Für den Immobilienmarkt stellt sich die Frage, in welchem Ausmass er vom Abschwung getroffen werden wird. Es ist vorauszuschicken, dass der Schweizer Markt fair bewertet, solide finanziert und in der Bevölkerung breit verankert ist. Angebot und Nachfrage befinden sich in den meisten Segmenten in einem stabilen Gleichgewicht.

In diesen Punkten unterscheidet sich unser Land wesentlich von den spekulativen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, Grossbritannien oder Spanien während der letzten Jahre. Die Voraussetzungen sind also gegeben, dass der Markt die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ohne hektische Korrekturen überstehen wird.

Unklare Entwicklungen

Dennoch wäre es blauäugig, davon auszugehen, dass der Immobilienmarkt das gesamtwirtschaftliche Wellental unbeeindruckt durchschreiten wird. Die Zuwanderung - am Wohnungsmarkt einer der wichtigsten Nachfragestimuli der jüngeren Vergangenheit - wird angesichts der zurückhaltenden Anstellungspolitik der Unternehmen wohl etwas geringer ausfallen. Am Büroflächenmarkt, dessen Angebotsüberhang bis zuletzt kontinuierlich abgebaut wurde, wird das Angebot wiederum stärker wachsen als die Nachfrage, sofern sich das Wirtschaftswachstum tatsächlich in dem prognostizierten Umfang verkleinern wird. Und am Markt für Verkaufsflächen wird die gedämpfte Konsumlust der Verbraucher nicht zu übersehen sein.

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Es lohnt sich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und die wirtschaftliche Entwicklung in Bezug zur Preisentwicklung am Immobilienmarkt zu stellen. Dabei zeigt sich, dass Wirtschaftswachstum und Bautätigkeit immer schon ähnlich getaktet waren wie die Preisentwicklung für Wohn- und gewerblich genutzte Liegenschaften. Impulse gingen immer schon mehrheitlich von der Realwirtschaft aus. Innerhalb des Marktes selbst werden die Ausschläge dort am grössten sein, wo die Parameter wie Lage, Ausbau oder Betriebs- und Finanzierungskosten nicht optimal sind.

Es wird sich zeigen, wohin das Pendel letztlich stärker schwingen wird. Die Immobilienwirtschaft wird diese Krise besser durchstehen als von einigen Pessimisten heute vorausgesagt wird. Ein Unsicherheitsfaktor bleibt: Dass Spielverderber auf dem politischen Parkett die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern. Das gilt ganz besonders mit Bezug auf die Revision des Mietrechts, die in diesem Jahr in die Kommissionen und die parlamentarische Behandlung gehen wird.

Es ist unverständlich, warum der Bundesrat den Kompromiss zwischen Mieter- und Vermietervertretern zu Ungunsten der Anbieter verändert hat. Solche Eingriffe sind ein Wortbruch, verunsichern die Marktteilnehmer, gefährden das Marktgleichgewicht und damit nicht zuletzt unseren Mieterfrieden.