Seit 1992 betätigt er sich als freier Mitarbeiter des Leuchtenherstellers Regent und hat im Juni den viel beachteten neuen Showroom dieses Unternehmens in Basel gestaltet sowie gemeinsam mit der Gruppe «Werk 3» das ehemalige Hotel «City» in Basel zusammen mit Möbel- und Einrichtungsgeschäften umgebaut. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen und Stipendien, war mehrmals in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten und arbeitet für private, gewerbliche und öffentliche Auftraggeber.

Sie arbeiten als Designer mit Produzenten von Leuchten und Lichtplanern zusammen: Kreiert der Lichtdesigner eigentlich Licht oder Leuchten?

Felice Dittli:Beides, denn neue Leuchten-Formen verlangen mehr und mehr nach neuen technischen Lösungen oder anders herum: Neue Technik fordert ­ manchmal ­ auch neue Formen. Mich interessiert übrigens der Schatten so sehr wie das Licht, es ist die Wechselwirkung, die Stimmung schafft; nur ganzheitliches Denken, der Einbezug von «innen» und «aussen» führt zu guten Produkten, auch im Sinne eines guten Beleuchtungskonzeptes.

Kann man sich als Lichtdesigner überhaupt profilieren? Gibt es berühmte Leuchten-Designer?

Dittli:Es profilieren sich immer mehr Lichtdesigner, jetzt wo auch in Europa das Produkt «Licht» immer mehr ernst genommen wird, sowohl vom Architekten als auch vom Benutzer. Leuchten-Designer, welche berühmt geworden sind, gibt es wenige, aber das ist ja nicht ein primärer Antrieb, etwas zu gestalten. Aber zum Beispiel Ingo Maurer hat mit seiner Kollektion schon Massstäbe gesetzt, sowohl produktespezifisch als auch in sehr poetischen Projekten. Richard Sapper ist ebenfalls mit seiner «Tizio» berühmt geworden. Und nicht zu vergessen die Schweizer Rico und Rosmarie Baltensweiler: Ihre Bogen-Stehleuchte ist ein moderner Klassiker und hat seit vielen Jahren ihren Platz in vielen Häusern und Wohnungen. Und die Kompakt-Leuchtstoff-Entwürfe dienen auch heute noch, mehr als zehn Jahre nach ihrer Markteinführung, manchem Hersteller als Vorbild. Ich erwähne nur Ernesto Gismondi mit seiner wegweisenden Artemide-Produktion.

Welches ist Ihr Lieblingslicht?

Dittli:Tageslicht, die Sonne gibt definitiv das perfekteste Licht, denken Sie an die vielfältigen Lichtstimmungen. Allerdings suche ich nachts nach einer anderen Stimmung, 24 Stunden Sonne jeden Tag wäre ja Folter! Mich fasziniert die Neonarchitektur, zum Beispiel in den Strassen von Las Vegas. Ich plädiere auch für Lichtinseln im Raum, wo man sich von einem Punkt zum andern bewegt, ein sehr dynamisches Wohnen.

Was beeinflusst Ihre Arbeit?

Dittli:Alles, mein ganzes Umfeld, Erlebnisse, Erinnerungen, Wünsche usw. Aber auch Gestalter von heute: Der Einfallsreichtum und das Marketing eines Philippe Starck, Ingo Maurer und seine Feinheiten, Bastler und Tüftler wie zum Beispiel Afrikaner, die aus Nichts, sprich leeren Blechdosen, die tollsten Spielsachen machen. Philippe Glass und seine Musik, auch er arbeitet mit Licht! Ich bewundere den Maler Arnulf Rainer, den Hardcore-Musiker und Autor Henry Rollins, den Regisseur Robert Wilson, ihrer Konsequenz wegen.

Welchen Stellenwert hat Licht in unseren Wohnungen?

Dittli:Mir scheint, leider einen relativ geringen. Dabei «wohnen» wir ja fast nur abends, und da braucht man Licht. Übrigens ist Licht auch eines der günstigsten Mittel, Räume zu verändern. Mit wenig Geld zaubert man eine völlig neue Stimmung.

Die meisten von uns sind Mieter, und bei jedem Umzug stellt sich erneut das Problem der Installationen, es fehlt an Anschlüssen. Weshalb?

Dittli: Der Architekt hat zum Teil wenig Mittel zur Verfügung für die Elektroplanung, oder er ist nicht im nötigen Masse detailinteressiert. Dies ist auch der Grund für die wenigen Elektroanschlüsse im Raum, die auch nie da sind, wo man sie bräuchte. Wenn man selbst baut, kann man dies bei der Planung beeinflussen. Das ewige Kabelsalat-Problem lässt sich zum Teil auch bei den Leuchten angehen, indem die Stromzufuhr bereits Bestandteil der Leuchte sein kann. Ausserdem gäbe es die Möglichkeit eines erweiterten Stromnetzes wie zum Beispiel elektrifizierte Sockelleisten.

Gibt es neue Lichttrends?

Dittli:Dramaturgie. Im Moment wird das grosse Lichttheater inszeniert, natürlich auch mit Extremen wie Halogenspots an Orten, wo sie nichts bringen. Leider nicht immer zum Vorteil für den Menschen und den Raum. Oder Stromsparleuchten dort, wo nicht regelmässig während mehreren Stunden Licht brennen soll und diese so ihre zweifellos vorhandene Qualität gar nicht entwickeln können.

Ist farbiges Licht ein Thema?

Dittli:Fluoreszenz-Röhren zum Beispiel gibt es in vier verschiedenen Weisstönen oder in den Farben Rot, Blau, Grün, Gelb. Den wärmsten Effekt, ein fast gelbes Licht, gibt die herkömmliche, preisgünstige Glühlampe. Sie wird zusehends beliebter, weil sie in den Trend des «Cocooning» passt, dem Einspinnen in seinen vier Wänden. Mit bunten Neonstäben, mit denen man beispielsweise Regale hinterleuchtet, kann man die tollsten Effekte und Lichtspiele an der Wand erreichen. Streiflicht verwandelt zum Beispiel nicht perfekte, rissige Wände in Objekte voller Poesie. Zukünftige Trends könnten Lichtleitfolien werden: Ungefähr ein Meter Lichtleitfolie leuchtet bis zu einer Länge von 20 m gleichmässig, mit nur drei Spots ­ ich kann damit Fassaden oder ganze Zimmerwände gleichmässig voll leuchten lassen.

Glas- oder Kunstfaser-Lichtleiter sind faseroptische Kabel mit einem Leuchtkörper, ähnlich einem Glühwürmchen. Sie können als Bündel oder einzeln an verschiedenen Orten leuchten, mit einem leicht zugänglichen, zentralen Anschluss. Das Kabel kann auf seiner ganzen Länge leuchten oder nur mit einem Punkt an seinem Ende. Ideal und bereits in Gebrauch für Vitrinen, Nasszellenbereich, auch in Hotels. Bereits jetzt ganz interessant sind Leds (Licht mit Farben mischen und kombinieren), und sie werden noch viel wichtiger werden,bzw. sie werden unser Leben in Zukunft noch stärker beeinflussen.

Geben Sie uns bitte ein paar Tipps: Worauf soll man denn nun achten punkto Licht?

Dittli:nHinterfragen Sie Konventionen auf ihre Gültigkeit in Ihrem persönlichen Umfeld!

nVersuchen Sie, eine bewusste Sensibilität zum Licht zu entwickeln.

nDann spüren Sie, wie Licht alles verändert und beeinflusst. Unterführungen zum Beispiel wären gut ausgeleuchtet, sehr viel humaner und anregender.

nGlasfaserkabel kann man wie Edelsteine in Strassenpflaster einlassen, die Wirkung ist frappant, der Aufwand und Unterhalt gering und äusserst einfach.

nMit Licht spielen, beispielsweise mit versteckten Lampen, wie Spots hinter dem Sofa, hinter dem Pflanzentopf, hinter einem freistehenden Schrank. Mit dem Licht «wandern», mit einfachen Stablampen neue Licht-Situationen ausprobieren.

nMit Wandleuchten Akzente setzen, zum Beispiel im Treppenhaus.

nMan sollte vermehrt mit Stehleuchten leben. Sie geben schönes und mit dem Dimmer verstellbares Licht. Stehleuchten öfter, je nach Lust, Stimmung und Jahreszeit umplatzieren.

nLichtinseln schaffen, Orte, wo man sich ungestört zurückziehen kann.Theatralik zuhause!

nDie Terrasse, so man eine hat, mit einbeziehen, und die Wohnung wird sofort grösser und attraktiver. Licht überhaupt vermehrt auch aussen einsetzen.

nLeselicht da, wo man sich konzentrieren muss und will und die Umgebung ausschaltet.

nDen Standort seiner Lichtquellen öfter wechseln.

nBesser auf den Lichtkegel, das heisst die Licht-Zeichnung achten, nicht einfach total ausleuchten.

nUm Wände ins rechte Licht zu setzen, muss man mit der leider sträflich vernachlässigten Vertikalbeleuchtung arbeiten. So werden Wände richtig ausgeleuchtet. Steiflicht macht interessant und zeigt Strukturen und Profil.

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