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Privatsphäre
Facebook wollte Patientendaten von Spitälern

Intensivstation im Zürcher Universitätsspital
Operation am Universitässpital Zürich: Gesundheitsdaten sind besonders sensitive Daten.Quelle: Keystone.

Das soziale Netzwerk wollte Patientendaten mit seinen Userdaten abgleichen. Die Datenschutz-Krise hat das Projekt gestoppt. Vorerst.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 06.04.2018

Facebook hat mehrere grosse US-Krankenhäuser gebeten, anonymisierte Daten über ihre Patienten für ein Forschungsprojekt zur Verfügung zu stellen. Das berichtet «CNBC». Facebook wollte die Spitaldaten mit seinen gesammelten Benutzerdaten abgleichen und den Krankenhäusern dabei helfen, herauszufinden, welche Patienten eine besondere Pflege oder Behandlung benötigen.

Der Vorschlag ging nie über die Planungsphase hinaus und wurde auf Pause gesetzt, nachdem der Skandal um das Datenleck zu Cambridge Analytica einen öffentlichen Aufschrei darüber provozierte, wie Facebook Informationen sammelt und nutzt.

Noch letzten Monat aktiv

«Das Projekt ist nicht über die Planungsphase hinausgekommen, und wir haben keine Daten erhalten, weitergegeben oder analysiert», betonte ein Facebook-Sprecher. Aber: Noch letzten Monat sprach Facebook mit mehreren Gesundheitsorganisationen über die Unterzeichnung eines Datenaustausch-Abkommens. Unter anderem mit der Stanford Medical School und dem American College of Cardiology.

Während die geteilten Daten persönlich identifizierbare Informationen, wie etwa den Namen des Patienten, verdecken würden, schlug Facebook vor, eine Technik namens «Hashing» zu verwenden, um Personen, die in beiden Sets existierten, abzugleichen. Facebook sagt, dass die Daten nur für die Forschung durch die medizinische Gemeinschaft verwendet worden wären.

Das Projekt hätte neue Bedenken hinsichtlich der enormen Datenmengen aufkommen lassen können, die Facebook über seine Nutzer sammelt, und wie diese Daten in einer Weise genutzt werden können, die die Nutzer nie erwartet hätten.

Geheimprojekt aus dem «Building 8»

Die Forschungen zum Austausch medizinischer Daten wurden vom Kardiologen namens Freddy Abnousi geleitet, der seine Rolle bei Linkedin als «führend in streng geheimen Projekten» beschreibt. Regina Dugan, die Leiterin der Facebook-Experimentierprojektgruppe «Building 8», war dafür zuständig, bevor sie im Oktober 2017 ging.

Spitäler und andere Gesundheits-Dienstleister sind notorisch vorsichtig beim Austausch von Informationen über die Gesundheit von Patienten – auch wegen strenger Datenschutzgesetze für Patienten. Diese Regeln sollen sicherstellen, dass die sensiblen medizinischen Informationen  nicht in falsche Hände gelangen.

Einwilligung von Patienten? Fehlanzeige!

Gemäss Insidern kam die Frage der Patienteneinwilligung kam in den ersten Gesprächen zwischen den Spitälern und Facebook nicht zur Sprache. Kritiker haben Facebook in der Vergangenheit angegriffen, weil das Netzwerk ohne Erlaubnis der Nutzer über die Nutzer recherchiert hat. Im Jahr 2014 manipulierte Facebook Hunderttausende von Newsfeeds, um zu untersuchen, ob bestimmte Arten von Inhalten die Menschen glücklicher oder trauriger machten. Facebook entschuldigte sich später für die Studie.

Facebook hat bisher nur zaghafte Schritte in den Gesundheitssektor unternommen, wie zum Beispiel eine Kampagne zur Förderung der Organspende. Doch das Unternehmen beschäftigt in New York ein wachsendes Gesundheitsteam, das Pharmaunternehmen auffordert, deren  Werbebudgets in Facebook zu investieren. Pharmakonzerne können gezielt Nutzer bewerben, die bestimmte Seite zu Gesundheitsthemengelikt haben oder einer bestimmten demografischen Gruppe angehören.

Das Spitalprojekt ist gemäss offizieller Verlautbarung von Facebook «unterbrochen». Es kann also jederzeit wieder aufgenommen werden.

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