Rolf Schweiger und Georges Theiler eilt nicht gerade der Ruf voraus, Staatsinterventionisten zu sein. Im Gegenteil. Doch beim Tourismus machen sie eine Ausnahme und halten die 200-Mio-Fr.-Subvention des Bundes für angebracht. «Die für unser Land wichtige Branche ist sonst kaum in der Lage, international effiziente Werbung zu machen», begründet Theiler seine Haltung, während Schweiger seine Abweichung von der reinen Lehre mit dem Bild begründet: «Wir bewegen uns hier in einem weltweiten Meer von Sündern, sodass die Schweiz nicht abseits stehen kann.»

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Sogar im ordnungspolitischen Sündenfall unterscheiden sich der Zuger Ständerat Rolf Schweiger (59) und der Luzerner Nationalrat Georges Theiler (55) nicht voneinander. Die beiden, die sich um das FDP-Präsidium bewerben, sind politische Zwillinge. Gewählt wird der Nachfolger Christiane Langenbergers an der Delegiertenversammlung vom 17. April in Chur.

Wie der neue FDP-Präsident auch heissen wird: Die Partei rückt nach dem Schwenker vom Januar 2003, als die Freisinnigen nach dem überstürzten Rücktritt Gerold Bührers mit der Wahl Langenbergers Distanz zur Zürcher «Bahnhofstrasse» markiert hatten, wieder näher an die Wirtschaft heran. Dies zeigt nicht nur die Biographie der beiden Anwärter, sondern vor allem ihr freisinniges Selbstverständnis.

So ist für beide klar, dass die FDP immer wieder auf die Grenzen des Staates aufmerksam machen müsse. Die FDP-Devise von 1979 «Weniger Staat, mehr Freiheit und Selbstverantwortung» hat für Schweiger und Theiler nicht an Bedeutung verloren. Angesichts der heutigen Fülle und Dichte der staatlichen Leistungen meint Theiler selbstkritisch, die FDP habe dieser Zielsetzung bei der täglichen Umsetzung «nicht immer nachgelebt». Und zwar gerade zu einem Zeitpunkt, «als sich in den 90er Jahren die Finanzierungsproblematik abzuzeichnen begann, die heute die grösste Herausforderung darstellt», ergänzt Schweiger.

Die FDP wird folglich hier «den Hebel ansetzen» (Theiler). Sie wird künftig, wie beide Kandidaten deutlich machen, vermehrt die Fragen stellen, welche Aufgaben von der Sozial- bis hin zur Infrastrukturpolitik der Staat übernehmen solle und zu welchem Preis. «Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus sachlichen», wie Schweiger betont: «Wenn wir die Standortqualität, die auch auf einem gesunden Finanzhaushalt beruht, durch unsere Fiskal- und Ausgabenpolitik gefährden, bricht ein Teil unseres Wohlstands weg.»

Geht es um Wettbewerb, zeigen Theiler und Schweiger Flagge. Theiler: «Gerade die jüngste Debatte um die letzte Meile hat gezeigt, dass wir Freisinnige auch wettbewerbsorientierter denken als die SVP, vor allem im Interesse der Kunden, die dank Wettbewerb zu vielfältigeren und besseren Dienstleistungen kommen, und das erst noch zu günstigeren Preisen.»

Die FDP, so Schweiger, sei in Wirtschaftsfragen auf die Zukunft ausgerichtet und dafür auch bereit, «bestehende Strukturen in Frage zu stellen». Die SVP stehe demgegenüber wie seinerzeit die Konservativen «eher auf die Bremse», sagt Theiler.

Was soll der Staat für die Wirtschaft tun? Möglichst wenig, lautet unisono die Antwort. «Es soll dafür sorgen, dass sich die Individuen und damit auch die Unternehmen frei entfalten können», sagt Theiler, der jedoch dort für staatliche Eingriffe plädiert, «wo der Markt nicht spielt». Um Missbräuche und Exzesse zu verhindern, könne der Staat durchaus gewisse Grenzen setzen, meint Schweiger: «Wenn das Vertrauen in bestimmte Branchen abhängig ist von staatlichen Kontrollen, von Gewährleistung der Seriosität und von fachlicher Qualifikation, so muss der Staat regulierend eingreifen.» Als Beispiele erwähnt Schweiger Massnahmen gegen die Geldwäscherei, die Revisionsaufsicht und die Corporate Governance.

Der Bereich Bildung und Forschung gehört laut Schweiger und Theiler zu den Kerngebieten freisinniger Politik. «Um die hohe Qualität zu sichern und zu steigern, genügt es nicht nur, jährlich mehr Mittel einzusetzen», sagt Theiler und fordert eine bessere Koordination und eine höhere Effizienz. Schweiger seinerseits wünscht, dass man nicht nur auf die Bildungs- und Forschungsinhalte schaut, sondern auch auf die Art der Ausbildung.


Georges Theiler: Kämpfer gegen die letzte Meile

- Biographie: Geboren am 20. Mai 1949, wohnhaft in Luzern, Geschäftsführer der eigenen Unternehmung GT-Consulting.

- Politik: FDP-Grossrat in Luzern von 1987 bis 1995, Nationalrat seit 1995. Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie sowie der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. Wichtige Vorstösse zur Bundesbeteiligung an der Swisscom, zur Finanzierung von Umfahrungs- und Entlastungsstrassen in den Agglomerationen, zur S-Bahn Zentralschweiz, zur letzten Meile und zur BSE-Problematik.

- Interessen: 12 Verwaltungsratsmandate, darunter Auto AG Holding, Rothenburg, Bison-Holding AG, Neuenkirch, GWP Insurance Brokers AG, Luzern, Mobimo Holding AG, Luzern, Neue Medien AG, Brugg, SPAG Schnyder Plüss AG, Luzern, Swissmetro AG, Bern, Tele Tell AG, Brugg, Wincare Versicherungen AG, Winterthur.

- Einschätzung: Theiler prägt in Bern die bürgerliche Verkehrs- und Infrastrukturpolitik. Er plädiert, siehe sein Engagement für die Freigabe der letzten Meile, für Liberalisierung und Wettbewerb, ohne aber die Interessen der KMU, die er aus eigener Erfahrung kennt, zu vernachlässigen. Ist wirtschaftsnah, wehrt sich gegen Wirtschaftshörigkeit. Wirkt bisweilen distanziert. Ist ein Kämpfer, der seine Gegner nicht schont.

- Wahlchancen: Hat den Nachteil, seine Kandidatur als Zweiter angemeldet zu haben. Entscheidend ist, ob er vor den Delegierten seine Botschaft rüberbringt.


Rolf Schweiger: Kämpfer gegen Fiskal- und Staatsquote

- Biographie: Geboren am 9. Januar 1945, wohnhaft in Baar (ZG), Rechtsanwalt.

- Politik: FDP-Kantonsrat in Zug von 1974/76 bis 1994, Ständerat seit 1999, u.a. Mitglied der Finanz-, Rechts- sowie der Umwelt- und Energiekommission. Wichtige Vorstösse zu Finanzpolitik, zur Sanierung des Bundeshaushalts, zum Elektrizitätsmarkt und zum Standort Schweiz.

- Interessen: 23 Verwaltungsratsmandate, darunter Batim AG, Zug, Hochdorf Nutritec AG, Immago AG, Baar, Industrieholding Cham AG, MH-Medien-Handels AG, Zug, Milchverwertung Sulgen AG, Pechiney Trading Company, Zug, Symtex AG, Zug, Valorit AG, Cham.

- Einschätzung: Schweiger gehört zu den führenden Finanzpolitikern, nicht nur in der FDP, auch auf Bundesebene. Sein Markenzeichen ist eine rigorose Sparpolitik, die auf eine Senkung der Fiskal- und Staatsquote abzielt. Eine solche Politik hält er unabdingbar für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Hier spricht klar der Zuger Ständerat, der seinem Kanton und der Schweiz die internationalen und auslandorientierten Unternehmen erhalten will. So klar seine Forderungen, so umgänglich sein Stil. Schweiger vergisst auch in der Politik seinen Beruf als Anwalt nicht, der die feine Klinge dem Zweihänder vorzieht.

- Wahlchancen: Hat den Vorteil der «offiziösen» und ersten Kandidatur. Entscheidend ist, wie die Delegierten seine Nähe zur Zuger Wirtschaft und sein Alter einschätzen.