Die wichtigsten Vertreter der jungen Schweizer Galerienszene sind in der Halle des ZKB-Kunstpreises an der Kunst Zürich anzutreffen. Die Besucher finden neben Altbewährtem wiederum eine ganze Reihe von experimentellen und spartenübergreifenden Werken ganz junger Kunstschaffender.

Der Kunstpreis, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen wird, ist einerseits eine Wertschätzung für die hohe Qualität des schweizerischen Kunstschaffens, aber auch für das Engagement der Messe für junge Kunst. Nominiert sind zwölf Schweizer Galerien mit je einer Soloshow. Die Preissumme von 10000 Fr. geht an die jeweilige Künstlerin oder den Künstler.

Den diesjährigen Schwerpunkt bilden Installationen sowie multimediale, experimentelle und disziplinübergreifende Arbeiten, die einen Hang zum Ausloten aller Möglichkeiten eines Mediums bis hin zum fliessenden Crossover zeigen. Bei vielen der Nominierten fällt auf, dass die Suche nach dem Selbst – oftmals im Spiegel der eigenen Lebensumwelt– viel Raum einnimmt.

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Ein «ypsilonisches» Zeitalter

Fabian Chiquet inszeniert sich und seine Umwelt in immer neuen künstlichen Situationen, die sich der Einordnung entziehen. Die Inszenierung von Emotionen und Dramaturgie spielt dabei eine wichtige Rolle.Ebenfalls ein erfundenes Selbst hat Patrick Graf geschaffen. Seine Weltdarstellungen eines fiktiven «ypsilonischen» Zeitalters verkörpern ein Parallel- universum zum wahren Leben des Künstlers.

Thomas Galler entfernt sich einen Schritt weiter weg vom Autobiografischen hin zu einer individuellen Rezeption von Realität und Fiktion. Dabei montiert er Einzelstücke verschiedenster Medien zu plausiblen, fast schon notwendig erscheinenden Kombinationen hinein in eine erfundene Realität.

Nuri Koerfer verwendet eine andere Technik zur Suche nach Identität: Seine Werke leben in einem Spannungsfeld zwischen Natur und Künstlichkeit, geistigen und physischen Zwischenstadien und Mutationen. Märchenhafte Wesen in leeren Räumen hinterlassen dabei den Eindruck von Fremdheit und Alleinsein, gefangen in absoluter Subjektivität.

Rätselhafte Unbestimmtheit

Ein unheimliches Gefühl beschleicht den Betrachter ebenfalls bei den Arbeiten von Marianne Engel. Der Künstlerin geht es weniger um die Vermittlung eines subjektiv empfundenen Lebensgefühls als darum, sich an Archetypen heranzutasten. Sie entfernt sich dabei vom subjektiven Erleben der Einsamkeit und wendet sich hin zum Allgemeingültigen. «Es sind die Urbilder, welche mich interessieren, das Material, aus dem die Märchen sind, die Bilder, die uns im Traum erscheinen und mit denen sich die Psychologie auseinandersetzt», sagt sie und lässt in ihrem Werk eine rätselhafte Unbestimmtheit dominieren.

Weg vom Menschen, hin zur Umwelt wendet sich Andrea Gohl. Durch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit ihrer urbanen Umgebung wird diese zur autobiografischen Spurensuche.

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Christian Andersen entfernt sich von der subjektiven Suche nach sich selbst in einem weiteren Schritt, indem er seine Fragen zu Ein- und Ausgrenzungen, Identität und Kultur in einen allgemeingültigen Kontext stellt. Seine eruptiven Installationen machen betroffen, wirken aber zugleich entrückt, manchmal ironisch oder auch wieder albtraumhaft und stellen sich wie bei Andrea Gohl in den Dienst einer Befragung des eigenen kulturellen Umfeldes.

Die Zufälligkeit der Dinge

Momente des Erkennens durch kulturelle Befragung findet man ebenso bei Ana Roldán wie auch bei Vanessa Billy. Letztere verwandelt in ihren feinen Werken billige, gefundene Gegenstände in Kunstobjekte. Dabei taucht die Frage nach der Kurzlebigkeit und Zufälligkeit auf, die diesen allgemeingültigen Kulturobjekten innewohnen. Während sich Billy dem Objekt zuwendet, schlägt Roldán einen weiteren Bogen und hinterfragt kulturelle Phänomene, seien es historische Ereignisse, philosophische Ideen, Sprachsysteme oder theoretische Konzepte.

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Killian Rütemann benutzt auf ähnliche Weise Alltagsgegenstände, die er überraschend kombiniert und dadurch ebenfalls die Willkür der Bedeutung eines Objektes aufdeckt.

Auch Didier Rittener beschäftigt sich mit der Form von Objekten. Dabei beschäftigt er sich mit dem Zwischenbereich zwischen Leben und Tod und findet hierin die innewohnende Kraft zur Entstehung der Form.

Raphael Hefti schliesslich widmet sich in seinem Werk der Erforschung des Lichts, ohne das keine Form, kein Erkennen und kein Leben möglich ist. Seine Experimente mit künstlichem Licht führen den Künstler immer wieder an die Grenzen des Machbaren.