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Technologie
Facebook verabschiedet sich von Datenhändlern

Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg: Wird sich vor dem US-Kongress zu Facebooks Datenskandal äussern. Quelle: Keystone

Facebook will den Datenschutz bessern und sagt sich von Datenfirmen los. Doch dem Playboy reicht's: Das Magazin schliesst seinen Facebook-Auftritt.

Veröffentlicht am 29.03.2018

Nach dem Skandal um die mutmasslich unlautere Weitergabe von Nutzer-Informationen will Facebook seine Zusammenarbeit mit mehreren grossen Datenhändlern beenden. Dies solle dabei helfen, den Datenschutz auf Facebook zu verbessern, teilte der Konzern am Mittwochabend mit. Das Vorhaben solle binnen sechs Monaten umgesetzt werden. Werbekunden sollen aber weiterhin Dienste von Dritten in Anspruch nehmen können. Facebook wollte sich nicht dazu äussern, ob das Ende der Allianzen den Werbe-Umsatz des Konzerns beeinträchtigen wird.

Das weltgrösste soziale Netzwerk mit mehr als zwei Milliarden Mitgliedern steht unter starkem Druck. Der Konzern hat sich wiederholt dafür entschuldigt, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern auf wohl unlautere Art einsetzen konnte, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen. Seit dies vor knapp zwei Wochen erstmals bekannt wurde, hat der Aktienkurs des Konzerns um rund 17 Prozent nachgegeben. Der Skandal schürt die Sorge, dass sich Werbekunden von Facebook abwenden und die Behörden mit Blick auf die Daten-Nutzung strengere Auflagen machen.

Facebook kündigte am Mittwoch an, die Zusammenarbeit mit den Firmen WPP, Experian, Transunion und Acxiom zu beenden. Papiere von Acxiom verloren nach der Ankündigung rund zehn Prozent.

Mark Zuckerberg will vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen

Zuvor am Mittwoch hatte Facebook bereits mitgeteilt, Nutzern mehr Kontrolle über ihre eigenen Informationen geben und auch die Verwaltung der Einstellungen vereinfachen zu wollen. Zudem sei eine Aktualisierung der Datenrichtlinien geplant. Es werde möglich sein, für das Konto weitere Sicherheitsfunktionen zu aktivieren sowie zu überprüfen, was geteilt wurde und es gegebenenfalls zu löschen. Dies könne auch die Suchhistorie sein. Zugleich soll künftig jeder selbst entscheiden können, welche Werbeanzeigen angezeigt werden.

US-Abgeordnete haben Facebook-Chef Mark Zuckerberg eingeladen, im Kongress Rede und Antwort zu stehen. Insidern zufolge will er sich dort persönlich äussern. Die UN-Handelsorganisation Unctad erklärte, der Facebook-Fall sei nur die Spitze des Eisbergs. Die Debatte zeige, dass viele Länder schlecht auf die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft vorbereitet seien.

Playboy zieht sich von Facebook zurück

Als Konsequenz aus dem Datenskandal hat ausserdem das Männermagazin «Playboy« seine Zusammenarbeit mit Facebook aufgekündigt. Alle Seiten des Magazins in dem Online-Netzwerk würden deaktiviert, kündigte das Magazin am Mittwoch an. Da mehr als 25 Millionen Fans über Facebook mit dem Magazin verbunden seien, wolle «Playboy« nicht in die enthüllten Datenmissbrauchspraktiken verwickelt sein.

«Playboy» ist nicht das erste Unternehmen, das im Zuge des Datenskandals mit Facebook bricht. Der US-Technikvisionär Elon Musk hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, er lasse die Facebook-Seiten seiner Unternehmen Tesla und SpaceX stilllegen.

(reuters/sda/me)

 

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