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Stellenabbau
Fast 40 Entlassungen bei Rüstungskonzern Ruag

Ruag entlässt in Thun, Bern und Zürich insgesamt 39 Mitarbeitende. Der bundeseigene Industrie- und Rüstungskonzern hatte im ersten Halbjahr einen massiven Gewinnrückgang verzeichnet.

Der Industrie- und Rüstungskonzern Ruag entlässt an den Standorten in Thun, Bern und Zürich insgesamt 39 Mitarbeitende. Damit wird nun klar, was man beim bundeseigenen Konzern unter «Produktivitätssteigerung» und «Kostenoptimierung» versteht - Begriffe, die Konzernchef Urs Breitmeier und Sprecher Clemens Gähwiler bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende August gebrauchten.

Denn im ersten Halbjahr verzeichnete Ruag zwar eine Umsatzsteigerung, aber der operative Gewinn (EBIT -18,6 Prozent) und der Reingewinn (-21,5 Prozent) gingen massiv zurück. «Obwohl die generelle Auftragslage der Ruag auf einem guten Niveau und stabil ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in einzelnen Bereichen zu Stellenreduktionen kommen kann», erklärte Gähwiler damals. Heute räumte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda ein, dass er mit dieser Aussage die Entlassungen im Kopf hatte, die die «Berner Zeitung» am Mittwoch bekannt machte.

Sozialplan gefordert

Gähwiler bestätigt, dass «im Bereich Cyber Security Schweiz 12 Mitarbeitende von einem Stellenabbau betroffen sind». Hinzu kommen 18 Kündigungen in der Geschäftseinheit Landsystems. Und neun weitere Mitarbeitende mit Supportfunktionen müssen gehen. Die Betroffenen arbeiten vor allem an den Standorten in Thun und Bern, ein bis zwei Personen in Zürich, führt Gähwiler aus.

Gegenüber der «Berner Zeitung» vertritt die Gewerkschaft Unia die Auffassung, dass die Ruag angesichts dieser Anzahl von Entlassungen ein Konsultationsverfahren durchführen müsse. Die Syna fordert Verhandlungen über einen freiwilligen Sozialplan.

«Diverse Einzelmassnahmen»

Ruag ihrerseits sieht dafür keine Notwendigkeit. Denn: «An keinen Standorten oder in einzelnen Business Units kommt es zu Massenentlassungen im Sinne des GAV sowie der gesetzlichen Bestimmungen», so Gähwiler. Dennoch unterstütze Ruag die betroffenen Mitarbeitenden und habe in persönlichen Gesprächen mit unterschiedlichen Massnahmen nach individuellen Lösungen gesucht.

Auch eine öffentliche Information hält Ruag nicht für nötig, «da es sich um diverse Einzelmassnahmen handelt, die verteilt auf einen grösseren Zeitraum beschlossen wurden», sagt Gähwiler. «Der Prozess» habe im Frühling begonnen und sei bis August gelaufen. Und weiter verspricht Gähwiler: «Nach heutigem Stand sind keine weiteren Kündigungen beabsichtigt.»

Übernahme drückt auf Gewinn

Als Gründe für den Gewinneinbruch im ersten Halbjahr führte Ruag Ende August Aufbaukosten für neue Werke in den USA und Ungarn an und Effekte aus Übernahmen. Damit ist vor allem die britische Clearswift gemeint, die Ruag im Dezember 2016 gekauft hatte, um den Bereich Cybersecurity zu stärken.

Anfang 2017 hatte ein neuer Chef die Verantwortung für diese neue Ruag-Geschäftseinheit übernommen, Ende Juni jedoch schon wieder das Handtuch geworfen. Seit Anfang Juli leitet Clearswift-Chef Heath Davis diese Einheit. Auch diesen Personalwechsel in der Chefetage kommunizierte Ruag nicht.

Strategie neu ausgerichtet

Gähwiler begründet die Entlassungen in der Einheit Cybersecurity damit, dass unter Davis die Strategie neu ausgerichtet wird und Doppelspurigkeiten vermieden werden sollen. Das Geschäft der Einheit Landsystems werde durch die erschwerte Exportsituation für Kriegsmaterial und ungewisse Projekte bei der Schweizer Armee belastet.

In der Schweiz arbeiten für die Ruag knapp 4500 Angestellte. Insgesamt zählt der Konzern mehr als 9000 Vollzeitstellen.

(sda/cfr)
 

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