Facebook schreibt mit seinem Börsengang Geschichte. Das weltweit führende soziale Online-Netzwerk legt den drittgrössten Börsengang aller Zeiten in die USA hin, unter den Technologieunternehmen ist sogar der mit Abstand grösste IPO überhaupt.

Facebook konnte seine Aktien zum anvisierten Höchstpreis losschlagen. Der Online-Treffpunkt und seine Alteigentümer nehmen beim Sprung auf das Handelsparkett insgesamt 18,4 Milliarden Dollar ein, wenn auch eine Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der Banken - vollständig ausgeübt wird.

Von den Einnahmen des Börsengangs fliessen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Onlinetreffpunkts früh erkannt haben.

Mehr Wert als HP und Dell - zusammen

Der Börsenwert von Facebook beläuft sich auf 104 Milliarden Dollar. Das Online-Portal ist damit mehr wert als die Computer-Riesen Hewlett-Packard und Dell zusammen. Google hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2004 Aktien für 1,7 Milliarden Dollar verkauft und kam auf eine Gesamtbewertung von 23 Milliarden Dollar. Heute sind es gut 200 Milliarden Dollar.

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Am Freitag soll das Dividendenpapier zum ersten Mal an der Technologiebörse Nasdaq in New York gehandelt werden. Experten trauen der Aktie bei ihrem Debüt einen Kurssprung von über 50 Prozent zu.

«Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet - alles unter 50 Prozent als enttäuschend», sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar.

Zuckerberg bleibt bestimmend

Facebook-Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg selbst hat 30 Millionen seiner eigenen Anteilsscheine verkauft und damit gut 1,1 Milliarden Dollar eingenommen. Mit dem Geld will der 28-Jährige fällige Steuern begleichen. Er besitzt aber noch einen Anteil im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar und kontrolliert das Unternehmen weiter mit einem Anteil von 57 Prozent aller Stimmrechte.

Der Börsengang ist der Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Mittlerweile hat Facebook gut 900 Millionen Nutzer.

Hype dank Werbeindustrie

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn die Geschäftszahlen nehmen sich im Vergleich zu anderen Konzernen klein aus:

Der Umsatz lag im Jahr 2011 bei 3,7 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2012 setzte Facebook rund 1,06 Milliarden Dollar um; der Gewinn betrug 137 Millionen Dollar.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen an Geschäftsmodell und Strategie von Facebook aufgekommen. Zwar wuchs das Unternehmen in den zurückliegenden Monaten weiter stark, jedoch musste es jüngst seinen ersten Umsatzrückgang zum Vorquartal seit mindestens zwei Jahren bekanntgeben. Das zentrale Geschäft mit Online-Anzeigen hatte sich in den vergangenen Monaten verlangsamt. Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle für Facebook.

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Keine GM-Werbung mehr

In dieses Bild passt die Ankündigung eines der grössten Werbetreibenden weltweit, General Motors, dass das Unternehmen vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten will. Die Nutzer würden kaum erreicht, erklärte GM. Überdies nutzen immer mehr Nutzer Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

Dennoch war der Ansturm der Investoren enorm. Facebook hatte seinen Börsengang drei Mal aufgestockt. Zunächst sollten die Einnahmen nur bei 5 Milliarden Dollar und damit bei weniger als einem Drittel der jetzigen Summe liegen.

«Spektakel»

Der Rummel um Facebook sorgt unter Finanzmarktexperten für Staunen und Befremden zugleich. «Das ist mehr ein Spektakel, ein Medienereignis und ein kulturhistorischer Augenblick, als es ein Börsengang ist», sagte Analyst Max Wolff von GreenCrest Capital. Geschäftsmodelle und -daten spielten mittlerweile kaum eine Rolle mehr.

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(vst/sda)