Nach dem Börsen-Debakel für Facebook gehen die Schuldzuweisungen los. Vor allem die Investmentbank Morgan Stanley , die den Börsengang federführend organisierte, steht unter Beschuss. Die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zuviele Papiere auf den Markt geworfen, lautet der Vorwurf. Die Facebook-Aktie war am Montag um 11 Prozent auf 34 Dollar eingebrochen - vier Dollar unter den Ausgabekurs. Der Gesamtwert des weltgrössten Online-Netzwerks schmolz von anfangs 104 Milliarden auf rund 93 Milliarden Dollar zusammen.

Zentraler Anteilseigner und damit einer der grössten Leidtragenden des Kursverfalls ist Gründer Mark Zuckerberg. Ein Dollar mehr oder weniger beim Aktienpreis macht eine halbe Milliarde an seinem Vermögen aus. Nach dem Kurssturz waren seine Anteile noch gut 17 Milliarden Dollar wert - zwei Milliarden weniger als am Freitag. Der Verfall der Facebook-Aktie muss für Zuckerberg umso bitterer gewesen sein, als die US-Börsen insgesamt deutlich nach oben gingen. Am Dienstag gab es vorbörslich ein leichtes Minus.

«Banken haben es vergeigt»

«Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt», sagte dem «Wall Street Journal» Analyst Michael Pachter, der schon Zuckerbergs legeres auftreten vor Investoren in Kapuzenpulli und Jeans kritisiert hatte. Man habe nur die Hälfte der Aktien auf den Markt bringen sollen. Nach Recherchen der Zeitung könnten den Ausverkauf zudem beschleunigt haben, dass Käufer bei der Platzierung deutlich mehr Aktien bekommen hätten als geordert. Einige Investoren sagten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, sie fühlten sich von den Banken getäuscht.

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Facebook hatte vor dem Börsengang ziemlich siegessicher agiert: Die Zahl der Aktien wurde um ein Viertel auf 421 Millionen aufgestockt. Zudem wurde die Preisspanne von 28 bis 35 Dollar auf 34 bis 38 Dollar hochgeschraubt - und die Aktie wurde dann zum Maximalpreis verkauft.

«Albtraum»

Zum Börsendebüt am Freitag hatten die Banken um Morgan Stanley den Kurs noch ganz offensichtlich am Ausgabepreis von 38 Dollar gestützt. Am Montag begann die Talfahrt direkt zum Start des Börsenhandels. Zwischenzeitlich hatte das Minus sogar bei annähernd 14 Prozent gelegen. «Bisher entwickelt sich die Facebook-Neuemission äussert enttäuschend und wird für manch einen regelrecht zum Albtraum», kommentierte Händler Markus Huber von ETX Capital. «Insgeheim hatten ja doch viele gehofft, dass sich diese Firma zu einer neuen Apple oder Google entwickeln könnte.»

Am Freitag hatte das Papier noch denkbar knapp um 23 Cent über dem Ausgabekurs von 38 Dollar geschlossen. Die am Börsengang beteiligten Banken hatten mehrfach mit eigenen Käufen den Kurs stützen müssen. Am Montag liessen sie los.

Zweifel an Facebook

Mit dem Kursverlust können sich nun all jene bestätigt fühlen, die Facebook für total überbewertet halten. Zwar besitzt das Netzwerk gut 900 Millionen Mitglieder, doch die Geschäftszahlen fallen bislang eher bescheiden aus: Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen 3,7 Milliarden Dollar Umsatz und 1 Milliarde Dollar Gewinn. Die Haupt-Einnahmequelle ist Werbung.

Bereits im Vorfeld des Börsengangs waren die kritischen Stimmen immer lauter geworden. So wurde bekannt, dass der Autoriese General Motors seine Anzeigenkampagne auf Facebook stoppt, weil die Kunden schlicht nicht erreicht würden. Überdies muss Facebook eine Lösung für das Problem finden, das immer mehr Nutzer per Smartphone mit ihren Facebook-Freunden kommunizieren - ein Handy-Bildschirm bietet aber viel weniger Platz für Werbung.

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Facebook und die Alteigentümer hatten Ende vergangener Woche 421 Millionen Aktien verkauft und damit 16 Milliarden Dollar eingenommen - es war der grösste Internet-Börsengang aller Zeiten und einer der grössten überhaupt. Die schwächer als gedacht ausgefallene Nachfrage nach den Facebook-Aktien zieht auch andere Internetaktien mit runter.

(vst/rcv/awp)