Was draussen geht, funktioniert auch drinnen: Farbe an den Wänden verwandelt ein Haus komplett und zeugt von neuer Kraft. Ob man dabei direkt mit Farbe auf die Fläche geht oder mit Tapeten oder Stoffbespannungen arbeitet, hängt ganz vom Raum und Einrichtungskonzept ab. Dass dabei mehr und mehr fachlicher Rat und Unterstützung nachgefragt wird, ist ein gutes Zeichen: Man kann nämlich gewinnen und verlieren, wenn man sich an neue Wände wagt. Es gibt zwei Grundsätze, die es zu beachten gilt. Erstens: Wer nicht weiss, wie Farben auf den Raum und den Menschen wirken, sollte sich nicht daran wagen. Zweitens: Wer sich bezüglich Farbzusammensetzungen, Materialien, Oberflächen und Handwerk nicht auskennt, sollte die Finger davon lassen. Das klingt zwar etwas hart, aber befolgt man den Rat, ist das Ergebnis ästhetisch überzeugend und hieb- und stichfest.

Farbe ist ein Bekenntnis

Farbe bewegt die Welt des Interior Designs und wird in innovativen Texturen, in verschiedensten Materialwelten und Stofflichkeiten umgesetzt. In einer Zeit, die zunehmend von Unsicherheiten geprägt ist, sind nicht nur feste Anker und Werte aus der Vergangenheit, sondern auch Alternativen gefragt. Alternativen, die sich gerade aus Kombinationen von Handwerk und neuer Technik, von Tradition und Hightech, von Bewährtem und Futuristischem innovativ herausbilden können. Ein Beispiel: Farbe gestaltet nicht nur den Raum, sondern kann auch als Katalysator wirken und für bessere Raumluft sorgen. So wird Ästhetik mit Hightech und neuem Nutzen verbunden: Seit wenigen Jahren gibt es auf Titandioxidpigmenten basierende Innenfarben, die laut Aussage der Hersteller unangenehme Gerüche und Luftschadstoffe in der Raumluft abbauen. Bei Bestrahlung mit Licht wird der Photokatalysator in der Farbe aktiv und baut organische Verbindungen zu Wasser und Kohlendioxid ab. Auch spezielle Beschichtungsstoffe haben das Potenzial zur Umwandlung von Schadstoffen in unbedenkliche Gase. Es hat sich viel getan im Bereich der Farben und Farbzusammensetzungen. Moderne Wohnraumfarben überzeugen heute mit einer Fülle von praktischen und ökologischen Vorteilen. So bieten wässrige Mattfarben Gleiches oder mehr, was früher nur lösungsmittelhaltige schafften: Sie sind von edler Mattheit und gleichzeitig umweltgerecht. Insofern wird Farbe im Innenraum in doppeltem Sinn zu einem Bekenntnis: Ästhetisch und ökologisch. Heute wird auf Produkte Wert gelegt, die nachweislich geringe Emissionen aufweisen, das heisst, ohne Lösungsmittel und Konservierungsstoffe oder Weichmacher auskommen. Farben, auch und vor allem die intensiven, sollen natur- und umweltgerecht sein und für ein gesundes Wohnklima sorgen. Erfolg hat, wer auf ein Ökolabel verweisen kann. Bestätigt wurde dieser Trend auch an der weltgrössten Konsumgütermesse «Ambiente» in Frankfurt: «In den vier Wänden setzt sich die Besinnung auf echte Werte und Nachhaltigkeit deutlich fort. Eine sichtbar hohe Qualität in Material und Herstellung gewinnt bei der Kaufentscheidung genauso an Bedeutung wie ökologische und soziale Verantwortung», heisst es im Schlussbericht.

Untergrund und Oberfläche

Kann man auf Weissputz oder alte Dispersionsfarben jede Farbe einsetzen? Und wie bereitet man den Untergrund vor? Die richtige Vorbehandlung entscheidet über die Qualität des Farbauftrags. Nicht nur, was die Farbgestaltung betrifft, auch in technischer Hinsicht sei deshalb der Rat des Fachmannes empfohlen: Pigmentfarben, Lasur und Spachteltechniken erfordern Wissen und Können.

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Je nach Wohnbereich eröffnet sich ein breites Spektrum von Möglichkeiten, wie sich Wände gestalten lassen. Ob dann der marokkanische Edelputz Tadelakt oder ein eleganter Stucco Veneziano zum Einsatz kommt, eine Stofftapete die Nische zur Geltung bringt oder Schlagmetall für glänzende Effekte sorgt, ist Teil des innenarchitektonischen Konzeptes - das Handwerk selbst gehört in geschulte, kompetente Hände. Dekorative, fugenlose, glatte, lederähnliche oder reliefartige Beschichtungsmittel lassen der Wand eine haptische Dimension zukommen, machen sie neu erlebbar. Ebenso Tapeten, die sich trendweisend mit Hammerschlageffekten, Flechtmustern, Glanz-Matt-Effekten oder dekorativen Handsiebdrucken präsentieren. Alles ist dabei stets mit dem Thema «Farbe» verbunden. Welche Farbe das ist, hängt einerseits vom persönlichen Geschmack ab, andrerseits von der Wirkung, die sie im Rahmen der Raumgestaltung erzielen soll. Wer sich nicht spontan entscheiden kann, nehme es wie Walter Gropius (1883-1969), der philosophisch meinte: «Bunt ist meine Lieblingsfarbe.»