1. Home
  2. Unternehmen
  3. Fabrik in China: Tesla riskiert Technologieklau

Elektromobilität
Fabrik in China: Tesla riskiert Technologieklau

Tesla
Tesla auf einer Show in China: Die neue Fabrik ist ein gewagtes Projekt.Quelle: Keystone

Tesla baut eine riesige Fabrik in China. Das ist riskant, weil China die Elektromobilität zur Staatsangelegenheit erklärt hat.

Von Gabriel Knupfer
am 11.07.2018

Mitten im Steit um Zölle und Techologietransfer lässt die Ankündigung von Tesla aufhorchen: Im chinesischen Shanghai soll innert zwei Jahren eine riesige Fabrik gebaut werden, die jährlich bis zu 500'000 Elektroautos produziert, wie die Stadtverwaltung bekanntgab.

Was eigentlich für Tesla nach einem guten Deal klingt – dank der Fabrik können Einfuhrzölle von 25 Prozent auf amerikanische Autos umgangen werden – erweist sich indes als zweischneidiges Schwert. Chinas Regierung und die Autobauer des Landes haben grosses Interesse an ausländischer Technologie.

Wissenstransfer Gegenstand von Verhandlungen

Jeder Wissenstransfer von Tesla nach China sei Gegenstand von Verhandlungen, so Huang Ou, ein hochrangiger Vertreter der Stadtverwaltung von Shanghai, gegenüber der Wirtschaftsagentur « Bloomberg». Tesla und die chinesischen Partnerunternehmen müssten die Bedingungen des Deals selber aushandeln.

Was das für die zahlreichen Innovationen des US-Elektroautopioniers bedeutet, liess Huang offen. Klar ist aber, dass China die Elektromobilität zum strategischen Ziel erklärt hat und für das 21. Jahrhundert die Vorherrschaft in der Branche beansprucht. Und um den Plan umzusetzen, sind die heimischen Autobauer auf Wissen aus dem Ausland angewiesen.

Jede fünfte US-Firma «bezahlt» mit Technologie

Europa und die USA werfen der chinesischen Regierung schon lange vor, Technologieklau zu decken oder gar zu fördern. Laut einer Untersuchung des US-China Business Council von 2017 wurde jede fünfte US-Firma in China dazu aufgefordert, Technologie ins Reich der Mitte zu transferieren.

Teslas lange geplante eigene Fabrik in China ist laut Huang das grösste aus dem Ausland finanzierte Fabrikprojekt in der Geschichte der Stadt. Die konkreten Kosten des Plans wollte Tesla nicht bekanntgeben. Veranschlagt ist eine Bauzeit von zwei Jahren. Die volle Produktionskapazität soll zwei bis drei Jahre danach erreicht werden.

Tesla wie Harley-Davidson

Tesla folgt mit der Ankündigung dem amerikanischen Motorradhersteller Harley-Davidson, der ebenfalls einen Teil der Produktion ins Ausland verlegen will. Hintergrund sind der Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt und die daraus folgenden Strafzölle auf Produkte, die in den USA hergestellt werden.

Wegen der Zölle hatte der Elektroautohersteller in China am vergangenen Wochenende zweimal die Preise für seine Produkte angehoben. Sie stehen inzwischen 70 Prozent über dem Verkaufspreis in den USA. Die lange geplante Expansion der Produktion nach China erhielt so zusätzliche Dringlichkeit.

Anleger reagieren positiv

An der Börse wurde die Ankündigung von Tesla mit Wohlwollen aufgenommen. Am Dienstag legten die Titel um 1,2 Prozent zu. Ob sich die gewaltige Investition am Ende für Tesla auch lohnen wird, bleibt aber wegen des chinesischen Hungers nach ausländischer Technologie fraglich.

Anzeige

Das zeichnet das neue Tesla Model 3 aus

1|13
15 Besonderheiten des Model 3 von Tesla:Zunächst einmal ist das Model 3 für ein Elektroauto preiswert: Umgerechnet 34'000 Franken soll das Gefährt kosten.