«Bleibt der Euro drei bis fünf Monate unter 1.50 Fr., kann dies den Unternehmen bis zur Hälfte des budgetierten Gewinns wegfressen», erklärte Swissmem-Präsident Johann N. Schneider. Das war im Herbst 2008, als die Finanzkrise tobte und der Euro auf Talfahrt ging. Inzwischen ist es schlimmer gekommen, als damals befürchtet worden war. Der Euro nähert sich bereits gefährlich der Grenze von 1.40 Fr. Verständlicherweise sind Schneider-Ammanns Sorgen nicht geringer geworden. «Die Entwicklung ist ernst und verlangt alle Aufmerksamkeit», sagt er heute.

Er verweist darauf, dass jeder dritte Franken mit dem Euroraum verdient wird, und betont: «Wir sind nun als Exportland herausgefordert, trotz des starken Frankens die Konkurrenzfähigkeit unserer Produkte und Dienstleistungen sicherzustellen.» Besonders exponiert seien die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie mit ihrem Exportanteil von 80%. «Die Kosten fallen schwergewichtig in Franken an, die Erträge realisieren wir in Euro», erklärt der Unternehmer - und fürchtet eine gravierende Erosion der Margen. Kurzfristig drohe so der Industrie der Verlust ihrer Konkurrenzfähigkeit. Und es fehlten ihr die Mittel für die Zukunftssicherung.

Auf der politischen Ebene sieht Schneider-Ammann trotzdem keinen Handlungsbedarf. «Es braucht keinen zusätzlichen Interventionismus, der politische Staat kann in dieser Situation nicht helfen», glaubt er. Der FDP-Nationalrat verweist auf die Schweizer Nationalbank (SNB), die ihr Möglichstes für die Geldwertstabilität tue. «Wird damit eine inflationäre Zusatzbelastung verhindert, dann ist dies auch schon etwas», kommentiert er die Bemühungen der SNB.

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Klar gefordert sind laut Schneider-Ammann hingegen die EU-Politiker, die die Euroschwäche endlich in den Griff kriegen müssten. Schneider-Ammann kann der Euroschwäche allenfalls auch positive Seiten abgewinnen. «Mittel- und längerfristig wird uns der Nachteil vielleicht sogar zum Vorteil gereichen», hofft er. Wenn es nämlich den Firmen gelinge, rasch auf die neuen Verhältnisse zu reagieren und über Produktivitätssteigerungen die Konkurrenzfähigkeit zu behaupten, sodass die Volkswirtschaft insgesamt noch leistungsfähiger werde.