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Trockenheit
Extremwetter verursacht Lieferverzögerungen

Frachtschiff bei Düsseldorf: Wegen Niedrigwasser nicht mit voller Ladung.

Verspätete Warenlieferungen, steigende Transportgebühren: Dürre und Niedrigwasser haben Folgen für die Rheinschiffer.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Die anhaltende Trockenheit in Europa macht den Schiffern zu schaffen. Vor allem das Niedrigwasser am oberen Rhein hat Auswirkungen auf den Warentransport: Logistikkonzern Hapag Lloyd warnt vor Verzögerungen bei Lieferungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Warenverkehr von und nach Rotterdam und Antwerpen sei eingeschränkt, heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Situation am Oberrhein  – also dem Schweizer Teil – drohe sich auf den Mittel- und Unterrhein auszuweiten, sollte das Wetter sich nicht ändern.

Die steigende Temperatur des Rheins bereitet Sorgen, der sinkende Wasserstand wirkt sich bereits aus. Auf der Strecke zwischen Diessenhofen und Stein im Kanton Thurgau musste die Kursschifffahrt bereits Ende Juli eingestellt werden, Fahrgäste müssen auf die Bahn ausweichen.

Frachtschiffe nur noch mit einem Drittel der Kapazität

Für die Frachtschifffahrt droht es teuer zu werden. Der Pegel nähere sich einer kritischen Marke, bei der Frachter nur noch mit einem Drittel ihrer Kapazität beladen werden können, so Hapag Lloyd. Weniger Ladung bedeutet weniger Tiefgang bei den Schiffen, aber eben auch geringere Transportmengen. Zuvor hatte bereits das Schifffahrtsamt Bingen berichtet, dass viele Frachtschiffe derzeit nur mit einem Teil ihrer Kapazität fahren.

Der Rhein ist eine der meistbefahrenen Wasserstrassen der Welt. Unterbrüche im Warentransport werden schnell spürbar. Hapag Lloyd gibt zwar an, auf Bahn und Strasse auszuweichen. Allerdings würden dadurch die Kapazitäten knapp. «Es ist möglich, dass wir ihren Auftrag nicht im gewünschten Zeitrahmen ausführen können», so die Mitteilung. Für einige Strecken sei es derzeit nicht möglich, neue Aufträge entgegenzunehmen.

Die Warenlieferungen verzögern sich nicht nur, die Schiffer müssen auch höhere Gebühren zahlen. Den Richtwert liefert der wichtigste Pegelstand für die Schifffahrt am Mittelrhein, der Pegel Kaub in Mainz. Derzeit liegt er bei 71 cm.

Mehrkosten pro Container

Frachtschiffer Contargo verlangt bei diesem Wasserstand 175 Euro (201 Franken) zusätzlich für einen Container mit einer Länge von sechs Metern. Ein Zwölf-Meter-Container kostet derzeit 225 Euro extra. Sinkt der Pegelstand unter 0,71 Meter, steigen diese Preise ein weiteres Mal, auf 240 respektive 300 Euro pro Container.

Der Rhein ist aufgrund der anhaltenden Trockenheit in Europa auf seinen tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Die Dürre verschlechtert die ohnehin angespannte Transportsituation über Antwerpen und Rotterdam, schreibt «Loadstar». Die Benelux-Häfen hätten in den vergangenen zwei Jahre mit grossen Lieferverzögerungen zu kämpfen gehabt, die teilweise Wochen betrugen.

(me)

 

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