Das Fernsehen der Swisscom, Bluewin TV, ist ein Sorgenkind. Ein grosses. Zwar melden sich jede Woche 1500 neue Haushalte an, doch genau das ist ein Problem. Denn jeder neue Kunde belastet die Swisscom mit 1400 Fr. «Diese Kosten sind zu hoch», klagt Swisscom-CEO Carsten Schloter.
Deshalb prüft der Konzern nun laut Swisscom-Sprecher Carsten Roetz, «das Angebot mit reduziertem Funktionsumfang aus dem Verkauf zu nehmen». Im Klartext: Ein qualitativ gutes Bild und die Möglichkeit, fernzusehen und gleichzeitig auf einem anderen Kanal eine Sendung aufzunehmen, gibt es nur noch für all diejenigen Haushalte, die über den Hoch­geschwindigkeits-Internetzugang VDSL angeschlossen sind.

*Hunderttausende sind betroffen*
Das Light-Fernsehen über die langsamere ADSL-Verbindung soll vom Markt verschwinden. Zum einen, weil die Installationskosten weit über dem Durchschnitt liegen. Zum anderen, weil Swisscom aus Imagegründen keine abgespeckte Version mehr anbieten will. Schon heute tummeln sich in Internetblogs und Foren mehrere Bluewin-TV-Kunden, die sich bitter über «ein schlechtes Bild» oder eine Asynchronität von Bild und Ton beklagen. Roetz bestätigt, dass «die Kundenzufriedenheit bei ADSL-Haushalten tiefer ist als bei solchen, die Bluewin TV via VDSL empfangen».
Betroffen vom Ende des Light-Fernsehens wären hunderttausende möglicher Kunden. Derzeit könnte Swisscom 2,3 Mio Haushalte mit Bluewin TV abdecken. 2 Mio davon verfügen über einen VDSL-Anschluss.

*Italiener sollen sparen helfen*
Mit dieser Einschränkung der eigenen Reichweite versucht Swiss­com, die hohen Installationskos­ten in den Griff zu bekommen, die bis 2009 ansonsten bis zu 200 Mio Fr. betragen würden.
Einen zusätzlichen Sparhebel erhofft sich Swisscom von der Zusammenarbeit mit der italienischen Breitbandanbieterin Fastweb, die sie im Mai für fast 7 Mrd Fr. gekauft hat. Deren Erfahrung und ihr Know-how sollen zu tieferen Investitionen bei Swisscom führen. Noch bleibt Bluewin TV aber ein teures Sorgenkind.

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