Velofahrer lassen sich hierzulande beim Pedalen immer häufiger von elektrischen Hilfsmotörchen unterstützen. Zustellungsbeamte der Schweizerischen Post steigen auf elektrisch betriebene Mofas um. Statt Auto, Bahn oder Bus wählen Pendler in jüngster Zeit oft und gerne einen E-Scooter. Nach Velos, Mofas und Rollern stehen jetzt auch richtige Motorräder unter Strom. Die Zukunft für solche E-Bikes hat bereits begonnen - und sie ist vielversprechend.

Anbieter haben Trend erkannt

Jahrelang schien sich eigentlich niemand wirklich für Zweiräder mit Elektroantrieb zu interessieren. Zu teuer, zu schwer, zu leistungsschwach oder ganz einfach zu wenig vorteilhaft waren die meistgenannten ablehnenden Argumentationen. Doch spätestens seit letztem Jahr scheint nun alles anders zu sein. Die Branche hat ihre Hausaufgaben gemacht, wie das zunehmend breitere Publikumsinteresse und die explosionsartig steigenden Verkaufszahlen in den Segmenten der Elektro-Velo und -Roller zeigen.

Steigende Treibstoffpreise, geschärftes Umweltbewusstsein, vor allem jedoch die jüngsten technischen Errungenschaften sind massgeblich für diese Wende verantwortlich. Letztere betreffen insbesondere die für den Betrieb des Elektromotors nötigen Energiespeicher, die wiederaufladbaren Akkus. Dank Laptop- und Handyindustrie wurden diesbezüglich enorme Fortschritte erzielt. Die neusten Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsstärker, leichter, kompakter und beständiger als herkömmliche Blei- oder Nickel-Cadmium-Zellen. Sie sind momentan allerdings teurer.

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Dagegen sind die Betriebskosten und Emissionen wesentlich geringer. Im Vergleich zu einem Zweirad mit Benzinmotor ist der Energiebedarf eines «Stromers» rund fünfmal kleiner, der CO2-Ausstoss dank des sauberen Schweizer Stroms sogar zehnmal. Der rechnerische Energieverbrauch auf 100 km beträgt lediglich 0,5 l Benzin. Dazu wird praktisch kein Lärm verursacht. Dieser überzeugenden Energie- und Umweltbilanz stehen relativ hohe Anschaffungskosten gegenüber. Mit Preisen zwischen 10 000 und 17 000 Fr. sind Elektro-Motorräder nahezu doppelt so teuer wie Benziner.

Mit sinkenden Preisen ist erst zu rechnen, wenn die Nachfrage stark ansteigt und E-Bikes in Grossserie produziert werden. Genau dies könnte schon in naher Zukunft passieren. Die Ankündigung von Honda-Präsident Takeo Fukui, ab 2010 Motorräder und Roller mit Elektroantrieb zu produzieren, hat die Zweiradbranche aufhorchen lassen. Der CEO des grössten Motorradherstellers der Welt ist überzeugt, dass elektrisch betriebenen Zweirädern die Zukunft gehört - zumindest im Kurzstreckeneinsatz.

Erfunden hat den Elektro-Töff zwar kein Schweizer Unternehmen, doch die im Tessin domizilierte Firma Quantya gehört zumindest zu den ersten, welche die Idee vom leichten, geräuschlosen und handlichen Elektro-Sportmotorrad in Kleinserie umgesetzt haben und es heute in Kleinserie herstellen. Das Quantya Strada ist sozusagen ein Downhill-Mountainbike mit starkem Elektromotor. Das mit einem kompakten Lithium-Akku ausgerüstete Enduro-Motorrad wiegt lediglich 95 kg. Stollenreifen und lange Federwege bieten guten Fahrkomfort und ideale Voraussetzungen für gelegentliche Ausritte abseits befestigter Strassen. Das für den Strassenverkehr zugelassene Modell kostet 13 860 Fr.

Der Name ist fast Programm

Ebenfalls zu den Erfahrensten im Segment der Elektro-Motorräder zählt die US-Marke Zero Motorcycles. Zero (0) steht dabei als Hinweis auf den emissionsfreien Elektroantrieb. Zwischen 13 300 (X) und 17 900 Fr. (DS) kosten die leichten, wendigen und leistungsstarken Fun Bikes. Die Modelle X und MX sind reinrassige Sportgeräte fürs lautlose Motocrossen im privaten Hinterhof oder trickreiche Acts und Stunts in der Halfpipe. Zero S und DS werden in der Schweiz mit Strassenzulassung und entsprechender Ausstattung (Licht, Blinker etc.) ausgeliefert. Die DS ist der richtige Designjet, um zwischendurch kräftig im Dreck zu wühlen, die S die smarte Supermoto mit im wahrsten Sinn des Wortes unerhörtem Drehmoment.

Für Lifestyle People und das innerstädtische Verkehrsgewühl konzipiert ist das Elmoto. Das praktische, lautlose und aufsehenerregende Gefährt präsentiert sich als Styling-Mix aus Mountainbike und Motorrad. Keine Pedalen, Vollfederung vorne und hinten, kurzer Radstand, 45 km/h Spitze und nur gerade 40 kg Gewicht versprechen flinkes Handling und dadurch jede Menge Fahrspass. Das Elmoto ist in der Schweiz als Kategorie-F-Fahrzeug zugelassen und kann deshalb mit dem Auto- oder Töffausweis gefahren werden. Kostenpunkt: 6499 Fr.

Wie ein umweltfreundliches und alltagstaugliches Einspurfahrzeug für den Stadtverkehr aussehen könnte, stellt BMW mit dem Prototyp C1-E vor. Das Einzelstück basiert auf einem konventionellen C1, es wird von einem Elektromotor angetrieben und zeichnet sich durch hohe aktive und passive Sicherheit aus. Der Fahrer ist angeschnallt und durch einen auffälligen Überrollbügel und eine Knautschzone geschützt. BMW dementiert zwar eine Weiterentwicklung zur Serienreife. Wetten, dass sich das ändern wird, laufen aber bereits.