Kaum haben die Sommerferien begonnen, sind die Reiseveranstalter damit beschäftigt, das Winterhalbjahr (1. November bis 30. April) zu lancieren. Eine Umfrage bei den grössten Ferienanbietern (siehe Tabelle) lässt für die Portemonnaies der Konsumenten Gutes erahnen.

Wurden infolge der durch die Wirtschaftskrise bedingten Buchungsrückgänge die Preise für den Sommer 2009 ad hoc nach unten korrigiert, werden sie für den Winter 2009/10 nun bereits vorab gesenkt: 5 bis 10% sollen es bei M-Travel Switzerland werden, so die Geschäftseinheit Schweiz der Hotelplan-Gruppe; ebenfalls 5 bis 10% werden es bei TUI Suisse, so die Schweizer Niederlassung von Europas grösstem Reisekonzern.

Dies hat zwei Hauptgründe: Einerseits ist der Wechselkurs des Euro zum Franken stabiler, andererseits sind die Einkaufskonditionen für Flüge und Hotels besser. Die Warmwasserziele in Übersee, die in der Wintersaison stärker nachgefragt werden, sind deutlich teurer als Badeferien am Mittelmeer, wie sie in den Sommermonaten zuhauf im Verkauf sind.

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Kuoni gibt Preisgarantie ab

Dass Ferien vor allem in Übersee tendenziell günstiger werden, lässt sich auch Kuoni Schweiz entlocken, doch mehr will der Branchenführer nicht preisgeben, weil die Verhandlungen noch laufen. Um der Konkurrenz trotzdem Paroli bieten zu können, gibt Kuoni hierzulande eine Preisgarantie für Vorreservationen ab: «Wir garantieren den tiefsten Preis gegenüber unseren Mitbewerbern», heisst es in einem Schreiben an die Reisebüros - vorausgesetzt, es handle sich um identische Angebote.

Den Sommer 2009 hatten die Anbieter offensiv mit mehr Angebot als Nachfrage gestartet. Nun ziehen sie ihre Lehren: Für den Winter 2009/10 wird defensiver geplant, um nicht wieder 10 bis 20% der Produkte aus dem Markt nehmen zu müssen bzw. die Restplätze mit Sonderaktionen zu verschleudern; wobei es trotzdem nicht mehr Last-Minute-Angebote gibt als sonst. «Last Minute wird in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen, weil die Konsumenten sich viel später entscheiden und noch kurzfristiger buchen», sagt Kuoni-Sprecher Peter Brun.

M-Travel kauft im Vergleich zur vergangenen Wintersaison 20 bis 25% weniger Flugkapazitäten ein, ohne dabei die Anzahl der Destinationen zu reduzieren. Bei Kuoni sind es knapp 20%. Auch TUI senkt ihre Risiken um rund 10%. Die Devise lautet: Mengen runter, Margen rauf, weil das Geschäft nach wie vor unberechenbar ist. Mit diesen Massnahmen wollen Kuoni und TUI profitabel bleiben und M-Travel zumindest die Verluste senken. «Wir werden auch dieses Jahr mit einem positiven Resultat abschliessen», meint Martin Wittwer, CEO von TUI Suisse. Wo Kuoni Schweiz steht, werden erst die Zahlen zum 1. Halbjahr 2009 am 20. August weisen.

Hotelplan macht Boden gut

Auch wenn Migros-Chef Herbert Bolliger unumwunden bestätigt, dass die gesamte Hotelplan-Gruppe 2009 rote Zahlen schreiben wird, schlägt sich die Migros-Reisetochter hierzulande achtbarer als im Vorjahr, wie Thomas Stirnimann, CEO von M-Travel Switzerland, gegenüber der «Handelszeitung» erklärt: «Wir werden zwar schlechter abschneiden, aber in jeder Beziehung Boden auf die Konkurrenz gutmachen.»

Im Geschäftsjahr 2008/09, das am 31. Oktober endet, präsentiert sich per 30. Juni ein gemischtes Bild im Heimmarkt, der fast die Hälfte des Resultates der Gruppe ausmacht: Während das Kundenminus im letzten Halbjahr auf einen mittleren Wert im einstelligen Prozentbereich sank, stieg das Umsatzminus im gleichen Zeitraum auf einen höheren Wert im einstelligen Prozentbereich. «Dies widerspiegelt den Preiszerfall, der zurzeit in der ganzen Reisebranche grassiert», so Stirnimann.

Eineinhalb Jahre nach der Zusammenführung von Hotelplan Schweiz mit Travelhouse zu M-Travel Switzerland sei man konkurrenzfähiger und leistungsstärker geworden. «Ich gehe davon aus, dass der hiesige Reisemarkt 2009 zwischen 15 und 20% schrumpfen wird», ergänzt Stirnimann, «so gesehen, gewinnen wir verlorene Marktanteile zurück.» Dies geschieht auf Kosten von Kuoni Schweiz und TUI Suisse, die beim Buchungsstand für das laufende Jahr jeweils von einem Umsatzrückgang um 15% berichten.