Eine Zeit der Konsolidierung war in den letzten Monaten auch in der Veloindustrie zu verzeichnen. Die unverkäufliche Traditionsfirma Cilo ging definitiv Bankrott. Immerhin fand sich im letzten Moment noch ein Käufer, der wenigstens die Marke aus der Konkursmasse auskaufte. Und so wundert sich die Branche derzeit, ob eine Wiedergeburt bevorsteht.
Fusionen scheinen seit der Eingliederung von Villiger ins Haus Trek auf Anfang 2003 hin bis auf weiteres abgeschlossen. Villiger hat, entgegen argwöhnischen Prophezeiungen, 2003 keine weiteren Marktanteile verloren. Die von Trek ebenfalls übernommenen Arrow und Tigra konnten sogar zulegen. Damit hat Trek-Villiger die neue Schweizer Marktführerschaft gefestigt, sie hält gut 10% des Marktes. Die eigenständigen Marken sollen mit separatem Product Management gepflegt werden. Jüngster Beweis ist Villigers erstes Automatikmodell «Smover», das im Schweizer Markt eine exklusive Stellung einnimmt. Mit ihm sollen Shimano-Alltagsräder in die prestigeträchtige Liga edler Mountys oder Renner erhoben werden.
*«Swiss made» kostet 300 Franken Aufpreis*
Auffallend gut geht es den drei verbliebenen grösseren heimischen Herstellern. Tour de Suisse ist derjenige Produzent, der am meisten von der Marktkonzentration profitiert hat. Inzwischen hat sich diese Marke in vielen Nischen profiliert (Faltrad, E-Bike, Tandem).
In einem spezialisierten Segment hat Cresta immer mehr Erfolg - mit superleichten Alltagsrädern nämlich. Mit der neuen SL-Serie - deren Topmodell wiegt gerade mal 9,9 kg und ist damit das leichteste Trekking-Bike - zeichnen sich sogar Ausfuhr-Perspektiven nach Deutschland ab.
Der Export wird auch für BMC stärker zum Thema. Nachdem der Start in Deutschland behutsam verlaufen war, ist nun Tyler Hamilton im BMC-Phonak-Rennteam ein Zugpferd, das den Einstieg in den USA und weiteren internationalen Märkten nahe legt. Dies allerdings nur mit Rahmensets. BMC-Chef Andy Kessler benennt im Übrigen die Kosten für «Swiss made» ganz konkret: Rund 300 Fr. pro Rad. Offenbar akzeptiert der hiesige Markt diesen Mehrpreis, wenn dafür eine A-la-carte-Option geboten wird.
*Billigvelos, Internetverkauf*
Hinter diesen drei reputierten Schweizer Marken, die je 10000 bis 13000 Velos im Jahr produzieren, hat sich mit Good Price in aller Stille eine vierte Kraft etabliert, dies mit dem Verkauf von rund 6000 Bikes. Dieses Jahr lässt sich der preisaggressive Newcomer sogar auf einen Spagat ein. Unter dem Label Cronics werden neben dem Fachhandel auch die Sportmärkte SportXX beliefert, wenn auch nur mit Rennrädern. Die Absicht ist klar: Grossverteiler Migros will endlich mehr Anteil am Bike-Kuchen. Ob sich aber ausgerechnet in dieser Sparte eine anspruchsvolle Kundschaft findet, ist nach dem Flop von Pinarello bei Mitbewerber Athleticum fraglich.
Einen anderen neuen Absatzweg schon erfolgreich etabliert hat Simpel.ch. Das Jungunternehmen verkauft über Internet rund 1000 seiner Custommade-Alltagsräder.
*Schweizer Shimano-Opfer *
Nach dem Prachtsfrühling und Bombensommer im Vorjahr ist 2004 bisher weit weniger optimal verlaufen. Laut übereinstimmender Einschätzung fehlte von Beginn weg der Zug. Insbesondere der Absatz von Alltags- und Freizeiträdern ist nach wie vor stark wetterabhängig. Der sportive Sektor hingegen, wo die Saison jeweils schon im Herbst des Vorjahres beginnt, läuft weiterhin gut, insbesondere bei Highend- und Einsteigerrädern. Anderseits scheint sich der mittlere Bereich zwischen 1000 und 2000 Fr. totgelaufen zu haben.
Im Sportsegment hat diese Saison ein Problem, das weltweit Sorgen bereitet, auch Schweizer Firmen ereilt: Shimanos Lieferverspätungen bei Topkomponenten. Scott etwa sitzt beim Genius schon seit Monaten auf dem Leeren, BMC beziffert die komponentenbedingte Absatzminderung auf 20%. Diese Situation könnte vielleicht bald schon dazu führen, dass man sich künftig vermehrt auf Alternativen besinnt. Bei den Felgen ist die Branche ja anstelle der ebenfalls erschwert lieferbaren Mavic-Fabrikate mit DT Swiss aus Biel fündig geworden und inzwischen mehr als zufrieden.

Anzeige