1. Home
  2. Unternehmen
  3. Fall für die Richter? «Coop hat Nachlässigkeit bewiesen»

Fall für die Richter? «Coop hat Nachlässigkeit bewiesen»

Pferdefleisch oder nicht? Ein Schweizer Kantonschemiker regt Klage an. (Bild: Keystone)

Ruf nach einer Strafklage in der Pferdefleisch-Affäre: Ein Kantonschemiker findet, seine Kollegen müssten aktiv werden, und kritisiert Coop. Der Detailhändler will derweil bei Fertigprodukten komplett

Veröffentlicht am 18.02.2013

Die Affäre um nicht-deklariertes Pferdefleisch in Nahrungsmitteln könnte wegen möglicher Nachlässigkeit seitens der Detailhändler in der Schweiz vor die Justiz kommen.

Der Waadtländer Kantonschemiker Bernard Klein hatte es bereits letzten Donnerstag als «ausserordentlich frappierend» bezeichnet, «dass ein Betrug dieses Ausmasses nicht früher aufgeflogen ist». Eine Strafklage sei in der Affäre nötig. «Coop hat Nachlässigkeit bewiesen, indem sie die nötigen Kontrollen nicht durchführte», sagte Klein im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.

Bei Coop ist man erstaunt über diese Aussagen. Pressesprecher Urs Meier sagte gegenüber «Handelszeitung Online»: «Ich höre vom Vorwurf der Nachlässigkeit das erste Mal. Wir haben sowohl beim Comigel-Produkt wie bei den Hilcona-Produkten äusserst schnell reagiert.» Bei Hilcona habe man sogar übers Wochenende die nötigen Massnahmen ergriffen. Zudem sei man daran, bei den bemängelten Fertigprodukten komplett auf Schweizer Fleisch umzusteigen, so Meier weiter.

Ein allfälliger Gang vor die Justiz wäre Sache der Kantonschemiker jener Kantone, wo die betroffenen Firmen ihren Sitz haben. Dies erläuterten heute der Präsident des Verbandes der Kantonschemiker, Otmar Deflorin, sowie ein Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

In Deutschland zogen die Verbraucherminister von Bund und Ländern in Berlin an einer Sonderkonferenz erste Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal. Sie einigten sich darauf, Strafen und Bussen für Täuschungen bei Lebensmitteln zu überprüfen.

Fleischgrosshandel in den Niederlanden geschlossen

Die niederländischen Behörden legten derweil einen Fleischgrosshandel still. Es bestehe der Verdacht, dass in dem Betrieb im südniederländischen Oss Pferde- mit Rindfleisch vermischt und als reines Rindfleisch verkauft wurde, teilte die Kontrollbehörde für Nahrungsmittelsicherheit mit.

Kontrolleure hatten am vergangenen Freitag das Unternehmen durchsucht, Proben entnommen und die Buchhaltung beschlagnahmt. Ob das Unternehmen in den aktuellen Pferdefleischskandal verwickelt ist, konnte die Behörde nicht sagen. Der Verdacht bestehe schon länger. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Grosshändler verarbeitet nach eigenen Angaben Fleisch aus verschiedenen europäischen Ländern und beliefert Händler, Lebensmittelunternehmen und Supermärkte.

60 Tonnen Pferdefleisch in den Kühlhallen

Die Kontrollbehörde blockierte zudem Fleischvorräte in einem Lagerunternehmen in Breda. Dabei soll es um Pferdefleisch aus Rumänien gehen. Der in Zypern ansässige Betrieb Draap Trading soll in den Kühlhallen 60 Tonnen Pferdefleisch gelagert haben.

Der Eigentümer von Draap - rückwärts gelesen das niederländische Wort für Pferd - war bereits im vergangenen Jahr zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt worden, da er Pferdefleisch illegal als Rindfleisch verkauft hatte.

(chb/tno/sda)

Anzeige