TOURISMUS. Wöchentlich treffen tausende von Unterschriften bei uns ein. Über 100000 haben wir bereits gesammelt, sodass unsere Initiative mit absoluter Sicherheit zustande kommt», ist Umweltaktivist Franz Weber überzeugt. Die Sammelfrist endet am 20. Dezember 2007. Mit seiner Initiative will der 80-Jährige dafür sorgen, dass das «fanatische Rennen um die letzten noch überbaubaren Quadratmeter Schweizerboden gestoppt wird» (siehe Kasten).

Kommt die Initiative vors Volk, stehen die Chancen gut, dass sie angenommen wird. Denn das Thema ist emotional. Hanspeter Danuser, langjähriger Kurdirektor von St. Moritz, warnte bereits im Sommer: «Weber wird von rechts und links unterstützt, das kann eine unheilige Allianz geben.» Weiter sagte er im Interview mit der «Handelszeitung»: «Wenn die Initiative durchkommt, haben wir hier oben ausgebaut.»Gebaut wurde in der gesamten Schweiz in den vergangenen Jahren viel: Laut Zahlen des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus der Universität Bern (Fif) stieg die Zahl der Betten in Zweitwohnungen seit 1988 von 700000 auf rund 1 Mio im Jahr 2003. Und die Zahl der Ferien- und Zweitwohnungen nahm zwischen 1980 und 2000 um 75% zu.

«Quoten sind immer schlecht»

Würde die Initiative «Schluss mit dem uferlosen Bau von Zweitwohnungen» angenommen, so würde dies nicht nur das Engadin treffen, sondern den gesamten Kanton Graubünden sowie das Wallis. «Quoten sind immer schlecht, da diese keine Differenzierung zulassen und zumal die Zahl der Zweitwohnungen im Verhältnis zu den Erstwohnungen im letzten Jahrzehnt um nur 1% zunahm», bestätigt Eugen Arpagaus, Leiter des Amts für Wirtschaft und Tourismus des Kantons Graubünden. Im Wallis nimmt man die Nachricht der erfolgreichen Unterschriftensammlung gelassen. «Ich glaube nicht, dass die Initiative eine Chance hat», sagt Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus. Es wäre auch falsch, das Problem auf nationaler Ebene anzupacken. «Man muss es vor Ort lösen.» Das Wallis sei hier auf gutem Weg. In Zermatt zum Beispiel darf die Bruttogeschossfläche für den Bau von Zweitwohnungen 850 m2 nicht überschreiten – das, nachdem im Jahr 2006 gemäss «Walliser Bote» die Rekordfläche von 25877 m2 gebaut wurde.

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Die Dynamik lässt nach

Trotz der Entwicklung im Wallis sieht Arpagaus vom Amt für Wirtschaft und Tourismus im Kanton Graubünden nicht im Zweitwohnungsbau das eigentliche Problem. «Wir spüren eine Plafonierung der Dynamik», stellt er fest. Deshalb würde es Arpagaus begrüssen, wenn die Lex Koller endlich fallen würde. «Wir haben zurzeit Projekte mit je 200 und mehr Betten für Klosters, Lenzerheide und Flims Laax auf dem Tisch liegen.» Weil die Investoren aber hauptsächlich aus dem Ausland kommen, macht die Lex Koller einen Strich durch die Rechnung. Arpagaus ist überzeugt: «Wenn wir Wachstum wollen, müssen wir offen sein für europäische Bürger. Das wird die Zukunft noch akzentuiert zeigen.»Wie bei Webers Initiative ist auch in der Frage, ob die Lex Koller aufgehoben werden soll, eine «unheilige Allianz» von links und rechts in Sicht. Sie dürfte wohl verhindern, dass Ausländer verstärkt Schweizer Immobilien kaufen können. Zum Ärger der Tourismusregionen.

Die Volksinitiative

Lex Koller