Als Strassenfeger kann die Fussball-EM aufgrund der überfüllten Public-Viewing-Zonen zwar nicht bezeichnet werden. Dennoch fesselt die Euro 08 dieser Tage auch unzählige Schweizer vor das TV-Gerät in der eigenen Stube. Fussball dominiert auch hier und beschert den öffentlich-rechtlichen Sendern dank exklusiver Übertragungsrechte traumhafte Einschaltquoten. In die Röhre gucken derweil die meisten Privatsender, die aus Mangel an Gebührengeldern erst gar nicht um die Rechte für eine Fussball-WM, Fussball-EM oder Olympische Spiele mitbieten können.

«Werden die Euro 08 spüren»

Einer von ihnen ist der Schweizer Privatsender «3+». Dominik Kaiser, Gründer und Geschäftsführer der jungen TV-Station, macht sich keine Illusionen. «Wir werden die Euro 08 stark zu spüren bekommen und können eigentlich nur alles daran setzen, um in dieser Periode möglichst wenige Zuschauer zu verlieren.»

Gelingen soll dies mit einem Programm, das gemäss Kaiser möglichst komplementär zum Fussball ausgerichtet ist. Ausgewählt wurden demnach Filme, die gemäss Medienforschung als Alternative zum Fussball den grösstmöglichen Erfolg bringen sollen.

Ähnliche Strategien verfolgen auch die grossen deutschen Privatsender, die sich beim Schweizer Publikum über die letzten Jahre ein Stammpublikum erarbeitet haben. Bei RTL setzt man zur Hauptsendezeit als Alternative zur Fussball-EM auf bewährte Erfolgsserien wie «CSI: Miami» oder «Dr. House», wie Sprecher Konstantin von Stechow bestätigt. Das Gleiche gilt für Sat 1, wo man keinen Anlass sieht, das bewährte Programm zu ändern. «Natürlich werden wir während der Spielübertragungen unterdurchschnittliche Einschaltquoten haben», räumt Chefredaktor Andreas Thiemann ein, verlässt sich aber auch während des Fussball-Events auf seine Stammklientel – auch in der Schweiz. Das sind am Nachmittag zwischen 13 und 17 Uhr vor allem die Frauen, die sich auf den Privatsendern Serien anschauten – weil sie sich eher weniger aus Fussball machten.

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Für die nach Fussball verrückte Männerwelt will RTL auch während der Euro 08 eine Alternative bleiben. «Wir können zwar keine Live-Spiele anbieten, senden aber in regelmässigen Abständen Zusammenfassungen und Analysen zur EM», erklärt von Stechow. Sogar eigene Reporterteams hat RTL zu diesem Zweck in die Euro-Länder Schweiz und Österreich entsandt.Trotz allen Bemühungen: Schönreden lassen sich die zu erwartenden Einbussen für die Privatsender nicht. Schon gar nicht im Werbemarkt, wo die Zahlen 1:1 vorliegen. Transparent gibt sich in diesem Punkt allein «3+», der gemäss Geschäftsführer Dominik Kaiser ein «Euro-Loch» von rund 30% gegenüber der Vorjahresperiode erwartet. Gleichzeitig betont er aber: «Wir werden gegenüber der Vorjahresperiode trotzdem zulegen; bei den Olympischen Spielen rechnen wir indes mit keinem Rückgang.»

Preisliche Zugeständnisse

Ähnlich hohe Verluste haben die deutschen Privatsender vor zwei Jahren während der Fussball-WM im eigenen Land eingefahren. In diesem Jahr sei dies nicht der Fall, sagt Michael Krautwald, Chef der Sat-1-Vermarktungsfirma Seven one Media. «Einzig während der Spielzeiten der deutschen Nationalmannschaft haben wir marginale Einbussen zu verzeichnen.» Ganz ohne preisliche Zugeständnisse gegenüber den Werbekunden geht es aber auch bei Sat 1 nicht. Man habe vorgesorgt und die sogenannten «Tausend-Kontakt-Preise» schon frühzeitig für die Periode während der Euro 08 angepasst, sagt Krautwald.

Nicht anders ist «3+» vorgegangen. «Da wir während der Euro 08 von tieferen Zuschauerzahlen ausgehen, haben wir die Werbespot-Tarife schon frühzeitig tiefer angesetzt», sagt Dominik Kaiser.