Die aktuelle Finanzmarktkrise hat das Vertrauen der Anleger stark erschüttert. Viele komplexe Anlageprodukte, welche sich vermeintlich jedem Marktumfeld flexibel anpassen können, verfehlten ihre Zielsetzungen deutlich. Investoren werden sich deshalb in Zukunft wieder vermehrt auf transparente, leicht verständliche Anlageklassen fokussieren. Dazu gehören heute insbesondere Anlagen am Geldmarkt sowie Staatsanleihen. Aufgrund des tiefen Zinsniveaus eignen sich diese jedoch nur begrenzt für den langfristigen Vermögensaufbau, wodurch Aktienfonds wieder an Bedeutung gewinnen werden. Bei der Aktienauswahl sind dabei Kriterien wie solide Unternehmen mit einer guten Dividendenrendite und einer günstigen Bewertung zentral.

Eine realistische Bewertung kann mit der Analyse des Kurs-/Gewinn-Verhältnisses (KGV) ermittelt werden: Durchschnittlich fallen in Rezessionsphasen die Unternehmensgewinne um rund 30%, was einem historischen «Worst-case»-Szenario entspricht. Nimmt man den Gewinn pro Aktie eines Unternehmens für 2007 und bereinigt ihn um 30%, wird eine realistischere KGV-Bewertung der Aktie möglich. Gerade im Segment der eigentümerorientierten Aktien gibt es heute eine hohe Anzahl von attraktiv bewerteten Unternehmen.

Mehrwert

Bei familien- und eigentümergeführten Schweizer Unternehmen hat eine starke Aktionärsgruppe ein persönliches Interesse an deren langfristiger Wertsteigerung. Die starke Führungsrolle durch eine Aktionärsgruppe ist mit einem Stimmrecht von mindestens 20% verbunden. Empirisch wurde nachgewiesen, dass eigentümergeführte Unternehmen eine dynamischere Gewinnentwicklung aufweisen als der Gesamtmarkt. Das beweist auch die Anlagestrategie des Aktienfonds BB Entrepreneur, der sich auf dieses Segment konzentriert. Um eine genügende Liquidität zu gewährleisten, liegt die minimale Marktkapitalisierung für eine Investition bei 50 Mio Fr. Die Anlagestrategie beruht in der Regel auf dem Value-Ansatz.

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Die Gewinne eigentümergeführter Firmen sind in den letzten zwölf Jahren in der Schweiz im Durchschnitt um 16% pro Jahr gestiegen. Zum Vergleich weist der SPI in derselben Periode ein jährliches Gewinnwachstum von lediglich 7,9% auf. Ein wichtiger Grund für diese Outperformance ist die längerfristige Strategieausrichtung, z.B. mit einem Fokus auf die Steigerung der Profitabilität oder Ausweitung des Marktanteils. Diese stärkere Gewinnentwicklung schlägt sich entsprechend positiv auf die Wertentwicklung der Aktien nieder: Seit seiner Lancierung im Dezember 2004 konnte der Banque Pasche Entrepreneurial Index den SPI um rund 12% übertreffen (siehe Grafik). Dies, obwohl die Aktien eigentümerorientierter Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der zumeist tieferen Marktliquidität stärker korrigierten als der Gesamtindex.

Im aktuell herausfordernden Marktumfeld sprechen auch fundamentale Kriterien für Investitionen in eigentümerorientierte Unternehmen. Viele der Familienunternehmen weisen eine geringe Verschuldung auf, generieren langfristig konstante, überdurchschnittliche Cashflows, verfügen über eine starke Wettbewerbsposition und ein gutes Management.

Die Richtigen auswählen

Das Anlageuniversum von eigentümergeführten Unternehmen besteht in der Schweiz aus rund 70 Unternehmen und reicht von Large Caps bis zu kleineren Unternehmen. Ein gutes Beispiel für ein überproportional gefallenes, eigentümergeführtes Unternehmen sind die Titel von Bucher: Der Aktienkurs des Weltmarktführers für Landwirtschaftsmaschinen ist letztes Jahr um 60% gefallen. Das Unternehmen weist eine geringe Nettoverschuldung aus, der Agrarsektor zählt zu den aktuellen Megatrends und das bereinigte KGV für 2009 liegt unter dem 10-Jahres-durchschnitt von 10,4.

Ebenfalls interessant sind die Aktien von Richemont, die zu mehr als 50% der Familie Rupert gehören. Das Unternehmen hat den Spin-off der Tabakdivision im Oktober konsequent vollzogen und ist damit ausschliesslich im Luxusgütersegment Uhren und Schmuck positioniert. Es überzeugt mit einer klaren strategischen Ausrichtung und einer attraktiven Bewertung. Mit der soliden Bilanzstruktur ist die Aktie für konjunkturell schwierige Zeiten gerüstet. Aktuell sind die Gewinnschätzungen der Analysten noch zu hoch. Dennoch ist die Bewertung der Aktie auch auf der Basis bereinigter Gewinnschätzungen mit einem Kurs-Buch-Verhältnis von 1,3 nahe bei den historischen Tiefs.

Ebenfalls attraktiv in diesem Segment sind die Aktien von Vetropack und Sulzer. Der Schweizer Aktienmarkt bietet heute dem mittelfristig orientierten Investor wieder interessante Anlagemöglichkeiten, die man in den vergangenen Jahren des Booms vergeblich gesucht hat.