Armin Meyer ist nicht zu beneiden: Der CEO und Verwaltungsratspräsident des Basler Spezialitätenchemieunternehmens Ciba musste am 6. November einmal mehr über ein schwieriges Quartal Rechenschaft ablegen. Meyer konnte zwar einen leichten Anstieg von Umsatz und Profitabilität im Vergleich zum 3. Quartal 2006 vorweisen. Die gestiegenen Rohstoffpreise und eine ausserordentliche Steuerbelastung frassen diese Fortschritte aber teilweise auf. Hinzu kommt: Ciba kann die ursprünglich für das gesamte Geschäftsjahr 2007 anvisierte Verbesserung der Betriebsgewinnmarge in Höhe von «rund einem Prozentpunkt» nicht mehr erreichen. Auch bei Konkurrentin Clariant wird am 7. November die Veröffentlichung eines gemischten Quartals erwartet.

EU-Gesetze mit Mehrkosten

Damit hält die schwierige Situation der beiden Konzerne an. Sie können sich nur schwer aus ihrer ungemütlichen «Sandwichposition» zwischen mächtigen Rohstofflieferanten und preissensiblen Kunden lösen. Es fällt Ciba und Clariant nicht immer leicht, die Kosten für die Rohstoffe auf die Preise für ihre Produkte zu überwälzen. Clariant-CEO Jan Secher verordnete seinen Verkaufsleuten deshalb gezielte Weiterbildungskurse, um für die entsprechend harten Preisverhandlungen besser gerüstet zu sein.
Hinzu kommt: Das neue Chemie-Gesetz der Europäischen Union («Reach») verteuert die Produkte zusätzlich. Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG kommt in einer aktuellen Studie zum Schluss, dass die gesamte Schweizer Chemiebranche in den kommenden elf Jahren mit Mehrkosten zwischen 196 und 949 Mio Fr. rechnen muss. Hintergrund: Chemische Stoffe, die in der EU hergestellt oder dorthin importiert werden, müssen neu registriert werden.
Die Anleger brauchen deshalb starke Nerven, wenn sie in Ciba und Clariant investieren wollen. Seit 1999 verloren beide Titel deutlich an Wert.

Nur Gerüchte bringen Fantasie

Die Aktien legten nur an Wert zu, als an der Börse Spekulationen auftauchten – Ciba und Clariant gelten seit langem als Übernahmekandidaten, und eine Konsolidierung der Branche ist laut Analysten unausweichlich. Ehemalige Clariant-Kadermitarbeiter rechnen damit, dass dies auch zu «Rückwärtsintegrationen» führt. Dies würde bedeuteten, dass es nicht nur zu Fusionen unter Spezialchemiefirmen kommt, sondern auch zu Zusammenschlüssen zwischen Vertretern der Grund- und der Spezialchemie.

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