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Korruption
Fall Petroecuador: Neue Spuren in die Schweiz

Schon über 113 Millionen abgezweigter Gelder hat Ecuadors Justiz im Fall «Petroecuador» ermittelt. Das Land nimmt nun noch mehr Schweizer Banken ins Visier und verlangt weitere Amtshilfe.

Von Christian Bütikofer
am 27.02.2017

Seit Januar erfährt die Öffentlichkeit in Ecuador im Wochentakt Neues zum grössten Korruptionsfall, den das Land in neuerer Zeit gesehen hat. Die Generalstaatsanwaltschaft informiert seit Kurzem ungewohnt offensiv auf ihrer Webseite zum «Caso Petroecuador». Denn sie ermittelt gegen Ex-CEOs der grössten Firma des Landes, dem staatlichen Erdölkonzern Petroecuador, wegen Verdachts auf diverse Korruptionsdelikte. Buchprüfer vermissen beim Megakonzern inzwischen nicht weniger als 113 Millionen US-Dollar in den Kassen. Die Spuren der Gelder führen meist ins Ausland, immer wieder taucht der Schweizer Finanzplatz auf.

Nun haben die Südamerikaner in Bern mit zwei neuen Rechtshilfegesuchen nachgedoppelt, das letzte erreichte die Schweizer Justiz im Dezember 2016, bestätigte die Bundesanwaltschaft (BA) handelszeitung.ch. Erstmals gabs im September letzten Jahres in Bern Post von der Generalstaatsanwaltschaft aus Quito. Alle drei Begehren sind bei der BA in der Abklärung, ob die Schweiz Rechtshilfe leistet, ist noch nicht entschieden.

Weitere Schweizer Bank involviert

Im Zentrum der Ermittlungen stehen Geldflüsse über Briefkastenfirmen der ehemaligen Chefs von Petroecuador, Álex Fabricio Bravo Pancheco und Carlos Eugenio Pareja Yannuzzelli. Letzterer war nach seinem Abgang bei Petroecuardor zum Minister für Fossile Brennstoffe (Ministro de Hidrocarburos) aufgestiegen, bis er dann im Laufe der Ermittlungen entlassen wurde und sich ins Ausland absetzte.

In die Korruptionsaffäre sind mehr Schweizer Banken involviert, als bisher bekannt gewesen war. Neben Geldflüssen über die UBS, die Union Bancaire Privée und EFG International spielen auch mehrere Konten bei der Privatbank Syz eine Rolle. Das zeigen Dokumente, die handelszeitung.ch vorliegen (siehe Bildergalerie). Bei der Banque Syz wurden Konten für die Offshore-Firmen Arkdale Investments, Johanna Investments und Joscar Internactional unterhalten. Bei allen dreien handelt es sich um Briefkastenfirmen aus Panama oder den Bahamas. Johanna Investments erhielt Gelder der Briefkastenfirma Girbra, hinter der sich Álex Bravo verbarg. Auf eine Anfrage von handelszeitung.ch reagierte die Bank Syz bis zur Veröffentlichung nicht.

40 Personen angeklagt

Der Korruptionsfall hat inzwischen massive Dimensionen angenommen: Die ecuadorianische Justiz teilte vor einer Woche mit, sie führe derzeit 24 Verfahren. Eines davon wurde bereits mit saftigen erstinstanzlichen Urteilen abgeschlossen, in sieben weiteren Fällen wurden Strafverfahren eröffnet und 14 befinden sich noch in der Voruntersuchung. Insgesamt laufen gegen 109 Personen Ermittlungen, mindestens 21 Hausdurchsuchungen fanden statt. 40 Personen wurden von den Staatsanwälten bereits angeklagt und deren neun befinden sich in Untersuchungshaft.

Den Tätern werden diverse Delikte vorgeworfen: Geldwäscherei, Bildung einer kriminellen Organisation, Unterschlagung, unrechtmässige Bereicherung und Bestechung. Am 15. Februar wurden Álex Bravo und Carlos Pareja Yannuzzelli zusammen mit weiteren Personen in einem ersten Verfahren wegen Unterschlagung erstinstanzlich verurteilt. Die Richter sprachen Haftstrafen von bis zu 5 Jahren aus und verknurrten die Verurteilten zur Rückzahlung von 25 Millionen Dollar.

Start mit den Panama Papers

Die Affäre ausgelöst hatten die Veröffentlichungen der Panama Papers - dort tauchten die Namen der Firmen Girbra SA und Arkdale Investments Limited auf und brachten die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan. Neben der Schweiz wurden von Ecuador auch Rechtshilfeersuchen an Panama, China, Grossbritannien, die Vereinigten Staaten und Bahamas gestellt.

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