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Facebook-Mobile: Zuckerberg in der Klemme

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bleibt in den Schlagzeilen. (Bild: Bloomberg)

Mark Zuckerberg steht im Vorfeld der Quartalszahlen im Fadenkreuz. Dennoch zeigt die Analyse: Facebook kann auf seinen Gründer nicht verzichten.

Von Vasilije Mustur
am 21.10.2012

Eine 800 Quadratmeter grosse Villa im kalifornischen Palo Alto mit fünf Schlafzimmern, fünf Badezimmern und einem Salzwasser-Swimmingpool. Dazu die finanzielle Last der 7 Millionen Dollar Investition durch eine 30-jährige Hypothek zu einem Zinssatz von gerade einmal 1,05 Prozent abgesichert - und eine Traumhochzeit gefolgt von Flitterwochen in Rom mit seiner langjährigen Lebensgefährtin.

Kein Zweifel: Privat könnte es für Mark Zuckerberg nicht besser laufen.

Geniessen kann der Facebook-Gründer seine Mussestunden jedoch nur bedingt. Seit dem Börsengang im Mai befinden sich die Facebook-Aktien im freien Fall und notieren derzeit bei 19 US-Dollar - dies nach einem Emmissionspreis von stolzen 38 US-Dollar. 

Zuckerberg ist für Facebook zu wichtig

Personelle Konsequenzen hat dies nicht - der Geschäftsführer ist unantastbar. Das Soziale Netzwerk ist von der Person Mark Zuckerberg zu sehr abhängig. «Zuckerberg ist aufgrund seiner Stimmrechtaktien immer noch Mehrheitsaktionär und deshalb nicht in Gefahr», unterstreicht auch Bernd Hartmann, Research-Chef der VP Bank, die Sonderstellung. 

Den verpatzen Börsenstart Zuckerberg anlasten zu wollen, wäre tatsächlich nicht akurat. Das Wirtschaftsgenie hat den Gang aufs Parkett nicht forciert - vielmehr wurde er durch die in den Vereinigten Staaten vorherrschenden Marktgesetze dazu gezwungen. Demnach müssen US-Firmen, welche über 500 Anteilseigner verfügen, ihre Bilanzen offenlegen. 

Wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell?

Nichtsdestotrotz will die Kritik nicht verstummen - im Gegenteil. Strafen die Analysten Facebook nicht zuletzt darum ab, weil sie kein nachhaltiges Geschäftsmodell erkennen können? Dieser Punkt ist in der Tat umstritten. Eine Befragung von Ipsos bei 1000 amerikanischen Nutzern zeigt, dass ein Drittel der Community weniger lang auf Facebook surft als noch vor einem halben Jahr. Zudem lassen sich 80 Prozent der Mitglieder laut den Verfassern der Umfrage durch Werbung nicht zum shoppen animieren.

Damit aber nicht genug: Die Investmentfirma Capstone will in einer Studie einen Nutzungsrückgang von 1,7 Prozent in den USA ausgemacht haben - und das Forschungsunternehmen Nielsen möchte herausgefunden haben, dass mittlerweile drei Viertel aller US-Mütter regelmässig Facebook aufsuchen. Ein schleichender Zerfall der einstigen Hochburg der Studenten und Teeneger?

Baustelle Mobile-Werbung muss Zuckerberg lösen

Diesen vagen Prognosen stehen die nackten Zahlen gegenüber: So verzeichnet das Netzwerk nach wie vor ein Mitgliederwachstum und zählt derzeit weltweit über 955 Millionen Konten. Die Facebook-Freunde stellen denn auch das wertvollste Kapital des Sozialen Netzwerks dar. Zumindest bis dato: 85 Prozent des Gesamtertrages in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar stammen aus dem Verkauf von Werbeflächen.

Die Krux: 543 Millionen User nutzen die Facebook-Apps auf ihren Handy-Telefonen. Und genau hier liegt Facebooks grösstes Problem: Im Mobile-Geschäft lässt sich Werbung nicht verkaufen - zumindest noch nicht.

Das kann Bankenanalyst Hartmann nicht nachvollziehen: «Es war bereits vor dem Börsengang klar, dass das Geschäftsmodell alles andere als Selbstläufer ist.» Aber: «Facebook muss den Spagat schaffen, dass die Werbebotschaften die Nutzer einerseits nicht stören und andererseits den werbenden Unternehmen einen effektiven Nutzen bringen». 

Mobile-Markt für Facebook wegweisend

Immerhin: Der Firmengründer hat die Zeichen der Zeit erkannt. «Das Mobile-Geschäft ist eine riesige Chance für uns», lässt er immer wieder verlauten - das tönt derzeit allerdings auch nach Durchhalteparole.

Auch Facebook-Managerin Sheryl Sandberg betont, dass sich Werbung auf dem Sozialen Netzwerk besonders gut einpräge.  

Sollte Zuckerberg der Durchbruch im Mobile-Markt gelingen, wird sich die Facebook-Aktie wohl auf tiefen Niveau stabilisieren. «Der Emissionspreis wurde deutlich zu hoch angesetzt», sagt Hartmann, «die Aktie ist trotz dem Kursrückgang von beinahe 50 Prozent weiterhin teuer bewertet.» Sollten die Quartalszahlen nicht enttäuschen, könnte der Kurs laut Hartmann um 20 US-Dollar eine gute Unterstützung finden.»

Präsentiert der Facebook-Gründer aber keine nachhaltige Lösung, wird das an der Börse seine Spuren hinterlassen. «Sollte sich das Wachstum deutlich abschwächen und Facebook keine Lösungen haben, um diese Abschwächung zu kompensieren, muss ein Verkauf der Aktie in Erwägung gezogen werden.» 

Zuckerbergs nächste Gelegenheit: Dienstag, 23. Oktober - dann gibt es die Quartalszahlen.

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