Die kritischen Stimmen mehren sich in Andermatt, wo der ägyptische Gross-investor Samih Sawiris bis 2014 für rund 1,5 Mrd Fr. sechs Hotels, 490 Wohnungen und 30 Ferienhäuser mit insgesamt gegen 5000 Betten hinpflanzen will.

Laut anonymen Umfragen befällt bereits 60% der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem grössten je geplanten Tourismusresort in der Schweiz ein mulmiges Gefühl. Leere Bauruinen als Folge der globalen Tourismuskrise und hohe Zusatzkosten für die Region befürchten die einen, zu hohe Bodenpreise für die Einheimischen andere. Auch die auf Modellen publik gemachte Architektur stösst auf wenig Begeisterung.

Beirren lässt sich Samih Sawiris davon nicht, auch wenn seine Immobilien-Holding Orascom nach einem Rekordjahr 2008 zuletzt an Aktienwert verloren hat. Die Schweiz sei als Liegenschaftsmarkt trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise nach wie vor attraktiv, liess Sawiris sich zuletzt immer wieder zitieren. Das Projekt werde deshalb ohne Abstriche vorangetrieben. Die ersten Baubewilligungen sollen demnächst vorliegen. Insider im Urnerland bestätigen, dass das Projekt zu 90% realisiert werde.

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Sawiris ist der bedeutendste unter zahlreichen Investoren, die in der Schweiz über die nächsten Jahre moderne und grosse Ferienresorts errichten möchten. Wie die Fachzeitung «Hotel Revue» recherchiert hat, sind auf dem Reissbrett nicht weniger als 53 Projekte mit 25 000 neuen Gästebetten geplant. Rund 80% davon fallen auf die beiden grössten Ferienkantone Wallis und Graubünden.

Nur vereinzelt Verzögerungen

Die grössten Anlagen neben dem Sawiris-Resort in Andermatt sollen im Wallis zu stehen kommen. Auch dort machen die Inves-toren keine Anstalten, ihre gigantischen Projekte auf Eis zu legen oder gar zu begraben.

Im Mollens plant der russische Bauriese Mirax für gegen 500 Mio Fr. das «Village Royal Aminona» mit über 2000 neuen Betten. Man spüre keine Krise und werde bauen, sagen die Russen. Der Baubeginn dürfte sich wegen einer hängigen Einsprache des WWF jedoch verzögern.

In Verbier wollen kanadische Investoren für 250 Mio Fr. 300 Chalets mit 2000 Betten errichten. Ein weiteres Grossprojekt mit über 1000 neuen Betten ist in Nendaz geplant.

«Von den offiziell angemeldeten Bauvorhaben ist bisher keines aufgrund von finanziellen Problemen zurückgezogen worden», bestätigt François Seppey, Dienstchef für Tourismus und Wirtschaft beim Kanton Wallis. Zwar gebe es beim einen oder anderen Projekt Verzögerungen, weil vorübergehend Investitionsstopps verhängt worden seien, räumt er ein. «Wir gehen aber davon aus, dass die meisten bauen werden», so Seppey, der die Attraktivität der Schweiz und des Wallis für ausländische Immobilieninvestoren für ungebrochen hoch hält.Der gleichen Meinung ist Michael Caflisch vom Graubündner Amt für Wirtschaft, obwohl auch er feststellt, dass das wirtschaftliche Umfeld der Investoren schwieriger geworden sei. Über aktuelle Kenntnisse zum Finanzierungsgrad der rund 15 geplanten Ferienresorts im Bündnerland verfügt er indes nicht. Auf guten Wegen ist derweil das grösste unter ihnen, das Rocks Resort in Laax mit 160 Appartements und 1000 Betten, die unter Vermietungszwang verkauft werden. 2010 soll plangemäss die Eröffnung gefeiert werden.

Schweiz ist hoch im Kurs

Für Guglielmo Brentel, Präsident des Verbands Hotelleriesuisse, ist es nicht erstaunlich, dass die Schweiz bei ausländischen Gross-investoren nach wie vor hoch im Kurs ist. «Im Unterschied zu anderen Ländern haben wir hierzulande keine Immobilienblase, was trotz der aktuellen Krise für relativ stabile Preise sorgt.» Daneben zeichne sich die Schweiz durch Werte wie Nachhaltigkeit, Sicherheit, Sauberkeit und politische Stabilität aus.

Das sind alles positive Eigenschaften für den Immobilienmarkt, genau wie die sehr gute Verkehrserschliessung oder das funktionierende Schweizer Gesundheitssystem. Trotzdem bleibt Brentel realistisch. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass von den geplanten über 50 Projekten nicht alle realisiert werden.» Er zweifelt allerdings auch an, dass der Schweizer Tourismus so viele neue Betten im Bereich Resorts tatsächlich brauche.

Schäden programmiert

Eine Studie der Universität Bern nennt neben den Chancen solcher Resorts (Steigerung der internationalen Bekanntheit und Anziehungskraft) derweil auch beträchtliche Risiken. Da Investoren auf günstiges Land angewiesen seien, würden für solche Resorts bevorzugt wenig erschlossene Räume genutzt. Der dadurch notwendige Bau von Infrastrukturanlagen beeinträchtige die Natur erheblich.

Ein Risiko sei auch die Verdrängung einheimischer Anbieter und Arbeitskräfte sowie hohe Zusatzkosten für die Gemeinde, falls das Projekt scheitert. Die Studie spricht damit genau jene Gefahren an, die zurzeit in Andermatt, Mollens, Verbier und anderen Orten für gemischte Gefühle sorgen.