Alles über ein Netz, neue Anwendungen und Dienste, mehr Komfort: Um diese Versprechen an den Kunden unter dem gegebenen Kostendruck einhalten zu können, müssen Netzanbieter immer höheren Anforderungen an die Bandbreite ihrer Anschlüsse gerecht werden und ihr Geschäftsmodell anpassen. Bandbreitenintensive Inhalte und Peer-to-Peer-Anwendungen stellen heute den Löwenanteil des Verkehrs der meisten Breitbandnetze dar. Der Wettlauf zwischen den Anforderungen der Anwendungen und den technischen Möglichkeiten erinnert stark an die Entwicklung der PC-Industrie, wo jeder Fortschritt bei den Prozessorgeschwindigkeiten und Speichergrössen sehr schnell durch neuartige Anwendungen absorbiert wurde.

Historische Entwicklungen und Zukunftsprognosen sagen ein langfristiges exponentielles Wachstum der Bandbreitenanforderungen voraus. Getrieben wird der Bandbreitenhunger beispielsweise von der rasant steigenden Beliebtheit von Internet-TV in Full-High-Definition-Qualität und Video-on-Demand-Diensten im Segment der Privatanwender oder durch den boomenden Markt bei den VPN-Diensten, Kollaborations- und Präsenzdiensten auf Seiten der Geschäftskunden.

Nicht ob, sondern wann und wie

Die beständig steigenden Datenraten bringen die DSL-Technologien an ihre Grenzen, insbesondere wenn Anwendungen wie Kollaborationstools und Peer-to-Peer File Sharing auch im Upload, also zum Netz hin, konstant hohe Bandbreiten und somit eine symmetrische Bitrate erfordern. Da solche Anforderungen nur auf der Basis von Fiber to the Home (FTTH) erfüllt werden können, ist das Interesse an FTTH in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

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Bisher haben hauptsächlich Stadtnetzbetreiber und Energieversorger FTTH in Europa installiert. Diese Betreiber verfügen in ihren Regionen über Wegerechte und bestehende Infrastruktur in Form von Kabelkanälen, welche die günstige Verlegung von Glasfaserkabeln ermöglicht. Mittlerweile beginnt sich der Wettbewerb unter den Netzbetreibern zu verschärfen, kündigen doch auch grosse Netzbetreiber im Rahmen ihrer sogenannten Next-Generation-Networks-Strategien die Migration auf FTTH an.

Gewaltige Investitionen nötig

Auch in der Schweiz hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass es keine Frage ist, ob FTTH kommen wird, sondern wann, wie schnell und mit welchen Architekturansätzen.

Allerdings stellt der baldige Ersatz der kupferbasierten Zugangsnetzinfrastruktur durch Glasfasern eine gewaltige Investition dar. Wie in vergleichbaren Ländern wurde in der Schweiz das Kupfernetz vom staatseigenen Telekommunikationskonzern über Jahrzehnte mit fixen Gebühren aufgebaut. Diese Finanzierungsmöglichkeiten stehen für den Aufbau einer Glasfaserinfrastruktur nicht zur Verfügung. Die Abschreibungsdauern für passive Infrastruktur wie Kabelkanäle und Kabel liegen im Bereich von 20 bis 30 Jahren und unterscheiden sich damit stark von denen aktiver Komponenten mit drei bis fünf Jahren. Dies macht es gerade für vertikal organisierte Netzbetreiber mit eher kurzfristigen Renditezielen schwieriger, in solche Infrastrukturen zu investieren.

Während Aggregierungs- und Backbone-Netze verhältnismässig einfach ausgebaut werden können, sind Investitionen in die Zugangsinfrastruktur, die letzte Meile, statisch und langfristig. Service Provider stehen daher vor einer grundsätzlichen Investitionsentscheidung zwischen Passiven Optischen Netzen (PON) und ethernetbasierten Architekturen (E-FTTH). Während in den Vereinigten Staaten und Japan FTTH-Installationen hauptsächlich PON nutzen, basieren europäische Installationen hauptsächlich auf Punkt-zu-Punkt- und Ringtopologien mit Ethernet-Übertragungstechnik. Die Anfangsinvestitionen in ein E-FTTH-Netz liegen zwar etwas höher als bei PON, dafür besticht dessen Architektur durch Zukunftssicherheit und langfristige Kostenvorteile dank höherer Flexibilität, Skalierbarkeit und tieferer Betriebskosten.

Volkswirtschaftliche Impulse

Im Anfang April vom Weltwirtschaftsforum WEF veröffentlichten Global Information Technology Report 2008–09, einem international tonangebenden Bewer-tungsinstrument der Auswirkungen von ICT auf den Entwicklungsprozess und die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern, lag die Schweiz an dritter Stelle. Um diese Spitzenposition im internationalen Wettbewerb nachhaltig behaupten zu können, sind u.a. weitere Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur unabdingbar.

Der durch FTTH belebte Infrastrukturwettbewerb der Netzanbieter kann wertvolle volkswirtschaftliche Impulse verleihen, indem er eine zukunftsorientierte Breitbandversorgung von Bevölkerung und Wirtschaft sicherstellen hilft. Gerade für Unternehmen jeglicher Grösse bildet deren Leistungs- und Innovationspotenzial, Dienstqualität, Verfügbarkeit und Flexibilität hinsichtlich möglicher Applikationen eine wesentliche Grundlage für die Anpassung ihrer Geschäftsmodelle und -prozesse.

Nicht zuletzt kann FTTH auch eine wichtige Rolle für die nachhaltige Entwicklung von Volkswirtschaften spielen. Dadurch geförderte Dienste wie standortunabhängige Kollaboration oder Videokonferenzen können dazu beitragen, die Umwelt zu entlasten, beispielsweise durch die Reduktion von Strassen- und Flugverkehr.