Schluss mit dem Gästeschwund, sagt sich Leo Jeker. Dem Direktor der Savognin-Bergbahnen ist nicht entgangen, dass die Auslastungen in den Ferienwohnungen des Bündner Tourismusorts seit Jahren rückläufig sind. Innert zehn Jahren haben sich die Logiernächte in der Parahotellerie halbiert. «Die Ferienwohnungen werden immer seltener und unprofessioneller vermietet», klagt er. Jeker hat sich mit Gemeindevertretern und privaten Investoren zusammengesetzt. Resultat: Es werden 36 Mio Fr. in die Modernisierung der touristischen Infrastrukturen fliessen.

Kernstück der Savogniner Offensive ist neben dem Cube-Hotel mit 300 Betten die neue Ferienresidenz Surses Alpin. Sie ist mit Wohnungen mit 400 Betten ausgestattet. Die Betreiberin, Surses Alpin SA, hat mit Reka, Thomas Cook Deutschland und TUI Holland mehrjährige Mietverträge abgeschlossen. Jeker rechnet, dass die im Dezember 2006 zu eröffnende Ferienresidenz bis zu 30 Wochen im Jahr belegt sein wird. «Wir sorgen für warme Betten im Gegensatz zu den kalten Betten von privaten Eigentümern, die nur wenige Wochen im Jahr vor Ort sind.» Die Ankurbelung des Tourismus ist den Savognin-Bergbahnen 6,5 Mio Fr. wert. Die Gemeinde Savognin leistet ebenfalls ihren Beitrag und gewährt für den 14-Mio-Fr.-Bau ein zinsloses Darlehen über 3 Mio Fr.

Wenige Wohnungen vermietet

Das Modell erhält in Fachkreisen gute Noten. Für Thomas Bieger, Tourismusexperte an der Universität St. Gallen, ist die Wertschöpfung im Ort so nachhaltig zu steigern. «Kleinere Destinationen wie Savognin sind dringend auf Übernachtungsgäste in der Parahotellerie angewiesen, da die Hotellerie nicht so stark ist.» Das schweizweite Problem der wachsenden Anzahl kalter Betten lässt sich aber so nicht lösen. Im Rahmen einer Feldstudie in der Region Flims/Laax hat Bieger nämlich festgestellt, dass nur 5% der Ferienwohnungsbesitzer bereit sind, ihr Objekt zu vermieten. Die Nutzungsdauer des Besitzers selbst oder Verwandten und Bekannten beträgt sieben Wochen im Jahr. Die restlichen 45 Wochen trüben geschlossene Fensterläden das Dorfbild.

Anzeige

Arosa versucht das Problem in den Griff zu bekommen, indem Ferienwohnungsbesitzer die Gästetaxe statt pro Aufenthalt als Jahres-pauschale entrichten müssen.

Insgesamt gibt es in der Schweiz rund 90000 Ferienwohnungen mit 360000 Betten. Höchstens 10% davon werden organisiert vermietet. Der mit Abstand grösste Anbieter in der Schweiz ist Interhome mit 3100 Wohnungen im Angebot. Es folgen Reka mit 1450, Immotour mit 800 und Hapimag mit 500 Wohnungen.