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Facebook-Aktionäre richten über Whatsapp-Deal

Whatsapp und Facebook: Neue unter einem Dach.   Bloomberg

Die insgesamt 19 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Nachrichtendienstes Whatsapp durch Mark Zuckerberg ist dominierendes Thema an der Börse. Anleger sind irritiert und suchen nach Erklärungen.

Von Volker Strohm
am 20.02.2014

19 Milliarden Dollar – eine Summe, welche auch die hippe IT-Welt ins Staunen bringt. Zum Vergleich: Motorola war Google einst 12,5 Milliarden wert, Microsoft blätterte für Skype immerhin 8,5 Milliarden Dollar auf den Tisch. Und nun das: Dem Facebook-Zampano Mark Zuckerberg sind die 55 Mitarbeitenden von Whatsapp 2,6 mal so viel wert, wie der einstige Handypionier Nokia – der für 7,2 Milliarden Dollar an Microsoft ging. Nur der Kauf von Compaq durch Hewlett-Packard im September 2001 übertrumpft den heutigen Deal – mit 25 Milliarden Dollar aber in dieser Grössenordnung auch nur unwesentlich.

Wie bereits gestern nachbörslich wird die Facebook-Aktie zum heutigen Börsenstart an der Nasdaq mit einen Abschlag von rund 2,5 Prozent gehandelt – das darf nach einem Geschäft dieser Grössenordnung in den neutralen Bereich eingeordnet werden. Keine Euphorie zwar, aber auch das Kopfschütteln hält sich bei den Aktionären ganz offenbar in Grenzen. Die Anleger sind sichtlich irritiert und suchen nach Erklärungen.

Wettstreit mit Google

Denn es erschliesst sich dem Normalsterblichen in der Tat nicht auf den ersten Blick, was Zuckerberg in den vergangenen Tagen geritten hat. In erster Linie dürfte sich der Preis in einem Wettstreit mit Google begründen lassen, denn auch der Internet-Gigant war hinter dem Unternehmen von Whatsapp-Gründer Jan Koum her.

Zuckerberg führte nach Bekanntwerden des Deals seine Mission ins Feld, die Welt nicht nur vernetzter, sondern auch offener und folglich friedlicher gestalten zu wollen. Doch Hand aufs Herz – beide, Facebook und Google, streben vor allem nach einem: Macht. 

Und diese drückt sich in diesem Geschäftsbereich durch das Besitzen von Datenquellen aus. Google hatte einst Youtube für 1,6 Milliarden Dollar gekauft – und die Videoplattform heute zur zweitgrössten Suchmaschine der Welt nach Google selbst herangezüchtet.

Mit Google plus versucht man dem Facebook-Vorbild zu folgen, mit Google Hangout hat das Unternehmen eine Plattform, die mit Videokonferenzen und Chats Syke & Co. das Leben schwer macht und Nutzer an sich bindet. «Single sign on» – eine Anmeldung für die verschiedenste Dienstleistungen, das ist bequem.

Wachstum als Hauptaufgabe

Facebook muss wachsen, nachdem in den vergangenen Monaten die durchschnittlichen Nutzerzahlen immer wieder zu Kritik Anlass gegeben haben. Mit Whatsapp holt sich das Unternehmen dies an Bord: Knapp eine halbe Milliarde Nutzer ist auf Whatsapp registriert – fast drei Viertel davon sind täglich aktiv. Das sind Traumwerte.

«Alle hassen Whatsapp, nutzen es aber trotzdem», fasste ein Kommentator die Situation heute zusammen. Heute gehen fast schon gleich viele Whatsapp-Nachrichten wie SMS-Meldungen um den Erdball. 

Rund 40 Dollar hat Zuckerberg für jeden dieser Nutzer auf den Tisch gelegt. Deren Daten sind wertvoll, geht es doch im Werbemarkt zunehmend um personalisierte Angebote. Facebook hat sich im Mobile-Bereich nach Anfangsschwierigkeiten etablieren können, kann von Whatsapp aber zweifelsohne noch viel dazu lernen.

Verknüpfung liegt auf der Hand

Wie die gemeinsame Zukunft einnahmeseitig aussehen wird, ist schwer vorhersehbar. Dass beide Dienste in irgendeiner Form dereinst technisch verknüpft werden, liegt auf der Hand. Inhaltlich ergänzen sie sich bestens: Während Whatsapp für die Planung des Alltags eingesetzt wird, lässt man diesen in der Regel auf Facebook Revue passieren.

Datenschützer beäugen den Deal besonders genau. «Facebook ist keine Wohltätigkeitsorganisation, also stecken hier ganz klar auch wirtschaftliche Interessen dahinter», äusserte sich stellvertretend die deutsche Verbraucherschützerin Carola Elbrecht.

Wie der Whatsapp-Deal bekannt wurde

 

 

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