Es fing auf einer Papierserviette an. In einem Lokal an der CeBIT 2007 arbeiteten Oliver Goh von Implenia, grösster Schweizer Baudienstleister, und Ansgar Schmidt vom Computerriesen IBM daran, mit virtuellen Welten den Alltag zu verbessern. Virtuelle Realität und reales Leben (RL) wollten sie vernetzen, um die Vorteile des Cyberspace, wie standortunabhängige Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit, besser für die physische Welt zu nutzen. Sie skizzierten eine Infrastruktur auf die Serviette, wie Aktivitäten und Informationen aus beiden Welten zu verzahnen wären. Ihre Vision: Die Herausforderungen um die Themen Energie-management, globale Zusammenarbeit und Collaborative Design zu adressieren. Parallel wurde Soft- und Hardware entwickelt: Ein begehbares 3D-Online-Headquarter des Eolus One genannten Projekts sowie VWCI, das Virtual World Communication Interface, ein Gerät, um virtuelle und reale Welt vernetzen zu können. 45 Privatleute aus der ganzen Welt, teils Mitarbeiter namhafter Unternehmen, beteiligten sich an dem Vorhaben.

Im Juli 2007 eröffnete das Eolus-Konsortium, dem sich weitere Unternehmen anschlossen, seine Online-Repräsentanz: Heimat diverser innovativer Projekte in der virtuellen Welt von Second Life. Über das VWCI – ein Gateway zwischen standardisierten Gebäudenetzwerken und ihren Gebäudeleitsystemen – lassen sich seitdem Automationssysteme echter Gebäude steuern und kontrollieren. Oliver Goh, Business Development Executive bei Implenia: «Die VWCI-Schnittstelle erlaubt es, über die Nutzung privater oder öffentlicher Netzwerke reale Gebäude mit virtuellen Welten zu verlinken.» Stets lässt sich von überall her auf ein 3D-Online-Interface zugreifen, das visualisierte RL-Daten sicher und bequem zugänglich macht.

Die Implementierung der Daten und Nutzerschnittstelle in 3D-Grafik kommt nicht von Spieltrieben der Macher oder aus modischen Aspekten heraus. Der Grund: Lange schon wissen Experten, dass 3D-Darstellungen meist einfacher und intuitiver zu benutzen sind als adäquate 2D-Pendants. So kann zum Beispiel statt komplexer Listen auf Kontrollmonitoren ein simpler Würfel, der eine der Ampelfarben annimmt, umgehend informieren. Je nach Farbe werden lernende Regeln, spezielle Algorithmen, hinterlegt.

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Effizienzte Kontrolle mit 3D

Solange der Würfel grün bleibt, gibt es keinen Handlungsbedarf. Sollte er allerdings rot blinken, klickt der User darauf und wird in eine spezielle Zone der 3D-Visualisierung spediert. Hier wird ihm die Sorge bereitende Komponente mitsamt des Alarmgrundes automatisch präsentiert und er kann sofort Massnahmen einleiten. Eine Grosszahl von Gebäuden und Einrichtungen lässt sich so effizient steuern und lückenlos kontrollieren, glauben Goh und seine Kollegen bei IBM. Ein zentraler virtueller Kontrollraum helfe dabei, Komplexität und damit Kosten zu reduzieren.

Eolus zügelte kürzlich innerhalb der virtuellen Welten von Second Life, betrieben von der US-Firma Linden Lab, nach OpenSim, der Open-Source-Variante einer 3D-Welt, die jede Firma auf ihren Rechnern installieren kann. «Sechs Gebäude werden inzwischen aus dem 3D-Kontrollraum heraus verwaltet.»: Oliver Goh bildete die Systeme seines eigenen Hauses im Cyberspace ab, und auch ein Business Park in Wallisellen, die Universität Coventry (UK) oder ein Hotel in Frankfurt am Main nutzen das innovative 3D-Kontrollsystem von Eolus zur Regelung von Strom, Licht, Aufzügen, Klimaanlagen. Vorläufige Berechnungen legen laut Goh nahe, dass sich die Managementkosten erheblich reduzieren lassen.

IBM und Implenia offerieren die Anwendung nun auch als virtuelles 3D-Rechenzentrum. Dazu wurde IBMs Middleware Holographic Enterprise Interface, das die Vorgänge in einem RZ visualiert, mit Implenias VWCI integriert. Nicht nur für stromfressende Datencenter sei eine Optimierung der Energieeffizienz essentiell und derart erreichbar, heisst es bei Implenia und IBM.