Ab Herbst 2008 werden die Fachhochschulen ihre Ausbildung um eine zweite Säule erweitern. Dieser Prozess muss departements- und fachhochschulübergreifend und im Dialog mit Arbeitgebern ablaufen.

Nach der Reform der Bachelor-Studiengänge 2005 nimmt man nun auch die Master-Programme in Angriff. Sie ermöglichen ab September 2008 überdurchschnittlich befähigten, ambitionierten Studierenden – direkt nach dem Bachelor oder nach zusätzlicher, kurzer Berufstätigkeit – eine weitere Qualifikation, oft auch berufsbegleitend. In Ergänzung zum Bachelor vermittelt der Master eine fachliche Vertiefung und zusätzlich wissenschaftliche Kompetenz, das alles sehr praxisorientiert.

Problematische Auswirkungen

Was einerseits ein deutlich verbessertes Ausbildungsangebot der Fachhochschulen ist, hat andererseits problematische Auswirkungen auf ein weiteres wichtiges Geschäftsfeld: Die Weiterbildung. Gemäss Vorgabe vom Bund sind die Fachhochschulen verpflichtet, den «erweiterten Leistungsauftrag» zu erfüllen: Er beinhaltet neben Lehre, anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen auch die Weiterbildung. Letztere hat zum Ziel, bestehende berufliche Qualifikationen zu erneuern, zu vertiefen und zu erweitern bzw. neue berufliche Qualifikationen zu erwerben. Zur Weiterbildung gehören MBA, Executive MBA, Master of Advanced Studies (MAS), Diploma of Advanced Studies (DAS) und Certificate of Advanced Studies (CAS). Diese Weiterbildungsangebote fördern hauptsächlich Handlungskompetenz und sind sehr praxisbezogen. Bisher war Weiterbildung für einen Bachelor-Absolventen die einzige Form der zusätzlichen Hochschulqualifikation nach einigen Jahren Berufserfahrung. Ab Herbst 2008 wird jedoch auch der konsekutive Master zur Auswahl stehen. Hier sind nun die Entscheider an den Hochschulen herausgefordert: Wird man den Studierenden den neuen Master als Alternative zum Weiterbildungsmaster (MAS) oder als Vorstufe dazu präsentieren? Oder beides? Vieles scheint dafür zu sprechen, dass sich die Wertschöpfungskette der Fachhochschulen folgendermassen präsentiert: Bachelor (Altersgruppe 19–25) – konsekutiver Master (25–30) – Weiterbildung (30–40). Ein wichtiger Aspekt bei den Überlegungen sind auch die sehr unterschiedlichen Kosten: Ein konsekutiver Master ist aufgrund seiner niedrigen Semestergebühren für die Hochschulen kaum kostendeckend, ein Weiterbildungsmaster dagegen profitabel (rund 30 000 Fr. pro Teilnehmer).

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Inhalt und Methodik verschieden

Wie auch immer man sich entscheidet – die Fachhochschulen werden sich auf alle Fälle abstimmen und ihre Weiterbildungsprogramme neu positionieren müssen. Falls der konsekutive Master als Alternative zum Weiterbildungsmaster angeboten wird, erfordert das eine klare Abgrenzung der Programme. Beide bauen auf der Grundausbildung Bachelor auf; der konsekutive Master richtet sich eher an die wissenschaftlich interessierten Absolventen und der Weiterbildungsmaster an Kandidaten mit einigen Jahren Praxis. Wenn der neue Master jedoch als Zwischenstück zwischen Bachelor und Weiterbildungsstudium verstanden wird, so sollte das Weiterbildungsstudium an die im konsekutiven Master vermittelten Kompetenzen anknüpfen. Das erste Szenario birgt die Gefahr, den Weiterbildungsmaster als weniger anspruchsvoll zu positionieren. Im zweiten müsste der Weiterbildungsmaster Grosses leisten: Einen Mehrwert bieten, der über Bachelor und Master hinausgeht, und gleichzeitig auf Berufserfahrung aufbauen. Bei beiden Szenarien muss eine Differenzierung der beiden Master hauptsächlich über Inhalt und Methodik erfolgen.

Forderungen an den Bund

Es kann festgehalten werden: Erstens müssen Inhalte, Methodik und Zeitmodelle der Weiterbildungsangebote bis zur Einführung der konsekutiven Master dringend überprüft und angepasst werden. Sonst läuft man Gefahr, dass sich beide Bildungsprodukte gegenseitig kannibalisieren. Zweitens sollte die neue Positionierung der Weiterbildungsmaster departements- und fachhochschulübergreifend diskutiert werden. Ohne gegenseitige Absprache bleiben die Angebote gesamtschweizerisch intransparent, und die zukünftige Positionierung der Weiterbildung an Fachhochschulen wäre gefährdet. Drittens sollten Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in die Diskussion mit einbezogen werden, da sie das berufliche Anforderungsprofil ihrer Mitarbeiter wesentlich mitbestimmen. Viertens hat die gewählte Weiterbildungsstrategie massgeblichen Einfluss auf Passerellenlösungen, etwa was den Zugang von Absolventen der höheren Fachschulen zum Weiterbildungsmaster an Fachhochschulen betrifft.
Die Schlussfolgerungen zeigen, wie wichtig es auch im Kontext der Weiterbildung ist, dass der Bund den für Dezember angekündigten Bewilligungsentscheid über die beantragten konsekutiven Master-Studiengänge pünktlich fällt. Denn offensichtlich hat die Einführung des neuen Masters Folgen, die es rasch zu adressieren gilt.

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Regine Wieder, Head of Communication Management und Dozentin; Heinz Knecht, Leiter Institut für Banking und Finance, beide an der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW). Heinz Knecht war 2001/02 Präsident der Eidgenössischen Fachhochschulkommission.