Nach der Schlussglocke an der Wall Street hatte Facebook gestern Abend überraschende Zahlen zur Hand: 60 Prozent mehr Umsatz und ein Gewinn von 422 Millionen Dollar im dritten Quartal – das übertraf die Erwartungen und entzückte die Anleger. Nachbörslich schoss der Kurs zwischenzeitlich um satte 15 Prozent in die Höhe.

Gespannt wartete die Finanzgemeinde heute auf die «reguläre» Eröffnung in New York – nicht zuletzt deshalb, weil Finanzchef David Ebersman in der gestrigen Telefonkonferenz mit zwei Aussagen auf die Euphoriebremse gestanden war: Einerseits soll der Rhythmus der Werbeeinblendungen nicht erhöht werden (das freut die Nutzer, ärgert aber die Investoren), anderseits wurde erstmals offiziell bestätigt, dass sich immer mehr Jugendliche vom sozialen Netzwerk abwenden. Nichtsdestotrotz ist die Zahl der monatlichen Nutzer von Juli bis September von 1,15 auf 1,19 Milliarden gestiegen.

Diese warnenden Aussagen verunsicherten die Investoren zunächst dennoch: Unmittelbar nach Eröffnung tauchte die Aktie um über fünf Prozent auf unter 47 Dollar. Nach der ersten halben Stunde erholte sich der Kurs aber bereits wieder auf über 48.50 Dollar, was noch einem moderaten Minus von einem Prozent entsprach – um dann erneut auf Tauchstation zu gehen. Gegen 17 Uhr ist dies längst vergessen: Der Titel steht mit 50.75 Dollar rund 3,5 Prozent über dem Vortagesschluss und zündet somit ein kleines Kursfeuerwerk.

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Einjährige Aufholjagd beendet

Damit liegt die Facebook-Aktie dennoch weit über dem Emissionspreis von 38 Dollar. Der Börsengang am 18. Mai 2012 war für die US-Technologiebörse Nasdaq bekanntlicherweise zum totalen Debakel geraten: Tausende Anleger wussten damals während langer Zeit nicht, ob ihre Aufträge ausgeführt worden waren. Die Börsenaufsicht SEC verhängte im Nachgang eine millionenschwere Busse gegen die Nasdaq, die auch seither immer wieder durch Pannen in die Schlagzeilen gerät.

Die Aktie der Mark-Zuckerberg-Firma war in der Folge lange Zeit alles andere als eine Erfolgsgeschichte und sackte im Tiefst bis auf 18.88 Dollar ab. Erst Ende Juli dieses Jahres wurde der Ausgabepreis erstmals seit dem Emissionstag übertroffen.

Konkurrent Twitter in den Startlöchern

Bei den Börsenbetreibern steigt nach dem verpatzten Facebook-Start dieser Tage die Nervosität: Die New York Stock Exchange (NYSE), an der voraussichtlich am 7. November erstmals die Aktien des Kurznachrichtendienstes Twitter gehandelt werden, testete das grösste Internet-IPO seit Facebook am vergangenen Wochenende mit hohen Volumina: Alles sei rund gelaufen, hiess es danach an der Wall Street.

Erwartet wird ein Emissionsvolumen von bis zu 1,4 Milliarden Dollar, was allerdings «nur» rund einem Zehntel des Wertes des Facebook-Börsengangs entsprechen würde. Im Gegensatz zu Facebook schreibt Twitter noch tiefrote Zahlen: 134 Millionen Dollar wurden von Januar bis September 2013 verbrannt, der Umsatz hatte sich im gleichen Zeitraum auf 422 Millionen Dollar verdoppelt.