Im Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht laut einem Pressebericht Streit über Rettungsmassnahmen für spanische Banken. Der «Financial Times Deutschland» zufolge haben die Direktoriumsmitglieder der Notenbank und die 17 nationalen Euro-Zentralbankchefs am Mittwoch und Donnerstag entschieden, die Qualitätsanforderungen an Verbriefungen deutlich zu senken, die Banken als Sicherheiten bei der EZB hinterlegen müssen, wenn sie sich mit Zentralbankgeld eindecken wollen. Der Beschluss sei nicht einstimmig gefallen, zitiert die Zeitung Zentralbankkreise.

Dem Bericht zufolge wurde die Mindestanforderung für das Rating der Papiere von bislang «A-» bis auf «BBB-» gesenkt. Das ist die letzte Stufe, die noch über dem Ramschniveau liegt. Den Beschluss wolle die EZB am Freitag bekanntgeben. Am Donnerstag wollte die Bank das Thema auf Nachfrage der Zeitung nicht kommentieren.

Die Entscheidung soll es spanischen Banken laut «FTD» ermöglichen, verbriefte Hypothekenkredite, sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS), in viel grösserem Volumen als Sicherheit zu hinterlegen als bisher. Die iberischen Geldhäuser halten diese Papiere wegen des Immobilienbooms der vergangenen Jahre in grossen Mengen.

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Wegen der geplatzten Immobilienblase sind sie allerdings oft von zweifelhafter Qualität. Um unkalkulierbare Risiken für die Zentralbankbilanz zu vermeiden, sollen die verbrieften Hypothekenkredite dem Bericht zufolge einer Einzelfallprüfung unterzogen und mit Abschlägen belegt werden, ehe sie die EZB als Sicherheit akzeptiert.

Die Lockerung der Sicherheitsanforderungen war laut «FTD» ein wichtiger Punkt auf einer Wunschliste des vor kurzem zurückgetretenen spanischen Notenbankchefs Miguel Fernandez Ordonez. Auf dieser Liste führte der Geldpolitiker EZB-Beschlüsse auf, die Spanien den Kampf gegen die Bankenkrise erleichtern.

Eurogruppe will rasch über Hilfsmilliarden entscheiden

Die Euro-Länder fordern eine Anfrage Spaniens für Bankenhilfen bis zum nächsten Montag. Die Eurogruppe könne dann am 9. Juli über die Notkredite entscheiden, kündigte EU-Währungskommissar Olli Rehn am späten Donnerstagabend in Luxemburg an.

Die spanische Bankenbranche braucht laut zwei neuen Gutachten bis zu 62 Milliarden Euro. Der genaue Betrag wird erst nach den Verhandlungen mit den EU-Institutionen feststehen. Die Eurogruppe hatte Spanien bereits pauschal Notkredite von bis 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Spanien ist nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Euroland, das unter den Rettungsschirm schlüpft. Auch aus Zypern, das eng mit der griechischen Volkswirtschaft verbunden ist, wird bald ein Hilfsantrag erwartet.

(tno/chb/sda/awp)