Mitten im grössten Datenschutzskandal der Firmengeschichte will Facebook eine eigene Online-Partnervermittlung einführen. Über die neue Funktion sollten langfristige Beziehungen angebahnt werden, nicht nur einfache Dates, erklärte Konzernchef Mark Zuckerberg am Dienstag vor Software-Entwicklern. «Auf Facebook haben 200 Millionen Menschen ihren Status als Single angegeben, also gibt es hier eindeutig etwas zu tun.»

Die neue Funktion werde in Kürze starten. Details nannte er nicht. Zuckerberg betonte, dass Privatsphäre und Datenschutz bei der neuen Anwendung eine zentrale Rolle spielten. Das weltgrösste soziale Netzwerk hatte im März zugegeben, dass die britische Politikberatung Cambridge Analytica die Daten von Millionen Nutzern zu Unrecht in die Hände bekam.

Aktienkurs von Tinder und Co. stürzen ab

Facebooks geplanter Einstieg in die Internet-Partnervermittlung schickte die Aktienkurse etablierter Anbieter auf Talfahrt: Der Konzern hinter der Dating-App Tinder, Match, büsste 23 Prozent an Börsenwert ein. Die Anteilsscheine der Match-Muttergesellschaft IAC verbilligten sich um 15 Prozent. Der Kurs des Unternehmenes Sparks Networks, das hinter religiös orientierten Angeboten wie JDate und ChristianMingle steht, gab mehr als 7 Prozent nach. Facebook-Papiere legten 1,1 Prozent zu.

Auf Druck der Politik stellt Facebook ausserdem eine neue Löschfunktion für Nutzerdaten in Aussicht. Mit der geplanten Anwendung könnten Nutzer leichter Informationen wie die Liste besuchter Websites oder angeklickter Links entfernen, teilte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstag kurz vor Beginn einer Entwicklerkonferenz in San Jose mit. Es werde allerdings einige Monate dauern, die Kontrollfunktion «clear history» zu entwickeln.

Nach dem Skandal rund um den Missbrauch der Daten von bis zu 87 Millionen Mitgliedern, der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf und Problemen mit Hassrede steht das weltgrösste soziale Netzwerk im Visier von Kritikern. Um das Heft wieder in die Hand zu bekommen, geht das Unternehmen aus Menlo Park in die Offensive. Facebook verspricht seinen mehr als 2 Milliarden Mitgliedern weltweit mehr Transparenz und Kontrolle über ihre Daten. Zugleich sollen die Veränderungen dafür sorgen, einer stärkeren Regulierung zu entgehen und das einträgliche Werbegeschäft am Laufen zu halten.

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(reuters/me/mlo)