Die Emittenten von strukturierten Produkten haben den Anreiz, auf ihren Plattformen möglichst hohe Volumen zu generieren. Dadurch können Skaleneffekte generiert werden. Mit anderen Worten: Je mehr Produkte gehandelt werden, desto besser können die Ressourcen des Systems ausgenutzt werden. Die höchsten Margen werfen dabei Produkte mit möglichst exotischen Strukturen ab. Der Grund dafür: Sogenannte Plain-Vanilla-Strukturen wie beispielsweise Tracker-Zertifikate auf Standardindizes wie den SMI oder den Euro Stoxx 50 treffen auf grosse Konkurrenz - entsprechend dünn fallen die Margen für die Anbieter aus.

Die Verlockung der hohen Margen bei Nischenprodukten verleitet die Industrie also stets zur Konstruktion neuer Finanzprodukte. Jedoch setzen sich diese Innovationen bei Weitem nicht immer durch. Schlussendlich bestimmt der Anleger, welche Produkte für ihn Sinn machen. Und nur wenn genügend Nachfrage vorhanden ist, lohnt es sich längerfristig, ein Angebot aufrechtzuerhalten.

Dabei ist das Anforderungsprofil an Emittenten strukturierter Produkte in den letzten Monaten und Jahren gestiegen. Nicht erst seit der Krise sind die Ansprüche der Anleger in Sachen Sicherheit, Liquidität und Transparenz spürbar höher. «Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, sind eine topmoderne IT-Infrastruktur und die weitgehende Automatisierung vieler Prozesse Voraussetzung», schreibt etwa Laura Deneke, Structured Solutions bei EFG Financial Products. Dem seien viele Anbieter nicht gewachsen. Laut Deneke wird in den kommenden Jahren eine Konsolidierung vonstattengehen, welche die Anzahl Emittenten auf die Hälfte reduziert.

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Den Anbietern strukturierter Produkte weht also ein rauer Wind entgegen. Zumal sich der Konkurrenzkampf bald noch intensivieren wird. Laut Christian Reuss, CEO der Derivatebörse Scoach, werden nämlich in den nächsten Wochen «einige neue Anbieter» ihre Produkte listen lassen, darunter etwa die französische Exane. Bereits im September sollen erste Vehikel kotiert werden. Auch die australische Macquarie will, vorerst unter dem Namen «Macquarie Oppenheim», ab August das ehemalige Sal. Oppenheim-Sortiment ausbauen. Gemäss Eric Wasescha, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP), ist der Markt bezüglich der Anzahl Anbieter allerdings gesättigt. Welche Player den Kampf um die Marktanteile für sich entscheiden werden und welche sich vorzeitig verabschieden, wird sich zeigen.