«Viago-go home», «No go! Viagogo» - mit solchen Sprüchen protestieren Fans in der deutschen Fussballbundesliga zurzeit gegen die Ticketbörse Viagogo mit Hauptsitz in Genf. «Wir prüfen, ob wir gerichtlich gegen Viagogo vorgehen», sagte auch Bayer-Leverkusen-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Mittwoch. «Da werden Fans abgezockt, das ist eine Sauerei.»

Der Hintergrund: Privatpersonen können ihr Ticket bei Viagogo anbieten, das Unternehmen kassiert dafür eine Gebühr. Die Befürchtung der Fans: Abzocker sichern sich grosse Stückzahlen von Karten und verkaufen sie über Viagogo zu doppelten und dreifachen Preisen weiter, gerade in ausverkauften Stadien wie auf Schalke, in Dortmund oder München.

Ausserdem hat Viagogo Verträge mit mehreren Bundesliga-Clubs, zahlt diesen einen fixen Betrag und darf dafür bestimmte Karten-Kontingente teurer anbieten. Viele Vereine sind prozentual an den Verkäufen beteiligt. Auch mit etlichen englischen und spanischen Clubs arbeitet die Firma zusammen.

«Wir interessieren uns auch für Partnerschaften in der Schweiz», sagt nun Viagogo-Sprecher Steve Roest im Gespräch mit «Handelszeitung Online». Namen will er nicht nennen, zu möglichen Verhandlungen nichts sagen.

«Schon lange ein Dorn im Auge»

Beim FC Basel kann Mediensprecher Josef Zindel auf Anfrage mit dem Namen Viagogo zunächst nichts anfangen, sagt dann aber: «Wir sind von Online-Anbietern mehrfach angefragt worden, ob wir unsere Karten via sie auf den Markt bringen möchten.» Das habe der Verein stets abgelehnt, «weil wir den Handel mit überteuerten Tickets als unfair betrachten». Nach einem Blick in die Unterlagen liefert der FC Basel die Information nach: Auch Viagogo gehörte zu den Anfragenden.

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«Uns sind solche Anbieter schon lange ein Dorn im Auge», so Zindel. «Wir warnen unsere Kunden regelmässig davor, auf diesen Kanälen Tickets zu kaufen, weil die Preise oft überteuert sind und wir vor allem keine Garantie übernehmen können, dass auf diesem Weg oder auf dem Schwarzmarkt erstandene Eintrittskarten tatsächlich zum erworbenen Sitzplatz führen.» Auftreten würden solche Probleme vor allem bei hochattraktiven Spielen in der Champions League.

Viagogo-Sprecher Roest hält dagegen, dass seine Firma eine Garantie auf verkaufte Ticktes gebe, bei Problemen Ersatzkarten besorge und damit die Lage der Fans verbessere und Schwarzmarkthandel entgegen wirke. «50 Prozent der Tickets bei Viagogo werden zum Originalpreis oder günstiger verkauft», so Roest.

Basel vs. St. Petersburg für 399 Franken

Ein Blick auf die einzige Fussball-Paarung mit Schweizer Beteiligung, für die es bei Viagogo zurzeit Tickets gibt, vermittelt einen anderen Eindruck: Im Europa-League-Spiel FCB gegen Zenit St. Petersburg kosten etwa Karten im C2- oder C5-Block 299 Franken - und sind nicht einmal einzeln erhältlich. Zur Auswahl stehen zwei, vier, sechs, acht oder zehn Tickets. Beim FCB selber zahlt man lediglich 48 Franken, um das Spiel in einem der beiden Blöcke zu verfolgen.

Angesprochen auf diesen massiven Preisunterschied verweist Roest darauf, dass die Verkäufer die Preise selber festlegen könnten und die Käufer entscheiden, ob sie zu diesem Preis kaufen oder nicht. «Fans aus St. Petersburg können zum Beispiel auf unserer Seite in russischer Sprache das Angebot lesen und in Rubel zahlen. Beim FC Basel ist das nicht möglich.»

Insgesamt sind für das Spiel Basel gegen St. Petersburg bei Viagogo Tickets in 24 Kategorien zu finden, in denen je bis zu zehn Stück zu haben sind. Der Maximalpreis für eine Karte: 399 Franken. Das Absurde: Das Match ist lange nicht ausverkauft. Am Mittwoch hatte der FCB gerade einmal etwas mehr als ein Drittel der möglich Tickets abgesetzt.

Verkäufer unbekannt

So stellt sich die Frage: Wer bietet massiv viele Tickets zu einem Vielfachen des Originalpreises an, wenn es beim Verein die Karten viel günstiger gibt? Schweizer Fans, die Russen ohne Deutschkenntnisse entgegen kommen wollen? Oder doch Abzocker, die die Tickets noch gar nicht besitzen, sondern erst einkaufen, wenn sich bei Viagogo ein Dummer als Käufer findet?

Sprecher Roest lässt sich auf diese Spekulationen nicht ein. Und für die Kunden ist bei Viagogo eh nicht erkennbar, wer der Verkäufer ist - aus Datenschutzgründen, wie es heisst.