Die Apple Watch ist heiss begehrt: Seit Freitag kann das neuste Gadget der Kalifornier in ausgewählten Ländern vorbestellt werden. Die Nachfrage war riesig – für manche Beobachter gar überraschend hoch. Der Ansturm der Kunden auf die Smartwach hat dazu geführt, dass erste Analysten den Schwanengesang auf die traditionelle Uhrenindustrie anstimmen.

Am lautesten tönt es beim amerikanischen Investmenthaus Key Banc: In der jüngsten Marktbeurteilung schreibt das US-Geldinstitut die Konkurrenz ab. Die Analysten der Bank gehen davon aus, dass es im Uhrenmarkt zu einem Umbruch kommen werde, der mit der Einführung der Quarzuhr in den 70er-Jahren vergleichbar sei.

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Fossil ohne Vertrauen

Entsprechend haben die Experten das Kursziel für den Apple-Rivalen Fossil nach unten korrigiert – und stehen damit nicht alleine da: Immer mehr Analysten entziehen dem trendigen Modelabel das Vertrauen. Nur noch ein Drittel empfiehlt den Titel zum Kauf, wie Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg zeigen.

Für die Schweizer Traditionsfirma Movado, die in den USA gelistet ist, sehen die Key-Banc-Analysten ebenfalls schwere Zeiten aufziehen. Auch hier passten sie die Einschätzung nach unten an, empfehlen den Titel aber nicht zum Verkauf. Die grossen, an der Schweizer Börse gelisteten Titel blieben vom Neubewertungssturm aber verschont, obschon diverse Branchengrössen den Untergang prophezeiten. Im vergangenen September schwingte Design-Guru Jonathan Ive noch grosse Worte: Apples Uhr werde die Schweizer Industrie im Mark treffen, sagte Apples Design-Chef.

Neubewertungssturm geht an SMI-Firmen vorbei

Der Löwenanteil der Experten glaubt weiterhin an die Stärke der Schweizer Firmen. Für Richemont gilt: Fünf Analysten haben in den vergangenen sieben Tagen ihre Einschätzung der Aktie überarbeitet. Nur einer empfiehlt, sich vom Papier zu trennen. Die Anderen bleiben optimistisch. Im Schnitt rechnen Marktbeobachter damit, dass die Aktie in den kommenden 12 Monaten um sechs Franken auf knapp 90 Franken steigen wird.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Swatch. Nur eine kleine Minderheit der Analysten empfiehlt die Aktie zum Verkauf. Die Mehrheit rät mindestens dazu, investiert zu bleiben. Auf Jahressicht sehen die Experten die Titel der Uhrenfirma leicht ansteigen, von aktuell rund 442 Franken auf 448 Franken pro Aktie.

Apple-Marketing als Erfolgsfaktor

Dass der Anfangserfolg der Apple Watch bei vielen Swatch- und Richemont-Analysten keine Panik auslöst, sei nicht weiter erstaunlich, sagt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. «Angesichts der Marketingpower von Apple war vorhersehbar, dass die Nachfrage hoch sein wird.» Schwendimann sieht auch keinen Grund, seine Einschätzung wegen der ersten Bestellzahlen zu revidieren. Er geht weiterhin davon aus, dass sich die Papiere von Swatch und Richemont in den kommenden Monaten stärker entwickeln werden als der Gesamtmarkt – und dies aus unterschiedlichen Gründen.

Da Richemont nur auf das obere Uhrenpreissegment fokussiert sei und zudem mit Schmuck einen zweiten starken Ertragspfeiler habe, sollte das Unternehmen nur marginal tangiert sein. Bei Swatch seien die Risiken dagegen grösser wegen der Exponierung auch in den unteren und mittleren Uhrenpreissegmenten. Das Apple-Watch-Risiko sei jedoch in der tiefen Bewertung teilweise bereits reflektiert. «Mein Hauptszenario ist immer noch, dass die verkauften Apple Watches in erster Linie den weltweiten Uhrenmarkt vergrössern und zu Lasten von Modeuhren und billigeren Uhren gehen werden. Die Schweizer Uhrenindustrie wird zwar tangiert, aber nicht durchgeschüttelt.»