Bei K+D wurde soeben das 125. Jahr des Bestehens gefeiert. 1934 hat zudem Werner Kuhn sen. das Unternehmen übernommen. Somit konnte ein Doppeljubiläum gefeiert werden.

Während die Karton- und Papierverarbeitungsindustrie in den letzten zehn Jahren deutlich absackte und einen Verlust von 20% der Arbeitsplätze hinnehmen musste, lässt sich bei K+D ein gegenläufiger Trend erkennen. 1996 generierte das St. Galler Unternehmen einen Umsatz von 9 Mio Fr. und beschäftigte 36 Mitarbeitende. Derzeit sind es gegen 100 Frauen und Männer, die hier ein sicheres Einkommen haben, und der Umsatz erreicht knapp die 30-Millionen-Hürde.

Auf zu neuen Ufern

Darauf angesprochen, wie das gelungen ist, muss sich Stefan Kuhn - er leitet das Unternehmen heute - keine Sekunde besinnen: «Wir waren ursprünglich von der Textilindustrie abhängig und haben, weil diese Branche bekanntlich sehr zyklisch ist, neue Geschäftsfelder ausgelotet.» Und hier liegt der entscheidende Erfolgsfaktor.

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Nicht im nahen Umfeld, sondern in einem total fremden Garten suchte man neue Weiden. «Über einen dauerhaften und kontinuierlichen Aufbau von Pharmakompetenz ist es gelungen, uns als Nummer zwei in dieser Industrie zu etablieren.» Dies, obwohl die Region St. Gallen eigentlich keine Voraussetzungen hat für ein Pharma-Cluster. So werden in Basel jene Bereiche bezeichnet, die - quasi - ein Nest als Zulieferer für diese Industrie bilden. Das gilt auch für die Romandie, wo die St. Galler zunehmend Fuss fassen.

Die Zahl der gefälschten oder nach ihrem Verfalldatum verkauften und einfach umgepackten Medikamente steigt in einem kaum vorstellbaren Ausmass. Schätzungen des Schweizerischen Heilmittelinstitutes Swissmedic zufolge ist dies bei jedem zweiten der mittlerweile rund 45000 über Internet bestellten Medikamenten der Fall. Kurz: Jede zehnte Arznei ist gefälscht. «Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation entgehen der Pharmabranche weltweit 40 Mrd Dollar wegen Fälschungen», sagt Stefan Kuhn.

Bei K+D wurde Gegensteuer gegeben, und der Erfolg liess nicht auf sich warten. Es brauchte nicht den vergifteten Hustensirup in Bangladesch, an dem 400 Menschen starben, die Antibaby-Tablette oder Viagra-Pillen, die nur Placebos sind, nicht zu reden von den Verfalldaten von Arzneien, die nicht mehr wirken für HIV-Patienten. «Auch die Gefahr von Generika, welche als teure Originale angeboten werden, wird immer grösser», stellt Kuhn fest.

Hohe Investitionen

K+D hat sich darauf spezialisiert, fälschungssichere Faltschachteln herzustellen. Mit Erfolg. Ein Medikament, dessen Verfalldatum abgelaufen ist oder bei dem gar nicht drin ist, was drauf steht, gibt es nicht: Wer Verpackungen aus diesem Haus bezieht, kann sicher sein, nicht getäuscht zu werden. K+D verwendet eine «abgespeckte» Version von Software Tools, wie sie in der - ebenfalls fälschungssicheren - Banknotenherstellung verwendet werden. Mittlerweile werden individualisierte Faltschachteln mit neuen Matrix-Codes angeboten.

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K+D hat in den vergange- nen fünf Jahren rund 30 Mio Fr. investiert. Zum einen in die fast vollständige Erneuerung der Technik, zum anderen durch eine kluge Arrondierungs-Strategie. 2004 wurde Suter Liebfeld und 2007 Huber Printpack übernommen. «Das eine wäre ohne das andere nicht möglich geworden. Der Neubau hat erst die Möglichkeiten geschaffen, die Produktivität zu steigern und die Produktion der übernommenen Firmen in St.Gallen zu konzentrieren. Ohne die neuen Kunden und Aufträ- ge, die wir durch diese Zukäufe gewinnen konnten, wäre die Auslastung der neuen Kapazitäten schwieriger geworden», räumt Kuhn freimütig ein.Der Weg von der «textilen» Abhängigkeit zur Fokussierung der Verpackung auf die Pharma- und Kosmetikindustrie war lang, aber erfolgreich. Er umfasste drei Generationen. Stefan Kuhns Grossvater musste sich noch mit der Krise der 30er-Jahre und dem Textilsterben herumschlagen, sein Vater machte den kühnen Schritt in die Faltschachtel-Herstellung und unter seinem Sohn wurde die Spezialisierung in Richtung Pharmawelt so vorangetrieben, dass das Unternehmen die Nummer zwei wurde. «Im Kern ging es immer um Change Management und darum, dass sich unser Unternehmen ständig einem sich rasch wandelnden konkurrenzierenden Umfeld anpasste», sagt Kuhn, auf des Rezept des Erfolges angesprochen.

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