept besteht aus vier Materialien, die alle aus der Region stammen: Tuffstein, Valser Quarzit, Eichenholz und Leinen.

Tuffstein ist historisch mit der Lenzerheide verbunden. Das natürliche und teils vor Ort gewonnene Baumaterial tritt noch heute in Erscheinung. Zu sehen beim Hotel «Kurhaus» und dem Haus «Corona». Der Tuffstein wurde auf der westlichen Talseite gewonnen, oberhalb des Heidsees im Tuffsteinbruch Briula. Gasser, Derungs hat ihn mit seiner porösen Oberfläche bewusst eingesetzt: Er strahlt im Wohnzimmer Wärme aus, integriert grossflächig das Cheminée und fügt es sanft in die Wand ein. Damit diese allgemein schlicht und luxuriös wirkt, wurde sie fugenlos gemauert – eine Technik, die man auch in den Bädern anwendete.

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Als Gegenpol zu den Wänden aus Stein setzten die Innenarchitekten bei den Böden auf sinnliches Holz. Da man sich in der Reduktion auf eine Art beschränken wollte, wählte man Eiche – im Bodenbereich die Räuchereiche. Und auch hier liegt die Besonderheit im Detail: Der Holzboden wurde in der ganzen Wohnung, ganz untypisch, bis in die Bäder durchgezogen und bildet dort einen wirkungsvollen Kontrast zum Stein.

Farbakzente mit Textilien

Die Klarheit und Konsequenz der Materialisierung zieht sich hin bis zur Möblierung – die konzeptgetreu ebenfalls aus Eiche ist. Als textile Komponente wurde Leinen gewählt – auch sie ein charakteristischer Bestandteil der Berge. Das Farbkonzept leitet sich von der Materialwahl ab: So überwiegen die neutralen Farbtöne – Grau, Beige und Braun. Farbe kommt nur bewusst zum Einsatz: Sei es in Form von zwei fliederfarbenen «Egg Chairs» von Arne Jacobsen, die im Wohnzimmer stehen. Oder die grüne Bettdecke, die für einen Farbakzent im Schlafzimmer sorgt.

«Rolls Royce» gewählt

Dieser Ausbau war ein komplexes Projekt: Von der Lage der Türe bis zum Suppenlöffel – jedes Detail erhielt durch die Reduktion eine grosse Wichtigkeit. Das Konzept des Weglassens funktioniert wie eine Lupe: Damit werden nicht nur die ausgewählten Details, sondern auch deren Material- und Verarbeitungsqualität sichtbar. Da der Bauherr diesen Überlegungen der Innenarchitekten mit Überzeugung zustimmte, konnte dieses Konzept ganz ohne Kostendruck umgesetzt werden. Hierzu folgende Anekdote: Als passionierter Koch wollte er eine Küche, die in der Ästhetik und in der Funktionalität ganz seinen Ansprüchen genügt. Er wählte nicht eine Küche, sondern den «Rolls Royce» unter den Küchenherstellern und setzte damit ein Statement für den ganzen Ausbau.

Carmen Gasser Derungs und Remo Derungs arbeiten seit dem Jahre 2000 als Innenarchitekten, Architekten und Designer zusammen – mit Büros in Zürich und Haldenstein. Das ganzheitliche Denken und Gestalten, der Umgang mit bestehenden Strukturen, ihre Geschichten und die Integration und Anpassung an heutige Bedürfnisse nennen sie ihre Stärke. Arbeiten der beiden Innenarchitekten sind der «Take-away Pic Nic» Gourmando AG an der Bahnhofstrasse in Zürich (2003) und das Sorell-Hotel «Ador» in Bern (2006). Neben den öffentlichen Bauten widmen sich die Fachleute auch Umbauten und Sanierungen von Privathäusern. Wie als Beispiel das Mehrfamilienhaus an der Altstetterstrasse 147 in Zürich, welches durch sie neuen Glanz erhielt.

Neben der Innenarchitektur sind Gasser, Derungs auch Ausstellungsarchitekten: Sie gestalteten 2001 mit «Die Lepontier, Grabschätze eines mythischen Alpenvolkes» und «Paradise lost, 10000 Jahre bis zum Mikrochip» zwei Ausstellungen im Landesmuseum Zürich. 2004 wurden die beiden mit «Weisse Wunderware Schnee» einem grösseren Publikum bekannt. Die monothematische Ausstellung wurde parallel im Bündner Kunstmuseum, im Rhätischen Museum und im Bündner Naturmuseum gezeigt – und damit allen drei grossen Museen in Chur. Als Folge davon haben die beiden Dauerausstellungen im Bündner Naturmuseum (seit 2006) und im Rhätischen Museum (seit 2007) beide ihre Handschrift. Eine weitere Ausstellung in ihrem Portefeuille ist «Gebaute Bilder» von 2006: Darin widmen sie sich ganz der Architekturfotografie. Eine Ausstellung, die im Gelben Haus in Flims gezeigt wurde. Dort ging kürzlich eine weitere Ausstellung von den Innenarchitekten zu Ende: «Diego Giacometti tritt aus dem Schatten». Diese widmete sich ganz dem Schaffen des Schweizer Künstlers.