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Datenmissbrauch
Facebook – Die grösste Bedrohung für die Datensicherheit

Facebook-Stand bei den Online Marketing Rockstars
Der Facebook-Stand bei den Online Marketing Rockstars: Business as usual oder im Krisenmodus?Quelle: Keystone .

Der Fall Cambridge Analytica ist ein Weckruf. Es ist Zeit, sich über den Umgang mit Daten durch Internetunternehmen und -nutzern Gedanken zu machen.

Matthias Göbel
Kommentar  
Von Matthias Göbel
am 23.03.2018

Wenn Mark Zuckerberg seinen Rücktritt bekannt gäbe, wäre erstmal Druck aus dem Kessel. Das wird er aber nicht tun. Ein Mea Culpa von Facebook (FB) und das Gelöbnis, in Zukunft die Daten der Nutzer besser zu schützen – auch gegen die eigenen Begehrlichkeiten – das wars, fürs erste. Doch das wird nicht reichen. Es müssen andere Lehren aus dem Fall gezogen werden.

Im Grunde handelt es sich bei der Causa Cambridge Analytica (CA) nicht nur um einen massenhaften Datenmissbrauch, sondern auch einen massenhaften Vertrauensmissbrauch. Und es geht auch nicht nur um CA und Facebook, sondern im Grunde auch um andere digitale Plattformen, die Daten ihrer Nutzer sammeln.

#DeleteFacebook ist der Hype der Woche, doch das Massenlöschen von Facebook-Konten wird kaum stattfinden. Einige werden es tun – vor allem die, die Facebook ohnehin kaum nutzen. Einige werden sich in ihren Urteilen bestätigt sehen und stolz sein, dass sie sich niemals bei FB angemeldet haben. Doch eines sollte jedem klar sein: FB hat eine gesellschaftliche Durchdringung, wie wohl kein Netzwerk vorher. Und der Mensch will sein, wo seine Freunde und seine Familie sind. Und die sind noch bei Facebook. Und diese Verbreitung macht Facebook alternativlos. Zumindest im Augenblick. 

Zielgruppenspezifische Werbung ist kein Datenmissbrauch

Der Umgang mit persönlichen Daten im Internet sollte der eigentliche Fokus der Debatte sein. Let’s face it: Nur wenige Nutzer haben Zeit und Lust, sich mit schwer verständlichen und komplexen Nutzungsbedingungen auseinanderzusetzen. Genau das freut Werbetreibende, denn ihnen gibt Facebook ein grandioses Marketinginstrument an die Hand: Zielgruppenspezifische Werbung ist hier kein Versprechen, sondern ein Programm – im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Programm, der sogenannte Ad-Manager, erlaubt es, Facebook zu sagen, wem welche Werbung gezeigt werden soll. Das ist weder böse noch ein Datenmissbrauch, denn Werbung stört in der Regel nur dann, wenn sie zu penetrant ist oder wenn sie einen nicht interessiert. Für diese Werbung muss Facebook auch die Daten nicht weitergeben.

Kurz: Werbung, die mir das zeigt, wofür ich mich ohnehin interessiere, kann im besten Fall willkommen sein, im schlechtesten stört sie nicht. Diese Art der Werbung führt zu einer erfreulicheren User-Experience. Und die erfreuliche Nutzererfahrung ist das Kernthema bei Facebook, diesem Ziel wird alles andere untergeordnet. Doch die stillschweigende Übereinkunft zwischen Nutzer und Plattform «meine Daten gegen Bequemlichkeit» erfordert einen besonders sorgfältigen Umgang mit der Daten seitens der digitalen Plattform. Denn jede Datensammlung weckt Begehrlichkeiten. Und man sollte Cambridge Analytica für ihre Angeberei mit ihrem Geschäftserfolg fast schon dankbar sein. Denn ohne diese Informationen über das Ausmass der bedenklichen Datenverwendung, würde kein Umdenkprozess bei Politikern, Nutzern und Unternehmen einsetzen.

Ohne Nutzer, keine Daten – ohne Daten, kein Geschäft

Nicht umsonst verspricht Facebook jetzt alle Apps, die in der Vergangenheit Zugang zu persönlichen Nutzerdaten wie (Wohnort, Freunde, Beruf, Likes, Gruppen, Wohnort etc.) hatten, sorgfältig zu überprüfen. Bisher konnten App-Entwickler selber festlegen, auf welche Daten der Nutzer sie uneingeschränkten Zugriff haben möchten – egal, ob diese Daten für das Betreiben der App notwendig sind oder nicht.

Die «#DeleteFacebook-Bewegung» schädigt das Geschäftsmodell des Internetgoliaths und trifft ihn damit ins digitale Herz: ohne Nutzer, keine Daten – ohne Daten, kein Geschäft. So einfach ist die Gleichung. So überrascht es nicht, dass Facebook nun bestrebt ist Schadenbegrenzung zu betreiben. Der abrupte Fall des Aktienkurses kostet die Aktionäre Milliarden. Ob ein Bauernopfer wie die Demission des Sicherheitschefs von Facebook ausreichen wird, muss sich zeigen. Das wird davon abhängen, ob der Sturm abflaut oder sich zu einem Orkan auswächst.

Datenhygiene und Datensparsamkeit

Entsprechend einer «Habeas Corpus»-Erklärung (sie gewährte im Mittelalter Verhafteten eine Haftprüfung vor einem Gericht), wäre heute eine «Habeas Data»-Erklärung fällig, die Nutzern bessere Rechte im Umgang mit ihren Daten einräumen würde. Es geht darum, dass sich Nutzer bewusst werden, dass sie Daten teilen, welche Daten sie teilen – und vor allem, mit welchen Dritten ihre Daten geteilt werden können und zu welchem Zweck, und last but not least: Das Versprechen auf einen pfleglichen Umgang mit Daten, der Vertrauen verdient.

Alle, die Daten verwenden, müssen einen möglichst sicheren Umgang mit Daten garantieren können. Das gilt für Unternehmen wie Nutzer. Wir brauchen ein Bewusstsein, dass für eine gewisse «Datenhygiene» sorgt. So wie man lernen muss, sich die Hände zu waschen, um eine ungewollte Verbreitung von Keimen zu vermeiden, muss sich der Nutzer einer grundlegenden Datenhygiene und Datensparsamkeit unterziehen. In diese Richtung geht auch Facebooks längst überfälliger Vorstoss, App-Entwicklern nur noch beschränkten Datenzugang zu gewähren und auch nur auf Daten, die für das Betreiben der App nötig sind.

Datensicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Es sind alle gefragt, die sich im Internet und Sozialen Netzwerken bewegen: Die Nutzer, die einen sensibleren und vor allem sparsameren Umgang mit ihren Daten pflegen sollten, und sich ihrer Eigenverantwortung im Umgang mit Nutzungsbedingungen stellen müssen, die Internetanbieter, die für grösstmögliche Datensicherheit und einen sorgfältigen Umgang mit Daten sorgen müssen, und die Politik, die Rahmenbedingungen setzen sollte, die die Realität des heutigen digitalen Lebens nicht ausblenden darf.

 

 

 

 

 

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