Die Commerzbank ist in einer prekären Lage: Beim Bankenstresstest hat die EU-Bankenaufsicht (EBA) bei dem Institut eine Kernkapitallücke von 5,3 Milliarden Euro aufgedeckt. Immer wieder kursieren Gerüchte über eine mögliche Staatshilfe - doch die will der teilverstaatlichte Dax-Konzern unbedingt vermeiden.

Martin Faust, Bankenexperte an der Frankfurt School of Finance & Management, glaubt nicht daran, dass der Bank dies gelingt. «Ohne staatliche Hilfen wird es wahrscheinlich nicht gehen», sagte Faust der «Wirtschaftswoche». Angesichts des Marktumfeldes sei eine grössere Kapitalerhöhung kaum möglich.

Um die Lücke alleine zu schliessen hat die Commerzbank bereits eigenkapitalähnliche Papiere im Wert von über einer Milliarde Euro zurückgekauft. Weiterhin ist geplant, Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterschrauben, Randgeschäfte zu verkaufen und Gewinne einzubehalten. Zudem dürfen einzelne Geschäftsfelder derzeit keine Kredite mehr vergeben.

Es gab auch bereits Gerüchte, wonach die Bank dabei sei, Teile der Immobilien- und Staatsfinanzierungstocher Eurohypo an den Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin abzugeben.

Insgesamt fehlen den europäischen Grossbanken nach Berechnungen der EBA 114,7 Milliarden Euro Kapital. Bis zum 20. Januar sollen sie den Aufsehern ihre Kapitalpläne vorlegen, wie sie bis Ende Juni 2012 auf die geforderte harte Kernkapitalquote von 9 Prozent kommen wollen.

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(tno/vst/sda/awp)