Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat in der vergangenen Woche während drei Tagen die Türkei besucht, um Schweizer Unternehmen die Türen zu öffnen. Mit einer eher jungen Bevölkerung von mehr als 72 Mio. Einwohnern ist die Binnennachfrage stark. Doch das Land hat keine eigenen natürlichen Energiequellen. Ölimporte haben im vergangenen Jahr zu einem Rekord-Handelsdefizit geführt.

Es genügt, einen Fuss in ein Hotel in Istanbul zu setzen, um festzustellen, dass Überlegungen zum Energiesparen die Türkei noch nicht erreicht haben. Der Energie-Verbrauch ist in den letzten zehn Jahren jährlich um mehr als 5 Prozent gestiegen. Derweil plant die Regierung, zwei neue Atomkraftwerke zu bauen.

Chance für Stromproduzenten

Für Schweizer Stromproduzenten ist dies eine Chance. Die EGL, die zum Axpo-Konzern gehört, hat im vergangenen Jahr zwei Co-Unternehmungen im Land gegründet und will ab 2018 Erdgas über die neue Pipeline TAP (Trans Adriatic Pipeline) fördern. Noch braucht es die letzten Entscheidungen der Behörden, doch das Projekt sei auf gutem Weg, sagte Markus Brokhof von der EGL-Direktion in Ankara gegenüber der sda.

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Weniger Grund zum Optimismus haben Schweizer Architekten. Die Regierung akzeptiert die Schweizer Regelung zur Berufsausübung nicht. Absurd, findet Daniel Küng von der Organisation Ingenious, eine Exportplattform des Bundes für die Branchen Architektur und Design.

Dabei könnte die Türkei gerade jetzt, rund fünf Monate nach dem Erdbeben, die Unterstützung aus der Schweiz gebrauchen. Schweizer Architekten suchen darum eine Form von direkter Zusammenarbeit mit kleinen und mittelgrossen türkischen Unternehmen.

Grosser Bedarf im Transportwesen

Viel zu tun gibt es auch im Transportwesen. Die Türkei, rund zwanzig Mal grösser als die Schweiz, verfügt über tausend Kilometer Autobahn, die Bahn absorbiert nur ein Prozent des gesamten Verkehrs. Der Eisenbahn-Tunnel unter dem Bosporus, der Meeresenge zwischen dem europäischen und asiatischen Stadtteil, soll zur Entwicklung der Infrastruktur massgeblich beitragen.

Das Projekt Marmaray ist gigantisch, insgesamt wird es gegen vier Milliarden Dollar kosten. Auch Schweizer sind dran beteiligt. Vigier Rail, ein Betonwarenhersteller für die Bahnindustrie aus Müntschemier BE, liefert 80'000 Bahnschwellen für die Doppelspurstrecke.

(chb/sda)